Solothurn

Keine weisse Fahne in Sicht: Der Streit ums «Eleven» geht in die nächste Runde

Die Chancen auf ein «Eleven» in der Landi an der Poststrasse sind kaum intakt, die Hoffnung des verbliebenen Initianten hingegen schon.

Die Chancen auf ein «Eleven» in der Landi an der Poststrasse sind kaum intakt, die Hoffnung des verbliebenen Initianten hingegen schon.

Der verbliebene Gesellschafter des «Eleven», Olcay Oruç Sahin, gibt die Pläne zum Partylokal in der ehemaligen Landi in Solothurn noch nicht ganz auf. Bald wird das Verwaltungsgericht über die diversen Einsprachen urteilen.

Totgesagte leben länger – vielleicht. Zumindest besteht im nachfolgenden Fall der spürbare Wille, ein lange Jahre gehegtes Projekt noch nicht ganz zu beerdigen. Die Rede ist vom Partylokal «Eleven» – einem Projekt mit langer Vorgeschichte: Nachdem die Eventveranstalter Markus Moerler und Olcay Oruç Sahin vor vier Jahren wegen Renovationsplänen der Besitzerschaft ihr Feld im Sauser-Areal räumen mussten, beging für ihre Club-Marke eine lange, fruchtlose Odyssee. Niemand wollte dem «Eleven» eine Heimstatt bieten.

Nach langer Suche erschien der Silberstreif am Horizont in Form des unterdessen aufgegebenen Landi-Ladens an der Poststrasse. Die Landi Reso Genossenschaft als Besitzerin schloss einen Mietvertrag mit der Eleven Management GmbH ab. 300 Partygäste hätten dort Platz – oder Besucher von Workshops, Seminaren und anderen Veranstaltern.

Soweit die Absicht der Partymacher, bis sich schliesslich Widerstand seitens der Anwohner regte. 17 Einsprachen später wäre die Sache durchgestanden gewesen, denn die städtischen Baubehörden hiessen das Projekt gut: Dann zog ein Teil der Einsprecher zur nächsten Instanz weiter, also ans kantonale Bau- und Justizdepartement BJD.

Zu diesem Punkt stand zumindest für Moerler fest, dass sich der Kampf aus Geld- und Zeitgründen nicht mehr weiterzuführen lohnt. «Wir haben bis jetzt bereits gegen 100'000 Franken ausgegeben», informierte dieser im vergangenen Februar und signalisierte damit ein Forfait der Eleven Management GmbH. So wurde alsdann der Mietvertrag mit der Landi Reso aufgelöst. Und Moerler war es auch, der vor einigen Tagen den Ausstieg aus der GmbH verkündete: «Die Liebe zum ‹Eleven› ist erloschen», gab er bekannt. Seine Zusammenarbeit mit Oruç sei hingegen in bestem Einvernehmen aufgelöst worden.

Instanzenweg bricht nicht ab

Beim zurückgebliebenen Gesellschafter Oruç regt sich nun aber überraschenderweise keinesfalls die Absicht, in Sachen «Eleven» die weisse Fahne zu hissen. Denn wie er selbst bekannt gibt und auch das Baudepartement auf Anfrage bestätigt, scheiterte die Einsprecherschaft in zweiter Instanz ebenfalls.

Womit nun aber der «Eleven»-Leidensweg kein Ende nimmt. Denn die Einsprecher gehen den Instanzenweg weiter und haben beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den BJD-Entscheid eingereicht. Wie departementsseitig zu erfahren war, dauert die Eingabefrist noch bis Mitte September. Von gut unterrichteter Seite ist zu vernehmen, dass es sich sicher um sieben Einspracheparteien handle, wenn nicht mehr.

Olcay Oruç Sahin lässt sich aber auch jetzt noch nicht durch die Beharrlichkeit der Beschwerdeführer vom Kurs abbringen: «Das ‹Eleven› ist weiterhin geplant. Das Ganze ist halt ein Prozess, der seine Zeit benötigt.»

Auf alle Fälle fühlt er sich durch die bisherige Unterstützung – auch von behördlicher Seite – bestätigt: «Ich habe eine moralische Pflicht gegenüber der Gesellschaft, gegenüber den Leuten, die uns auf dem langen Weg begleitet haben. Wir können nicht einen riesigen Aufwand betreiben, um das Projekt zu lancieren und dann nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen es durchzuziehen.» Dies wäre insbesondere gegenüber der Stadt und dem Kanton, die das «Eleven» genehmigt hätten, unfair, sagt Oruç weiter.

«Es kann nicht sein, dass jene, die das Projekt initiiert haben, jetzt sagen, dass sie es aufgeben, nur weil sie keinen ‹Pfuus› haben, die Gegenwehr auszuhalten. Das wäre unglaubwürdig.» Vor allem da es keine grösseren Kosten verursache – nicht mehr: «Das Teure waren die Gutachten und die Projektierung. Jetzt ist es nur noch ein Prozess, den man aussitzen muss. Denn diese beiden Dinge braucht es: Knowhow und Geduld.» Sollte hingegen das Verwaltungsgericht gegen den Partytempel entscheiden, «muss ich es mir wieder überlegen. Erst wenn man alles gegeben hat und es trotzdem nicht klappt, lässt man los.»

Neuer Mieter steht fest

Doch selbst wenn sich in dritter Instanz das Verwaltungsgericht zugunsten des Partytempels aussprechen sollte, lauert da eine weitere Hürde. Inzwischen hat die Landi Reso bereits einen neuen Mieter, wie Geschäftsführer Alfred Laffer bestätigt: «Leider konnten wir den in der Reservationsvereinbarung mit der Eleven GmbH vorgesehenen Mietvertrag ab 1. Januar 2018 nicht abschliessen», informiert er auf Anfrage: «Auf der Suche nach neuen Mietinteressenten konnten wir erfreulicherweise die Cafémanufaktur Solothurn GmbH gewinnen. Mit ihr besteht ein rechtsgültiger Mietvertrag.» Über Vertragsinhalte – und somit auch über allfällige Ausstiegsklauseln – könne er keine Auskunft geben, betont Laffer.

Auf der Homepage der Cafémanufaktur ist die Poststrasse bereits als Adresse für «Verkauf» vermerkt. Auch dieser Umstand schreckt Olcay Oruç Sahin keineswegs ab. «Sobald wir seitens des Verwaltungsgerichts grünes Licht haben, müssen wir weiter darüber befinden.» Dass man aber den Mietvertrag bei unklarer Ausgangslage habe aufgeben müssen, sei naheliegend: «Drei, vier Jahre leer Miete zahlen, wer kann sich das schon leisten?» Doch selbst wenn der aktuelle Mieter in der Landi bleibe, ändere das nichts daran, dass man dann zumindest die Bewilligung auf der sicheren Seite habe. «Und wenns nicht geht, gehts nicht. Aber niemand verliert sein Gesicht.»

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