Quartierspielplätze
Keine Zeit für Handy und Co. – während der Herbstferienaktion sind andere Dinge wichtiger

Die Herbstferienaktion auf den Quartierspielplätzen hält diese Woche mit fantasievollen Aktivitäten über 50 Kinder auf Trab.

Jasmin Krähenbühl
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Herbstferienaktion auf dem Quartierspielplätzen
30 Bilder
Mit zum Teil selbstgebastelten Musikinstrumenten kann ganz wunderbar eine Geschichte erzählt werden.
Hier wird ein Regeninstrument gebastelt.
Das Basteln scheint den Kindern Spass zu machen.
Egal ob mit Dosen...
...Papier...
oder Holz.
Die selbstgemachten Böötli müssen natürlich auch getestet werden.

Herbstferienaktion auf dem Quartierspielplätzen

Hanspeter Bärtschi

Von aussen wirkt alles ruhig auf dem Quartierspielplatz Güggi. Rutschbahn und Holzburgen stehen verlassen da. Doch kaum betritt man einer der roten Container, geht die Post ab: Da werden Früchte lautstark im Mixer zerkleinert, Zuckerguss wird angemischt, Holz gesägt, die Kinder diskutieren und reissen Witze.

In Solothurn findet die alljährliche Herbstferienaktion der Quartierspielplätze Güggi, Tannenweg und Villa 41 statt. Über 50 Kinder verbringen von Montag bis Donnerstag ihre Ferien bastelnd, singend, kochend und spielend. Jeder Quartierspielplatz hat ein eigenes Wochenthema.

Grosse Reise nach Bern

Auf dem «Güggi» wandeln die Kinder auf den Spuren vom Dinosaurier Dinohousi und dem Bär Tatzefriedu. Guda Hess, die Geschäftsführerin der Spielplätze und Leiterin des «Güggis», liest den Kindern jeden Morgen einen Teil aus dem vergriffenen Berner Kinderbuch vor.

Die Freunde Dinohousi und Tatzefriedu erkunden gemeinsam die Stadt Bern, so wie es auch die Kinder als Höhepunkt der Woche am letzten Tag der Ferienaktion machen werden. Bis zu der Abschlussreise bleibt aber noch viel zu tun.

In fünf Gruppen aufgeteilt, besuchen die Kinder jeden Tag eine andere Atelierstation, die immer mit der Geschichte der tierischen Freunde zu tun hat. Sie nähen selbst einen Tatzefriedu und bauen auch gleich ein Marionettengerüst für die Plüschtiere, lernen, gesunde Smoothies zu mixen und aus Gummibären Landschaften zu bauen und üben sich im Tasten und Riechen. Vielleicht hat jemand ja eine so gute Nase wie der Tatzefriedu?

Kinder helfen Kindern

Der «Güggi» sei voll ausgelastet, sagt Guda Hess. «Wir hatten mehr Anmeldungen als freie Plätze.» Bis zur sechsten Klasse dürfen die Kinder die Quartierspielplätze besuchen. Auf dem «Güggi», am Tannenweg und in der «Villa 41» sind aber auch einige offensichtlich ältere Jugendliche dabei.

«Wir sind die Kindercoaches», erklärt Saheesan vom «Güggi». Ein Kindercoach hilft den Betreuerinnen beim Vorbereiten und Organisieren und ist für die Jüngeren da, wenn sie Fragen haben oder Unterstützung brauchen, erzählt er.

Um ein Kindercoach zu werden, müssen die Jugendlichen einen siebentägigen Kurs besuchen und danach eine Abschlussprüfung schreiben. «Im Kurs sollen sie sich ihrer Rolle auf den Spielplätzen bewusst werden und lernen, Verantwortung zu übernehmen und ein Vorbild zu sein», sagt Guda Hess.

Julia, Leo und Anna sind schon als Kinder immer in der «Villa 41» gewesen. «Wir wollten weiterhin hierherkommen, weil es uns so gefällt», sind sich die drei einig. Wenn sie andere in ihrem Alter als «uncool» abstempeln, ist das ihnen egal.

«Klar ist es auch manchmal anstrengend mit den Kleinen, aber im Grossen und Ganzen macht es einfach nur mega Spass», sagt Julia. Zudem habe man mit dem Diplom zum Kindercoach auch bessere Chancen in der Berufswelt, und bei regelmässiger Mithilfe in der Villa bekämen sie Gutscheine für Bücherläden oder sonstiges als Dank.

Handys sind kein Problem

Der Robi-Spielplatz Tannenweg ist wie leergefegt. Doch die Kinder sind nicht etwa zu Hause: Der gesamte Robi Tannenweg machte gestern einen Ausflug zum TCS Camping an der Aare, wo alle gemeinsam Cervelat zum Zmittag grillierten und später die selbst gebauten Schiffe austesteten.

«Eigentlich war der Ausflug für den Abschlusstag gedacht, doch das Wetter will schlecht werden, deshalb haben wir ihn vorgezogen», erklärt Monika Szalai, Leiterin des Quartierspielplatzes Tannenweg. Das Wochenthema des Tannenweges ist Wind. Von Booten, über Frisbees und Drachen bis zu Papierfliegern basteln die Kinder alles Mögliche, was mit Wind zu tun hat.

Doch auch das Spielen kommt nicht zu kurz: Vom Wind verursachte Geräusche erkennen oder Pingpongball-Weitblasen sind nur zwei Beispiele der vielen Spiele und Experimente.
«Die meisten Kinder am Tannenweg kennen einander von der Schule und freuen sich, die anderen auch in den Ferien zu treffen», sagt Monika Szalai.

Denn die Herbstferien seien, besonders wenn man zuhause bleibe und die Eltern arbeiteten, für die Kinder eine lange Zeit. Die Quartierspielplätze bieten mit ihren Themenwochen Abenteuer, Spiel, Spass und den Austausch mit anderen Kindern. «So haben auch die Kinder, die nicht verreist sind, nach den Ferien etwas in der Schule zu erzählen», sagt Guda Hess.

Mit Handys oder Gameboys habe sie nie ein Problem: «Die Kinder finden Handys unpraktisch beim Spielen und haben Angst, dass sie verloren gehen. Auch die Kindercoaches lassen sie freiwillig zu Hause.»

Villa voller Musik

Ein Gewusel in allen Räumen, Kleister und farbige Papiere, Büchsen, Gummibänder, dazwischen Salzcracker und getrocknete Früchte, Haarnadeln, Schuhkisten und Holzresten. Ungefähr so sieht es in der «Villa 41» aus.

Doch im scheinbaren Durcheinander herrscht klare Ordnung. In jedem der Zimmer wird ein anderes Musikinstrument hergestellt. Aus der mit Papieren verzierten Schuhschachtel entsteht mit gespannten Gummibänder eine Harfe, die Konservenbüchse wird mit Nylonbändern zur Bassgeige und die Haarnadeln verwandeln das Holzstück in eine Sansula.

«Instrumente bauen ist unser Wochenthema. Die Kinder dürfen das meiste Selbstgebastelte nach Hause nehmen», sagt Lis Dreier, Leiterin der «Villa 41». Am Nachmittag werde man gemeinsam eine grosse Trommelwand und eine Klangreihe im Garten bauen. «Ich zeige euch, wo die hinkommt», ruft ein Mädchen seinen Kolleginnen zu und rennt in den Garten hinaus.