Immobilienmarkt
Keine «Boom-Town»: Solothurn sucht überall Mieter

Ein Run auf Büro- und Gewerbeflächen in der Stadt Solothurn herrscht keineswegs. Im Gegenteil, die Preise sind in den letzten Jahren gar gesunken, weil Tausende von Quadratmetern leer stehen.

Wolfgang Wagmann
Drucken
Teilen
Ob etwas abseits des Stadtzentrums ...

Ob etwas abseits des Stadtzentrums ...

Wolfgang Wagmann

«Büro- und Gewerbeflächen zwischen 50 und 2500 Quadratmetern» werden an der Wengistrasse angepriesen. Nicht das einzige Transparent oder Plakat mit einer grossen Telefonnummer, das in Solothurn an den Fassaden prangt. Sogar an schmucken Altstadthäusern sind sie auszumachen. Denn der Markt für Gewerbe- und Büroflächen boomt keineswegs. «Er stagniert, und das seit Jahren», meint Gerhard Roth, als Inhaber der Firma Immowengi ein ausgewiesener Kenner der Szene. «Insgesamt stehen Tausende von Quadratmetern nur auf Stadtboden leer.»

Gerhard Roth, Immowengi

Gerhard Roth, Immowengi

zvg

Aber die Zeit der Fantasiepreise sei auch dort vorbei. «500 Franken, das war einmal. Heute liegen wir wegen des Margendrucks in allen Geschäften bei noch 300 bis 400 Franken.» Und eines betont Roth speziell: Randlagen müssten «top» sein und gerade in der Gastronomie auch mit «Top-Leuten» besetzt sein, sonst gebe es kaum Chancen für eine nachhaltige Geschäftstätigkeit.

Wer sucht, der baut

Kommt dazu, dass die günstigen Hypothekarzinsen der Vermietung von Büro- und Gewerbeflächen nicht gerade förderlich sind. «Wenn jemand etwas Grösseres braucht, baut er selbst.» Das kann auch im Stockwerkeigentum sein, aber laut Roth gibts neben der massgeschneiderten Lösung einen grossen Vorteil: der Preis. Rund 40 Franken pro Quadratmeter im Eigentum statt die erwähnten 120 bei Miete.

Länger leerstehenden Objekten droht eine Abwärtsspirale beim möglichen Mietertrag, doch für den Immobilien-Spezialisten «rentiert» ein Leerstand mittelfristig nicht – wegen der Nebenkosten, die ständig anfallen. Auch ein Umbau von Gewerbe- und Büro- zu Wohnflächen sei kaum eine Lösung. Die Umbaukosten seien in den meisten Fällen zu hoch, verweist Gerhard Roth auf den abgeflachten Loft-Boom, der auch in Solothurn nicht nur geglückte Beispiele erbracht habe.

Bauen auf Vorrat keine Lösung

Roths Immowengi vermietet im ehemaligen Roamer-Gebäude Flächen für Dienstleister und hat immerhin einen Vermietungsgrad von 80 Prozent erreicht. Aber auch noch besser gelegene Standort wie in Bahnhofnähe könnten nicht mit einer Vollvermietung rechnen. Das zeige auch die Wengistrasse, deren Leerstände Roth nicht zwingend auf die Schliessung der Wengibrücke zurückführt. «Die Lage ist an sich nicht schlecht. Aber Banken und Versicherungen legen eher zusammen und brauchen dadurch weniger Platz.»

Wohnen: Es kommt auf das Quartier an

In Sachen Wohnen meint Gerhard Roth: «Da haben wir in der Stadt einen normalen Markt.» 120 bis 150 Wohnungen seien ständig leer und damit verfügbar, wobei sich das Gros davon in der Weststadt und insbesondere im Sonnenpark befinde. In Quartieren wie der Schützenmatt oder in der Steingruben gingen die Wohnungen jeweils sehr rasch weg. «Das Angebot ist auch gut durchmischt, von der Eineinhalb- bis zur Fünfzimmer-Wohnung ist alles zu haben», weiss der Immobilien-Spezialist. Zurückgebildet hätten sich die Preise für Altstadtliegenschaften: 3000 Franken pro Quadratmeter seien heute üblich. «In den besten Zeiten wurden bis zu 5000 Franken bezahlt.» Ausserhalb müsse man für das allerdings kaum erhältliche Bauland zwischen 400 und 600 Franken pro Quadratmeter in den erwähnten beliebten Quartieren hinblättern, in der Weststadt rund 300 Franken. «In der Stadt ist die Situation sehr unterschiedlich», erklärt Roth, der einen wichtigen «Preismacher» darin sieht, wo die Kinder von Eigenheim-Interessenten in die Schule gehen werden. Auch bestehende Häuser sind in der Stadt selten und darum begehrt. So kann auch ein angebautes Haus auf 500 Quadratmetern im «richtigen» Quartier beim Verkauf einen Preis von über einer Million Franken erzielen. (ww)

Deshalb bringe Bauen auf Vorrat mit der Spekulation, man finde dann schon Mieter, oft nur die eine Erkenntnis: «Man schaufelt sich das eigene Grab», drückt sich Roth recht drastisch aus. Zuletzt wurden auch in Solothurn geplante Projekte nicht oder noch nicht ausgeführt. So der «Südpark» an der Zuchwilerstrasse oder die vorgesehene Überbauung des Forstwerkhof-Areals der Bürgergemeinde in vermeintlicher Toplage direkt an der Westumfahrung.

Solothurn ist Provinz

Etwas erstaunt ist Gerhard Roth über die bisher ausgebliebenen Vermarktungsaktivitäten der Stadt auf ihrem «Weitblick»-Areal entlang der Westumfahrung. Da sei Grenchen schneller und entschiedener vorgegangen. Auch die (kantonale) Wirtschaftsförderung könnte «mehr Power entwickeln», meint Roth, der sich aber keine Illusionen macht: Die Konkurrenz unter den einzelnen Standorten sei riesig, das Angebot an verwertbaren Flächen – man denke nur an die aufgegebenen Industrieareale in der engeren Region – ebenso.

Produzierende Industrie werde wohl kaum mehr entstehen, meint Roth weiter. «Es kommen zwar immer wieder Leute, die vielleicht mal 100 Quadratmeter brauchen», aber dies stehe keineswegs für eine Trendwende auf dem vor sich hin dümpelnden Solothurner Immobilienmarkt bei Gewerbe- und Büroflächen. Und über eines ist sich der Spezialist, der seit Jahrzehnten an der Front steht, im Klaren: «Solothurn ist zwar schön, aber halt doch Provinz und nicht erste Adresse für die Wirtschaft.»

Aktuelle Nachrichten