Solothurner Marktfahrer
«Kinder mussten wissen, wie viele Harassen Äpfel für Schuhe nötig sind»

Bei den Vorbereitungen für den Markt ist Familie Hohl meist auf die Hilfe von Verwandten angewiesen. Trotz der vielen Arbeit lieben die Marktleute den Verkauf. Er bedeutet für sie auch wichtige Zusatzeinnahmen.

Katharina Arni-Howald
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Drei Generationen: Schon die Eltern von Peter und Theres Hohl (ganz links) waren auf dem Märet, jetzt fahren Hanspeter und Regina Hohl mit ihren Söhnen (v.l.) Simon, Thomas und Christian.

Drei Generationen: Schon die Eltern von Peter und Theres Hohl (ganz links) waren auf dem Märet, jetzt fahren Hanspeter und Regina Hohl mit ihren Söhnen (v.l.) Simon, Thomas und Christian.

Katharina Arni-Howald

Der Solothurner Märet? Regina Hohl lacht: «Unser ganzes Wochenprogramm dreht sich darum.» Drei Generationen sitzen zusammen in einer lauschigen Ecke vor einem stattlichen Wohnhaus, das Platz für alle hat. Ringsum Gemüse- und Obstplantagen, satte Matten und Äcker, die nach Wasser dürsten. Wenn man beim Hof von Hanspeter und Regina Hohl ankommt, hat man den Dorfkern von Attiswil längst hinter sich gelassen.

Die Alpenkette liegt im Dunst, und die Aare versteckt sich hinter Büschen und Bäumen. Hier scheint man ganz nahe am Paradies zu sein. Auch deshalb, weil Regina Hohl, die Blumenfreundin aus Leidenschaft, mit einem buchsumrandeten Rosengarten ein solches eingerichtet hat. Ihre Kreativität setzt überall unübersehbare Zeichen. Am Ende jeder Furche, wo – wie Hanspeter Hohl sagt, Gemüse von A wie Aubergine bis Z wie Zucchetti wächst, hat die ehemalige Handelsschulabsolventin, die auch damit liebäugelte, Floristin zu werden, einen Rosenstock gepflanzt.

Serie: Am Märet

Jeden Samstag stehen sie bei Wind und Wetter hinter ihrem Märetstand und verkaufen ihre Produkte ab dem Hof. Manche Marktfahrer sind gleich mit zwei Generationen in der Solothurner Altstadt präsent, und manchmal hilft auch schon die dritte Generation mit. Doch die wenigsten Kundinnen und Kunden wissen genau, bei wem sie einkaufen. Wir stellen deshalb in diesen Wochen einige Marktfahrerfamilien vor, die schon seit vielen Jahren Solothurn die Treue halten. (ww)

Dritte Generation ist parat

Regina Hohl hat es sich beruflich anders überlegt. Nach Auslandaufenthalten hat sie einem Bauernsohn das Ja-Wort gegeben und drei Söhnen das Leben geschenkt. Thomas, der Zweitgeborene hat soeben mit Erfolg die Lehre als Landwirt abgeschlossen und will einst den Hof übernehmen. – Einen Hof, zu dem nebst den Gemüse-, Obst- und Beerenplantagen auch 30 Aufzuchtrinder, 40 Mastschweine und zehn Bienenvölker gehören.

«Ich wurde nicht gezwungen, Landwirt zu werden», betont Thomas, der wie seine zwei Brüder bereits als Kind den Märet kennen lernte. «Oft war ein sanfter Druck nötig, damit sie mitkamen», sagt Hanspeter Hohl, der wohl wusste, dass das für seine Söhne nicht die schlechteste Lebensschule war.

Sohn Thomas jedenfalls ist überzeugt, dass der Vater richtig handelte: «Wir lernten, dass man mit den Kunden höflich sein muss, und der Vater kontrollierte, ob wir richtig zusammenzählten.» Auch auf dem Hof legten die Eltern Wert darauf, dass die Söhne mithalfen. «Die Kinder mussten wissen, wie viele Harassen Äpfel nötig sind, um ein paar Schuhe zu kaufen.»

Wichtige Zusatzeinnahmen

So ganz freiwillig wie ihr Enkel sind die Grosseltern Theres und Peter Hohl, die – beide Bauernkinder – den Hof 1968 übernahmen, nicht ins Märet-Geschäft eingestiegen. Auch sie mussten schon als Kinder mit nach Solothurn. Die Motivation, diese Tradition weiter zu führen, war allerdings mässig. Doch: «Als ich den Bauernhof übernahm, sagte mir mein Buchhalter, dass die Zusatzeinnahmen wichtig seien», so Peter Hohl.

Auch als sein Sohn Hanspeter den Hof 1991 übernahm, sprachen finanzielle Überlegungen für das Marktgeschäft. «Eigentlich stand mir die Arbeit mit dem Traktor näher, aber dann hatte ich eine Frau, die mithelfen wollte und das nötige Flair hat», windet Hanspeter Hohl seiner Frau ein Kränzchen.

Und diese weiss: «Ohne die Mithilfe von Verwandten und Bekannten beim Bohnen- und Kirschenpflücken und anderen Hofarbeiten oder am Stand könnte man die Arbeit kaum bewältigen.» Am Tag, bevor man auf den Markt fahre, sei man stundenlang beschäftigt, Gemüse und Obst zu pflücken, zu waschen und für den Transport bereit zu machen.

«Der Verkauf ist das Schönste»

Ist es dann am Mittwoch oder Samstag so weit, ist die Mühsal beinahe vergessen. «Der Verkauf ist das Schönste, und es freut uns, wenn die Kunden unsere Arbeit schätzen», weiss die gebürtige Attiswilerin. Leider habe man viel zu wenig Zeit, um mit den Kunden zu plaudern. Denn, dass die Zeiten hektischer geworden sind, bestätigt auch Peter Hohl: «Zu meiner Zeit traf man sich noch zum Znüni in der ‹Kaffeehalle› oder beim Baumberger.»

Kehrt die Familie Hohl wieder auf den Hof zurück, kann sie sich an einen gedeckten Tisch setzen. «Ich bin der Schwiegermutter dankbar, dass sie an Markttagen für uns kocht», sagt Regina Hohl. Füreinander da sein, das ist in dieser Marktdynastie selbstverständlich.