Solothurn
Keine Raubkunst: Das Kunstmuseum Solothurn ist «sauber»

Das Thema Raubkunst beschäftigt die Schweizer Museumsverantwortlichen immer mal wieder, sagt der Kurator des Solothurner Kunstmuseums, Christoph Vögele.

Fränzi Rütti-Saner
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Cuno Amiets «Chrysanthemen» 1909, Kunstmuseum Solothurn.

Cuno Amiets «Chrysanthemen» 1909, Kunstmuseum Solothurn.

Kunstmuseum Solothurn.

Unser Haus ist sauber, wir haben keine Provinienzen, die unklar sind», sagt der Kurator des Solothurner Kunstmuseums Christoph Vögele. So beantwortet er die Frage, ob im Kunstmuseum Solothurn sogenannte Raubkunst zu finden sei. Kunstwerke also, die während der Nazi-Zeit den jüdischen Besitzern zwangsenteignet worden sind oder die sie zu Spottpreisen haben verkaufen müssen.

Vögele erklärt, dass sich die Solothurner Bestände der klassischen Moderne aus Sammlungen grosser einheimischer Mäzene zusammensetzen. Zudem: «Wir haben bei uns ja vorwiegend Schweizer Kunst», so Vögele weiter. Und es sei so, dass die Nazis an den Schweizer Malern wenig bis gar kein Interesse hatten. Bei den anderen wichtigen Sammlungsstücken internationaler Künstler wie den Arbeiten von Van Gogh, Matisse oder Picasso handle es sich um Werke, die ganz klar vor der besagten Zeit ins Kunstmuseum Solothurn gekommen seien.

Allerdings, es gibt ein Bild, welches im Lauf der fraglichen Zeit seinen Weg nach Solothurn gefunden hatte. Es handelt sich dabei um ein Werk von Cuno Amiet, die «Chrysanthemen» aus dem Jahr 1909. Amiet sandte dieses Bild 1910 an eine Ausstellung nach Budapest und danach 1912 an eine Einzelausstellung nach München. Noch im gleichen Jahr war es in Dresden und Jena zu sehen. Dort wurde es vom Kunstverein Jena aufgekauft.

Ab 1936 wurde in Deutschland in allen Museen nach «entarteter Kunst» gesucht und diese abgehängt. Im Juli 1937 fand dann in München die erste Ausstellung «Entartete Kunst» statt, in der 650 dieser Werke aus Museen gezeigt und entsprechend lächerlich gemacht wurden. Gleichzeitig setzte mit der Beschlagnahme von insgesamt rund 16 000 modernen Kunstwerken, die zum Teil ins Ausland verkauft oder zerstört wurden, eine weitere «Säuberung» der deutschen Kunstsammlungen ein.

Dabei muss auch Amiets Bild gewesen sein, denn 1939 kam es in Luzern bei der Galerie Fischer zu einer öffentlichen Auktion von 125 Gemälden «entarteter Kunst». Amiet wurde dort angeboten und Gertrud Dübi-Müller, die eine grosse Amiet-Sammlung aufgebaut hatte und beim Künstler selbst Malunterricht genommen hatte, ersteigerte sich das Bild und holte es so in die Schweiz zurück. «Dübi-Müller hatte eigentlich damals ihre Amiet-Sammlung abgeschlossen. Sie wollte aber anscheinend das Bild sozusagen nach Hause holen», interpretiert Christoph Vögele die damaligen Geschehnisse. Weil das Bild nicht einem privaten jüdischen Sammler gehörte, sondern vom Dritten Reich beim Kunstverein Jena beschlagnahmt und als Devisenbringer ins Ausland verkauft wurde, gilt es nicht als Raubkunst.

Vögele meint, als Schweizer Museumsdirektor müsse man sich immer mit der Provenienzforschung beschäftigen, denn man wisse, dass damals viele Kunstwerke in die Schweiz gelangten, allerdings sei es in einem kleineren Haus wie Solothurn auch gar nicht möglich, die heute sehr teuren Bilder der klassischen Moderne, die vielen jüdischen Sammlern gestohlen wurden und die heute riesige Summen kosteten, zu kaufen. Das Bundesamt für Kultur habe übrigens in den vergangenen Jahren immer wieder die Schweizer Museumsbestände nach Raubkunst geprüft und ist derzeit daran, ein Internet-Portal «Raubkunst» aufzubauen.