Den Bass hören die Besucher erst, wenn sie die Treppe runter zur Kulturgarage gehen. In der Garderobe stehen bereits ein paar Kinder und Erwachsene. Drinnen erhellen Lichtspiele den abgedunkelten Raum. Direkt gegenüber dem Eingangsbereich tanzen Kinder auf der dampfenden Bühne ausgelassen zu Popmusik. «Am besten an der Kinderdisco finde ich die Maschine, aus der Rauch kommt», sagt der 5-jährige Mischa, der zum Team des Partyveranstalters gehört. Der vier Jahre ältere Alessandro ist auch dabei, weil er zur Musik seine «Breakdance-Moves» zeigen möchte.

Quartierkinder organisieren mit

Ein Platzmangel war der Auslöser für die Kinderdisco. «Unsere Kids haben sich in unserem Keller getroffen, wo sie zu lauter Musik tanzten», erzählt Marc Henzi. Néos, Nandos, Emilias und Mischas Discodrang sei so weit gegangen, dass Lampen aufgestellt, Boxen installiert und ein DJ auserkoren wurde. Das alles begann im Loretoquartier.

Bei diesen Beobachtungen war das ehemalige Musikgalerie-Teammitglied Marc Henzi Feuer und Flamme für die Idee, eine Tanzveranstaltung für Kinder zu organisieren. «Die Kinder waren von Anfang an bei der Planung und Umsetzung involviert. Von der Musikauswahl bis zu den Snacks sowie zur Gestaltung und Verteilung vom Flyer haben sie mitbestimmt», sagt Marc Henzi.

Die Kinder hätten genaue Vorstellungen gehabt, wie zum Beispiel das Tragen eines einheitlichen T-Shirts für sie als Veranstalter. Beim Verteilen der Flyer habe es ein paar lustige Episoden gegeben. «Manche wollten sie für sich behalten und nicht weitergeben», lacht Marc Henzi.

Tanzen, wo Eltern schon tanzten

Eine Dreiviertelstunde nach Partybeginn füllt sich der Raum langsam. Zwei Mädchen, die bis jetzt zugeschaut hatten, tanzen los, sobald sie ihre Cousine sehen. «Ich fragte meine Töchter, ob sie an eine Disco wollten, an der schon ihr Vater und ich getanzt haben. Sie waren begeistert», erzählt die Gerlafingerin Concetta Gambino. Ihre Schwester habe ihr den Flyer auf dem Mobiltelefon weitergeleitet.

Die Stimmung ist ausgelassen in der Kulturgarage. Ein paar Kinder imitieren die Tänze, die vom Millionen-Videospiel Fortnite bekannt sind. Mag sein, dass weniger Hemmungen im Spiel sind, weil sich die meisten Kinder kennen. Thea Sel, die Tochter der Autorin dieses Artikels, konnte sich mit der Idee einer Kinderdisco zuerst nicht anfreunden, weshalb sie bei der ersten Veranstaltung nicht dabei war. Heute möchte sie nur zuschauen. «Wenn meine Freunde aus der Schule dabei wären, hätte ich vielleicht mitgetanzt», erklärt sie.

Das Konzept einer Kinderdisco ist nicht neu. Im Kofmehl wurden ein paar Anläufe in diese Richtung gewagt. Im zürcherischen Kaufleuten versetzte eine Kinderparty Eltern in Rage, weil sie überfüllt war und die Kinder sich im Gedränge nicht bewegen konnten. Nicht so in der Kulturgarage. Während beim ersten Anlass 70 Kinder gezählt wurden, sind es an diesem Samstag schönwetterbedingt 43. Es hat genug Platz, sodass es für Tische und Stühle für die zuschauenden Erwachsenen und die Tanzunwilligen reicht. Die Lautstärke der Musik erlaubt Gespräche, ohne sich anschreien zu müssen.