Solothurn
Kirchen zeigen sich nach Brand in der St.-Ursen-Kathedrale solidarisch

Nach dem Brandanschlag auf die St.-Ursen-Kirche hat der Verein Pro Kathedrale St.Urs und Viktor eine Spendenaktion lanciert. Erste Einzahlungen sind bereits eingegangen.

Andreas Toggweiler
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Ein Blick in die Kuppel der St.-Ursen-Kathedrale.

Ein Blick in die Kuppel der St.-Ursen-Kathedrale.

AZ

Eine Woche nach der Publikation des Spendenkontos ist es für Vereinskassier Matthias Kiener allerdings noch zu früh für eine Zwischenbilanz. «Wie gross das Echo ist, lässt sich erst etwa in zwei bis drei Wochen beurteilen», meint Kiener. Beunruhigt ist er allerdings nicht. Insbesondere Institutionen und öffentliche Körperschaften müssten zuerst an Sitzungen über Beiträge befinden, und das dauere eben seine Zeit. Zudem machen viele Privatpersonen ihre Einzahlungen erst Ende Monat.

Indes sieht VereinspräsidentWalter Straumann, Baudirektor des Kantons Solothurn, auch noch weitere Finanzquellen, welche für ungedeckte Renovationskosten (die direkt brandbedingten Schäden deckt die Gebäudeversicherung) aufkommen könnten. So denkt er an den Lotteriefonds des Kantons Solothurn, der zwar schon einen Teil an die Renovationskosten beiträgt. «Je nachdem, welche Kosten subventionsberechtigt sind, wird der Anteil grösser oder kleiner ausfallen. Sobald genaue Zahlen vorliegen, kann eine Abgrenzung vorgenommen werden.»

Brandstifter richtet in St. Ursenkathedrale grossen Schaden an
25 Bilder
Der zerstörte Altarbereich
Überreste des Brandanschlags.
Der Tatort: Altarbereich der Kathedrale.
Die Polizei sperrte die Kirche ab.
Ein erster Augenschein am frühen Nachmittag zeigte das Ausmass des Anschlags
Die Feuerwehr fährt auf
Die Kathedrale vor dem Brand. St. Ursenkathedrale Solothurn, Chor

Brandstifter richtet in St. Ursenkathedrale grossen Schaden an

Tele M1

Sodann hofft Straumann auch auf Beiträge aus den anderen Bistumskantonen. Er denke dabei nicht nur an Kirchen und die öffentliche Hand, sondern auch an Organisationen, Serviceclubs, Bruderschaften usw. Eine weitere Informationskampagne werde aber sicher nötig sein. «Wir wollen dabei nicht nur kirchliche bzw. katholische Kreise ansprechen. Es geht um ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung und um ein touristisches Wahrzeichen», betont der Regierungsrat.

«Solidarität ist selbstverständlich»

Unterdessen ist auch die Hilfe unter den Kirchen am Platz angelaufen. Sowohl Urs Niggli, Präsident der Christkatholischen Kirchgemeinde, als auch Barbara Fankhauser, Präsidentin der Reformierten, glauben, dass mit Beiträgen der beiden anderen Landeskirchen an die ungedeckten Kosten der Renovation zu rechnen ist. «Für uns ist es selbstverständlich, dass wir in einer solchen Situation solidarisch reagieren», betont Fankhauser. «Wir haben, als wir 1999 die Franziskanerkirche renovierten, ebenfalls Solidarität erfahren und werden es umgekehrt auch so handhaben», meint Niggli. Damals hatten die Katholiken ihnen die Peterskapelle zur Verfügung gestellt.

Kurzfristig ist wichtig, dass die kirchlichen Veranstaltungen weiter stattfinden können. Entsprechende Gespräche sind bereits im Gang. Beide Landeskirchen haben den Katholiken Räume angeboten, beispielsweise könnten die Singknaben in der Franziskanerkirche proben. Die reformierte Stadtkirche stehe ebenfalls für Anlässe zur Verfügung.

Auch über die Landeskirchen hinaus ist der Brand der Kathedrale ein Thema. Urs Rickenbacher, Pfarrer der Methodistenkirche, will es an der nächsten gemeinsamen Sitzung der städtischen Pfarrpersonen aus Landes- und Freikirchen (Wegeso) am 28. Januar einbringen. Erste Rückmeldungen seiner Amtskollegen seien positiv.

Karl Heeb, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde, bestätigt die Angebote der anderen Kirchen. Welche davon genutzt werden, werde sich im Lauf des Jahres zeigen. Auch habe er von vielen Seiten Spendenzusagen erhalten. In einer ersten Phase müsse allerdings zuerst genau eruiert werden, wie viel Geld gesammelt werden muss.

Eine Totalschliessung der Kathedrale während der Bauzeit sei leider aus Sicherheitsgründen unerlässlich, meint Heeb weiter. Man werde allerdings prüfen, ob es möglich sei, Baustellenführungen anzubieten.