Kunstforum Solothurn
Keramikkünstler sieht Kunst als Akt des Widerstandes

Der international renommierte Keramikkünstler Xavier Toubes im Kunstforum Solothurn keramische Plastiken. Anstatt Köpfe sind es figurative Arbeiten, die ausgestellt sind.

Drucken
Teilen
Xavier Toubes: Melodien. zvg

Xavier Toubes: Melodien. zvg

Dieses Mal also nicht Köpfe, jedenfalls nicht die für Xavier Toubes so typisch grossen Objekte, die, menschlich und doch nicht real, nativ wirkend mit den Lochaugen, der angedeuteten Nase, dem skizzierten Mund und den markanten Ohren, auch an Gefässe erinnern: der Kopf als Gefäss, das Gefäss als Kopf in ambivalenter Gegenüberstellung.

Nun zeigt das Kunstforum vor allem figurative Arbeiten. Auch diese sind von Hand aus Ton im klassischen Sinne einer Plastik geformt, die Zeichen und Spuren der formenden Hände sind bewusst sichtbar. Gleichzeitig geben sich diese Figuretten – im Gegensatz zur Gelassenheit der grossen Köpfe – vehement, ja furios in der expressiven Darbietung.

Vereinigung

Die Ambivalenz des Daseins ist hier weniger als Konfrontation der Kulturen, Epochen und Geschichte zu verstehen, denn viel mehr als ihre Vereinigung. Da sind die «Figures and Shadows», die wie dreidimensionale Vexierbilder ihrer selbst immer neue Ansichten und Erkenntnisse bieten und im Zusammenspiel der silbrigen Lüsterfarben und der weissen Körper sich dem Eindeutigen entziehen.

Da ist der «Calivera», eine seltsame Schädelformation, aus der heraus etwas zu wuchern scheint, zu philosophischen Betrachtungen einlädt und gleichzeitig wie ein Relikt seiner selbst die Betrachter verwundert. Oder auch das ineinander verschlungene Paar, die Gefässe, die teils Körper, teils architektonische Idee wie eine Archäologie einer eigenwilligen Zeit- und Raumlosigkeit wirken. Das eine Objekt lässt an zur Tierform erstarrte Lava denken, die anderen an archaische Köpfe und Körper. Allen gemeinsam sind spezifische Glasuren und Bemalungen.

Vielfarbig bemalt

Diese Gegensätze und Begegnungen der Kulturen und die Konfrontation von Zeiten und Traditionen reflektiert der Künstler einmal in der Serie «Melodien Variationen». Hierzu hat er weisse Porzellanteller vielgestaltig bemalt; von kalligrafischen Zeichen über fernöstliche Landschaften bis hin zur freien Form, vereinen sich Moderne und Tradition, West und Ost zu einem silbrigen Wohlklang. Auch in den malerisch verfremdeten Limoges-China-Porzellanplatten ist die kulturelle Bestimmbarkeit aufgehoben und der ursprüngliche Wert in die künstlerische Freiheit entbunden. Vor allem aber zeigt sich diese Konfrontation im Figurenpaar «She Descriptions».

Eine von Xavier Toubes munter bemalte, vorgefundene chinesische Frauenfigur steht in einem beinahe märchenhaft anmutenden Kontext mit einem roh geformten, expressiven Kopf, aus dem heraus wiederum ein seltsames Etwas zu wachsen scheint. Hinein in diese Geschichte spielt ein porzellaniges Schreibgerät. Vieldeutig ist diese kleine Szene, lässt Gedankenspiele, Metaphern und seine eigenwillige künstlerische Herausforderung ambivalent verschmelzen. Diese Arbeiten finden in den grafischen Fotoarbeiten eine neue Dimension, die figurativen Vorbilder wandeln sich zu Stimmungen, Grenzen sind aufgehoben, gleichzeitig scheint sich etwas Neues, noch Vages zu formieren.

Professor für Kunst

Xavier Toubes, 1947 in Galizien geboren, ist ein international renommierter Keramikkünstler, der im Kunstmachen auch «einen Akt des Widerstandes» versteht, der auch eine «rebellische Haltung» erfordert und sich in seinen freiheitlichen Gestaltungen äussert. Er wirkte knapp zehn Jahre als Professor für Kunst an der University of North Carolina, war unter anderem künstlerischer Direktor des Europäischen Werkzentrums im holländischen`s-Hertogenbosch und lebt seit 1999 in Chicago, wo er an der dortigen School of Art Institut lehrt.

Bis 31. März. Geöffnet Do + Fr, 15-19 Uhr, Sa, 14-17 Uhr.

Aktuelle Nachrichten