Ferienpass Solothurn

Kinder lernen zu sein wie eine Schildkröte – entspannt und ruhig

Nebst vielen anderen interessanten Kursen bietet der Ferienpass Solothurn heuer auch autogenes Training für Kinder an.

Eine Gruppe von 20 Kindern – im Alter von fünf bis elf Jahren – versammelt sich in einem der Räume der Jugendherberge Solothurn. In einem Kreis sind Stühle aufgestellt. Alle setzen sich und werden von der Kursleiterin Nicole Blum herzlich begrüsst. «Was tun wir heute hier?», fragt sie in die Runde. «Entspannen», sagt eines der Kinder. «Genau, heutzutage haben Kinder ja auch viel zu tun. Sie haben Hobbys, die Schule und sonstige Termine, aber es ist auch wichtig sich ab und zu zu entspannen», erklärt Blum. «Was ist denn der Vorteil, wenn man sich entspannt?» Einige strecken die Hand auf. «Man kann Kraft und Energie tanken», meint Jan. «Ja genau, und ihr werdet ruhiger und könnt euch besser konzentrieren.»

Minecraft vs. autogenes Training

Jetzt ist es Zeit für eine erste Übung. Die Kinder sollen die Augen schliessen und einfach nur lauschen. Das ist für viele gar nicht so einfach. Immer wieder öffnet jemand die Augen. Aber gelauscht haben alle. Ein vorbeifahrendes Auto und das Rauschen des Wassers aus dem Hahn haben sie gehört. Für die nächste Übung wird eine Klangschale eingesetzt. «Ihr dürft die Augen erst öffnen, wenn ihr sicher seid, dass der Ton verklungen ist.» Diese Übung klappt schon besser. Es folgt ein Entspannungsspiel. Noch sind die Kinder sehr motiviert. «Für das Spiel brauchen wir drei Indianer.»

Schnell sind drei Freiwillige gefunden. «Jetzt machen alle einen Kreis um die Indianer und stehen dabei so hin, dass sie den Indianern im Kreis den Rücken zukehren», erklärt Blum. Die Kinder, die den Kreis bilden, sollen die Augen schliessen und nach einiger Zeit «fühlen», ob ein Indianer hinter ihnen steht oder nicht. «Es geht darum, auch mal mit geschlossenen Augen zu sehen.» Einige der Kinder sind aber aufgedreht und schliessen die Augen gar nicht. «Ich bin sowieso immer zappelig», erklärt Jan und er ist nicht der einzige.

Auf die Entspannungsübungen folgen Bewegungs- und Konzentrationsspiele, dadurch werden die Kinder etwas ruhiger – jedenfalls einige. Blum erklärt: «Um euch zu entspannen, müsst ihr sein wie eine Schildkröte, diese bewegt sich langsam und leise und ist ganz ruhig.» Sandro, der einen nicht sehr motivierten Eindruck macht, fragt: «Können wir nicht einfach Minecraft spielen?» Minecraft ist ein beliebtes Computerspiel, das eher wenig mit Entspannung zu tun hat. Blum lässt sich nicht beirren. Sie merkt genau wegen solchen Aussagen, wie wichtig Entspannung für die Kinder von heute wäre.

«Mami hat mich angemeldet.»

Nun folgt das autogene Training. Alle Kinder machen mit – bis auf fünf. Es fällt den meisten sichtlich schwer, einfach nur die Augen zu schliessen und der Geschichte, die Blum mit ruhiger Stimme erzählt, zu folgen. Im Hintergrund läuft entspannende Musik. Die Geschichte handelt von der Begegnung mit einer Schildkröte. Nach der Übung fragt Blum, ob die Kinder sich entspannen konnten. Einigen ist es gelungen, anderen nicht. «Ich weiss, es ist schwierig», meint Blum. «Aber ihr habt das gut gemacht. Jetzt basteln wir alle noch eine Schildkröte, damit ihr euch immer erinnert, wie ihr euch entspannen könnt.»

Die Kinder verteilen sich am Tisch und schneiden ihre Schildkröte aus, dann wird sie angemalt. Lia erklärt: «Meine Schildkröte ist grün.» Sie konnte sich bei der Übung gut entspannen. «Mein Mami wollte, dass ich hier hin komme, und mir gefällt es auch.» Auch Jasmin wurde vom Mami angemeldet, aber sie sei gerne in den Kurs gekommen. Sandro ist mittlerweile motivierter bei der Sache, er bemalt eifrig seine Schildkröte. «Meine Mutter hat mich angemeldet. Der Kurs ist für mich etwas langweilig», erklärt er sein vorheriges Verhalten.
Kursleiterin Nicole Blum kennt die Problematik. «Mit einigen Gruppen funktioniert es recht gut. Aber es ist meistens schwierig mit Kindern. Allerdings kommen enorm viele Eltern auf mich zu und fragen, ob ich nicht regelmässig autogenes Training für Kinder oder etwas Ähnliches anbieten könnte. Die Nachfrage ist riesig.»

Sie sehe, dass es definitiv nötig wäre, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich mehr zu entspannen. «Viele Eltern üben auch einen enormen Leistungsdruck auf ihre Kinder aus, sei das in der Schule oder beim Hobby. Dadurch stehen die Kinder unter Dauerstress.»

Ein weiteres Problem sei der zunehmende Reiz von aussen und durch die mediale Welt. Sie werde sich auf alle Fälle in die Richtung «Entspannung für Kinder» überlegen, dass sie anbieten könne. Man merkt, dass ihr das Thema am Herzen liegt. Mittlerweile sind die meisten Kinder fertig mit basteln – auch Jasmin. Bevor sie davonhuscht, erklärt sie noch: «Mit hat es hier mega gut gefallen.» 

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