Als ob man von Jules Vernes an die Hand genommen wird: Hier am Kofmehlweg gehts dieser Tage auf eine Reise in (mehr als) 80 Bissen um die Welt. Es sind kurzweilige 120 Meter mit 43 Verpflegungsständen, die Freitagabend vom anschwellendem Strom an hungrigem Publikum in Beschlag genommen wurden.

Schon einige Tage zuvor hatten die bunten Fähnchen und Stoffstreifen unter der Westumfahrungsbrücke auf den Anlass «gluschtig» gemacht. Und kein Kontinent wurde im Repertoire des multikulturellen Freiluftrestaurants ausgelassen. Bereits wiederholt dabei ist der «Yemen Express» – und das will allemal was heissen: Herangetuckert ist er zwar nicht von der arabischen Halbinsel, aber immerhin aus St. Gallen.

Amir Shavit präsentiert stolz das vegetarische oder vegan zubereitete «Flaggschiff»: Das Malawach gilt als traditionelles Fladenbrot der jemenitischen Juden, und ist mit seinen verschiedenen Füllungen auch für hiesige Mägen bekömmlich. «Die Menschen von hier finden die Speise zwar eher ungewöhnlich, aber sie lieben sie», sagt Shavit, der wie das ganze Team aus Israel stammt und über Solothurn eine klare Meinung hat: «nice city». Als Gegengewicht für Fleischesser: Barbecue à la Nigeria gibt es bei Osho Olufemi von «Jungle Kitchen»  – also der Dschungelküche.

Liebesbekenntnis fürs Festival

Vegetarisches findet sich auch bei «Tippa-one’s Kitchen»: Ein aus Bambusrohren stimmig gefertigter Essensstand und ein professionelles Logo lassen den Eindruck nach einem etablierten Gastrounternehmen aufkommen. «Nein, nein, das Logo wurde speziell fürs Street Food Festival gemacht», sagt Tippawan Schöni-Ketlim, die mit Daniel Eymann die Stellung hält. Beide sind beruflich ausserhalb der Gastro-Branche daheim, haben aber Erfahrungen an diversen Thai-Festivals gesammelt.

Wenig erfolgsprechend, meint Eymann, da das thailändische Essen kaum fleischfrei sei. Hier hingegen scheint sich der Effort – eigenes Logo und zwei «geopferte» Wochen Ferien – auszuzahlen. Und so kommt auch das klare Liebesbekenntnis ans Street Food Festival: «Es fägt mega!», sagt Eymann.

Vorbeischlendernd am Duft von ungarischem Hefegebäck, von holländischen Frites, von Känguru-Sandwiches und von Himalaja-Burgern trifft der kulinarische Globetrotter dann doch auf etwas Urchiges – und damit fast Exotisches: Dort, wo die «Raclette Bar» von Werner Hauser aus Zürich steht, fliessen Käse und Aare miteinander um die Wette. Wie sagte Heraklit so schön: Alles fliesst. Ums Swissness-Alleinstellungsmerkmal geht es ihm hier übrigens nicht – mehr um die Spass an der Freude. Zwar stammt er vom gastronomischen Fach, doch die «Raclette Bar» sei dann doch ein Hobby. Und auch bei der Auswahl des Festivals ist man wählerisch. «Während nämlich Grossstädte durch Essfestivals geradewegs übersättig sind, haben kleinere Städte wie Solothurn noch Hunger danach», sagt Hauser, der den Standort geniesst.

Einem «relaxten Start» sah am Freitagabend kurz vor «Essenszeit» Chrigu Stuber vom Organisationsteam des Street Food Festivals entgegen: «2016 waren wir noch bis zur letzten Minute beschäftigt, heuer waren die Vorbereitungen koordinierter und begannen früher.» Und auch die 50 Helfer sorgten für einen reibungslosen Start – und werden auch in den verbleibenden zwei Tagen bestimmt für ein weiterhin «gluschtigs» Street Food Festival besorgt sein.

Chrigu Stuber vom Organisationskomitee des Streetfood Festival Solothurn hat sich kurz vor dem Start noch nicht entschieden, welches Essen er zuerst probieren möchte.

Chrigu Stuber vom Organisationskomitee des Streetfood Festival Solothurn hat sich kurz vor dem Start noch nicht entschieden, welches Essen er zuerst probieren möchte.