Zauberlaterne

«Kinder sind nie sich selbst überlassen»: Dachverband nimmt Stellung zu Kritik aus Solothurn

Die Zauberlaterne bringt Kindern das Medium Film und den Umgang damit näher. (Archiv)

Die Zauberlaterne bringt Kindern das Medium Film und den Umgang damit näher. (Archiv)

Der Dachverein der Zauberlaterne Schweiz in Neuenburg äussert sich zum Rücktritt des Teams in Solothurn.

In unserem Artikel vom 5. Mai hatten die Zuständigen der Zauberlaterne-Vorstellungen in Solothurn angekündigt, ihre Aktivitäten Ende Juni einzustellen. Der Grund: Meinungsverschiedenheiten mit der Zauberlaterne Schweiz, dem Dachverein in Neuenburg, der 75 Zauberlaterne-Klubs in der Schweiz vertritt.

Nun bezieht dessen Direktion dazu Stellung. So vermittle der Titel des Artikels «Kinder nicht einfach dem Film überlassen» den Eindruck, dass dem Zauberlaterne-Konzept «mangelnde Begleitverantwortung» – ein Zitat von Nino Jacusso – unterstellt werde. Dazu die Direktion: «Die Kinder sind während einer Zauberlaterne-Vorstellung nie sich selbst überlassen. Im Gegenteil: Erwachsene Kino-Begleitende sind stets anwesend, um das Wohlbefinden und die Sicherheit der Kinder vor, während und nach der Vorstellung zu gewährleisten.»

Livekommentar möglich

Unzutreffend ist für die Zauberlaterne Schweiz auch die Behauptung, es sei verboten, Filme während der Projektion zu kommentieren. Sehe doch das Konzept vor, dass Stummfilme wie zu den Anfängen des Kinos von einem Livekommentar begleitet werden. «Eine vorbereitete Moderationsperson ist im Saal anwesend und übernimmt die Rolle einer Stummfilm-Erzählerin oder eines Stummfilm-Erzählers, um nicht nur Zwischentitel vorzulesen, sondern die Kinder mit einem Livekommentar bei der Entschlüsselung der tonlosen Bilder zu unterstützen», wird dazu festgehalten.

Eine vom Dachverein vermittelte Pianistin oder Pianist unterstütze zudem das Geschehen musikalisch, womit die Emotionen im Stummfilm verstärkt werden. Dagegen würden die Zuständigen in Solothurn «gegen den Konsens der Zauberlaterne-Klubs» auch Tonfilme kommentieren, «dies trotz Beanstandung, annähernd audiodeskriptiv.» Das sei nicht nur «rücksichtslos gegenüber dem Film als Werk, sondern führt auch zur Infantilisierung des jungen Publikums», betont der Dachverein.

Pädagogische Begleitung vor dem Film

Das Zauberlaterne-Konzept traue den Kindern mehr zu: Es setze auf die soziale Dimension des Kinosaals wie auch die Entwicklung des eigenen und kritischen Zugangs zum Medium Film. Dies erfordere allerdings eine umfassende Vorbereitung vor der Filmprojektion. «So ist das Herzstück der Zauberlaterne denn auch die pädagogische Begleitung vor dem Film, sodass die Kinder während der Projektion ihre eigenen Emotionen erfahren und ihr individuelles Verständnis für das Gesehene überhaupt entwickeln können», erklärt die Direktion.

Der Zauberlaterne sei es wichtig, dass die Magie des Kinos nicht verloren geht. Ihr Filmvermittlungskonzept sehe drei grundlegende Elemente vor, die Kinder an den Film heranzuführen. Eine Klubzeitung, die den Kindern zehn Tage vor jeder Vorführung zugeschickt wird, stelle den Film und seine Besonderheiten vor. Weiter gebe es bei der Ankunft im Kino eine 15-minütige Begrüssung und Präsentation des Films in Form eines Dialogs durch eine Moderationsperson, die sich auf die Fragen der Kinder und den Inhalt der Klubzeitung stützt. Und drittens sei eine szenische Einführung von der Moderationsperson zusammen mit zwei weiteren professionellen Schauspielenden vorgesehen, die wichtige Aspekte technischer, inhaltlicher oder filmhistorischer Art des Films aufnimmt.

Wo die Differenzen aufgetreten sind

Der regelmässige Austausch mit den Zuständigen in Solothurn habe «grundlegende Differenzen» aufgezeigt: So setzen sie sich «über das mit allen Zauberlaterne-Klubs diskursiv überarbeitete Konzept hinweg» und seien ausschliesslich von ihrer eigenen Linie wie spontanem Kommentieren und alleinigem Fokus auf die technischen Aspekte des Filmemachens überzeugt.

Zudem berücksichtigten sie nicht das Szenario für die Einführungen, was die dritte Schauspielperson vergraule und ständig zu Reklamationen beim Dachverein geführt habe.

Ein einheitliches Qualitätsangebot angestrebt

«Die Klubs der Zauberlaterne möchten für alle rund 900 Vorstellungen, die sie jede Saison in Freiwilligenarbeit organisieren, dasselbe Qualitätsniveau und Angebot garantieren.» So haben die Klubs innerhalb des 27-jährigen Bestehens des Dachvereins bei regelmässigen nationalen Treffen an der Definition und Präzisierung des Konzepts der Zauberlaterne Schweiz gearbeitet, das mittlerweile in zehn Ländern umgesetzt und «weithin anerkannt ist». Die Zeit, in der Einführungen und Kommentare spontan improvisiert wurden, sei längst vorbei, betont die Zauberlaterne Schweiz. Heute bestünden die meisten Moderationsteams aus Fachleuten – Theater- oder Kulturvermittelnden. Denn jede Vorstellung erfordere «eine gewissenhafte und anspruchsvolle Vorbereitung».

Weiter erklärt die Zauberlaterne Schweiz, dass sie den Klub in Solothurn künftig keineswegs in eigener Regie von Neuenburg aus weiterführe. Ad interim springe man zwar in die Bresche, um ortsgebundene Aufgaben temporär zu übernehmen und den Übergang in die neue Saison ohne Unterbrüche sicherzustellen. Ziel sei es aber, wie in den anderen 74 Klubs in der Schweiz, lokale Freiwillige für den Vereinsvorstand zu finden, die hinter dem Zauberlaterne-Konzept stünden und so den Klub auch in Solothurn «mit dem geplanten Saisonstart im September weiterführen». (mgt/szr)

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