Unter der Leitung von Harald Siegel bot das Stadtorchester Solothurn eine tolle Leistung - und dies stets vor ausverkauften Rängen, auch im Zusatzkinderkonzert. «Der Vogelfänger bin ich ja, Stets lustig, heissa, hopsassa», sang Patrick Oetterli alias Papageno, und die Buben und Mädchen spitzten nicht nur die Ohren, sondern folgten dem Mann mit den Federn am Hut mit glänzenden Augen.

«Rock Me Amadeus»

Unter der Regie von Theresa Lehmann und Ursula Dreier (Spielleitung Kinder) haben sich die Akteure Mozarts «Zauberflöte» angenommen und als Kinderfassung bearbeitet. Jenes Werk des Musiktheaters, welches die Mixtur aus turbulentem Märchen und freimaurerischem Weltanschauungs-Theater zu einer optimistischen Menschheitsoper steigert, wo Liebende alle Prüfungen bestehen.

Ein wunderbarer Operneinstieg für Kinder. Wenn «Papageno» Patrick Oetterli «Pamina» Stephanie Bühlmann «Bei Männern welche Liebe fühlen» erklärt, oder wenn sie als «Papagena» beim «Welche Freude wird das sein, wenn die Götter uns bedenken» den künftigen Kindersegen aufzählt, staunen die Kleinen im Parkett.

Ebenso, wenn Tenor Andreas Jäggi als Prinz Tamino die Zauberflöte spielt und Papageno das Glockenspiel erklingen lässt. Das in Solothurn aufgeführte Projekt nennt sich «Papageno und die Zauberflöte» und da passte als Zugabe Falcos rockiger Mozart-Hymnus «Rock Me Amadeus» bestens ins Konzept.

Ungekürzt erlebte das Publikum hingegen die Ouvertüre zur «Zauberflöte» am Vorabend als Auftakt zum Konzert mit Marianne Walker, die das d-Moll Konzert KV 466 spielte, in dessen Mitte eingebettet Schuberts «Unvollendete» erklang.

Mozart brachte das Klavierkonzert ja zu einer ersten Blütezeit. Seine 27 Konzerte stehen allesamt exemplarisch für die Gattung und zeigen in ihrem kompositorischen Reichtum alle weiteren Entwicklungsmöglichkeiten auf.

Schlank und sinfonisch dicht

Das Klavierkonzert Nr. 20 konzipierte der Salzburger Meister als dramatischen Gegensatz von Orchester und Soloinstrument, was unter der Leitung von Harald Siegel besonders wirkungsvoll zur Geltung kam.

Unter dem Taktstock des vom Theater Biel Solothurn bestens bekannten Dirigenten zeigte sich das Stadtorchester Solothurn gut disponiert, inspiriert und mit einer überzeugenden Leistung.

Avancierte mit Konzertmeisterin Elisabeth Becker zu einem freundschaftlich miteinander musizierenden Klangkörper. Harald Siegel gehört zu jenen Dirigenten, die Mozart einerseits schlank und flexibel, zum anderen sinfonisch dicht und wohltönend musizieren.

Mozart zählt auch zu den Favoriten von Marianne Walker. Als eine der jüngsten Studentinnen der Hochschule Musik und Theater in Zürich/Winterthur schloss sie das Klavierstudium bei Adalbert Roetschi ab und studierte als Nebenfächer Violine und Orgel.

Ihr Klavierspiel ist effektvoll, von einer erfrischenden Natürlichkeit und präziser Artikulation. Ihre Affinität zu Mozart bewies die Musikerin auch im Auswendigspielen und im raschen Auffangen, als sie sich im ersten Satz für einen Moment verhedderte.

Mit dem Stadtorchester gelang ihr eine spannende und pointierte Interpretation, die zu Recht bejubelt wurde. Zur Freude des Publikums wählte Marianne Walker als Zugabe den als «Türkischer Marsch» populären dritten Satz der Klaviersonate KV 331, dessen überschäumende Läufe und rasante Tempi ein Lächeln auf die Lippen der Musikerin und der Zuhörenden zauberten.