Solothurn

Klassen und Familien tauschen: Im Französischunterricht werden Brücken gebaut

In der Oberstufe der Stadtschulen findet der Französischunterricht nicht hinter verschlossenen Türen statt. Letzte Woche tauschten 120 Schülerinnen und Schüler aus Solothurn und Aubonne ihre Klassen und Familien.

Eine besondere Stimmung herrscht an diesem Montagmorgen im Gang Nord des Schulhauses Schützenmatt. In den Klassen arbeiten die Jugendlichen an ihren Aufträgen. Die Atmosphäre ist lebendiger als sonst. In den Zweier- oder Dreiergruppen spricht meistens nur eine Schülerin oder ein Schüler. Sie bemühen sich um eine klare und langsame Aussprache. Das wird diese Woche oft so sein, weil die Hälfte ihrer Mitschüler aus dem französischsprachigen Aubonne kommt. Die andere Hälfte der Solothurner ist umgekehrt in der Westschweiz. Am Mittwoch werden dann die Rollen getauscht, die zu Hause gebliebenen treten die Reise nach Aubonne an.

Um die Französischkenntnisse in den Solothurner Schulen stehe es schlecht. Daher fordert der Kanton vom Bund, dass Klassenaustauschprojekte mehr gefördert werden. In den Stadtschulen Solothurn sind die Lehrpersonen bemüht, ihre Schülerinnen und Schüler mit der Westschweiz in Kontakt zu bringen. Wie zum Beispiel aktuell im Schützenmattschulhaus an der Oberstufe.

Unmöglich ohne externe Unterstützung

«Wenn ich die Jugendlichen so sehe, weiss ich, dass sich die intensive Vorbereitung gelohnt hat», sagt Barbara Feier überzeugend. Die Klassen- und Französischlehrerin ist Initiantin des Austausches, an dem dieses Jahr drei Sek E Klassen mitmachen. Bereits im Mai kam es zum ersten Treffen in Aubonne. Im September waren dann die Waadtländer in Solothurn zu Besuch. Der Höhepunkt des Austausches findet diese Woche statt. Die Idee zu dieser Form kam von Movetia, die Schweizer Agentur für Austausch und Mobilität, die das Projekt finanziell unterstützt.

«Ohne die Mithilfe der Eltern sowie aller Lehrerinnen und Lehrer hätten wir das nie zustande gebracht», ist sich Barbara Feier sicher. In jedem Fach wurde ein Spezialprogramm vorbereitet. Zudem mussten die Schülerinnen und Schüler in Gastfamilien untergebracht werden. Da die Unterbringung der Schüler aus Aubonne nicht ganz durch die Eltern der Solothurner Schüler abgedeckt werden konnten, boten einige Lehrerinnen und Lehrer ihr Zuhause ebenfalls als Unterkunft an. Es gab Familien, die nahmen gleich mehrere Jugendliche bei sich zu Hause auf, wie zum Beispiel der Stadtpräsident Kurt Fluri, dessen Söhne die Austauschklassen besuchen. «Die Zeit mit ihnen war sehr angenehm. Am Ende haben sie dann auch angefangen mehr Deutsch zu reden», sagt Annina Toledo. Sie und ihr Mann Paul Meier haben drei Jugendliche zu Hause aufgenommen.

Sprachliche und kulturelle Bereicherung

Diego, der am Mittwoch angereist kam, meinte stockend: «Ich kann ein wenig besser Deutsch.» Zoe findet den Austausch sympathisch: «Wir haben die Stadt besucht und gingen auf die Schlittschuhbahn», wobei sie das letzte Wort zuerst auf Französisch und dann auf Englisch sagt. Till, der am Montag bis Mittwoch in Aubonne war, fand es in der dortigen Schule langweilig: «Sie hatten kein Spezialprogramm für uns.» Seine Begleitung Laura stimmt zu: «Wir haben im Unterricht fast nichts verstanden», erzählt sie. Dafür sei der Aufenthalt in der Gastfamilie sehr bereichernd gewesen. Vor allem für Kanuja: «In der Familie habe ich viel mehr gelernt als in der Schule.» Sie hat nicht nur sprachlich von ihrem Aufenthalt profitiert: «Es war speziell zu sehen, wie die Familie die Adventszeit verbringt. Sie haben Weihnachtslieder gesungen. Das fand ich sehr schön.» Michael Woodtli, der Klassenlehrer einer der drei am Austausch beteiligten Klassen, findet diesen Aspekt wichtig: «Die Interkulturalität wird gefördert und schon scheint die Westschweiz nicht mehr so weit entfernt.» Die Klassenlehrerin Corinne Masur zeigt sich vom frischen Wind begeistert: «Es gibt eine ganz andere Dynamik.» Alle drei Klassenlehrpersonen sind sich einig, der enorme Aufwand habe sich gelohnt. Jedoch wäre die Austauschkoordination durch eine externe Stelle wünschenswert, weil die Organisation grosse Ressourcen beanspruchen würde.

Partnerschule willkommen

Um die Erfahrungen wieder nutzen zu können, wäre eine feste Partnerschule sehr willkommen. Da ist sich Stefanie Ingold, Schulleiterin Sek I, sicher. Sie sei mit dem Volksschulamt im Gespräch, die sie bei der Suche für geeignete Kandidaten unterstützen könnte. Eine feste Partnerschule würde nicht nur den Schülerinnen und Schülern eine Gelegenheit bieten, ihre Sprachkenntnisse aufzubessern: «So hätte auch ich einen Grund mein Französisch wieder aufzufrischen», sagt sie schmunzelnd.

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