Die heute als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Amt für Raumplanung des Kantons tätige Simone Allemann studierte Hispanistik und Geografie, war auch in der Entwicklungsarbeit mit indigenen Völkern in Ecuador tätig. Von der Geografie aus kam das Interesse für die Siedlungspolitik. Das Wachstum in der Schweiz führt zu einer Verringerung der Umweltqualität und stellt somit für die Raumplanung eine Herausforderung dar. Der Kanton Luzern hat mit seinem Bauzonen-Analyse-Tool (LUBAT) gute Vorarbeit geleistet, so dass eine Solothurner Anpassung recht schnell umgesetzt werden konnte.

Allerdings handelt es sich bei den Ergebnissen dieses Instruments einzig um quantitative Erkenntnisse, während die qualitativen Aspekte Sache der Gemeinden ist. Für die praktische Anwendung des SOBAT wurde als urbane Gemeinde Gerlafingen und als ländliche Gemeinde Mümliswil-Ramiswil gewählt.

Wohl verfügt Gerlafingen, im Gegensatz zu Mümliswil-Ramiswil, über praktisch keine Baulandreserven mehr, doch die Studie weist nach, dass bis ins Jahr 2027 noch 1260 Einwohner zuziehen können, ohne dass bauliche Eingriffe notwendig sind. Dank Verdichtungen sinkt der Quadratmeteranteil lediglich um einen Quadratmeter. Bei Mümliswil-Ramiswil verhindert die Topografie eine verdichtete Bauweise. Deshalb sei bei der Raumplanung vor allem in urbanen Gebieten verdichtetes Bauen zu fördern.

Trendwende bei Eigenheimen?

In der anschliessenden Diskussion wurde seitens von Architekten die Nützlichkeit des Instruments anerkannt, doch darauf hingewiesen, dass vor allem der Mensch einbezogen werden muss. Bei der Bevölkerung ist ein Umdenken nötig. Das Einfamilienhaus mit Garten ist immer noch ein in weiten Kreisen erstrebenswertes Ziel, frisst aber viel Boden.

Stadtplaner Daniel Laubscher will allerdings in der typischen Einfamilienhaussiedlung der Weststadt leise Anzeichen eines Umdenkens bemerkt haben. Er weist auch darauf hin, dass vielfach unter dem Begriff «verdichtetes Bauen» Angst vor einer Zubetonierung geschürt wird.

Besser wäre es wohl, von Siedlungsentwicklung zu sprechen. Als äusserst positives Beispiel sieht er den Aarepark. Er plädiert dafür, wieder vermehrt in den Städten zu leben, denn dort sind alle Wege kurz, und viele Kosten für die Infrastruktur fallen weg. Wenn allerdings der Grundeigentümer und der Investor nicht mitziehen, steht der Architekt allein auf weiter Flur und muss halt letztlich doch das bauen, was die Auftraggeber wünschen.

Allemann regt in ihren Schlussfolgerungen an, dass ausser dem Grundeigentümer und dem Architekten auch ein Siedlungsarchitekt beigezogen würde, der über die Grenzen der Parzelle hinaus denkt. Sie hält auch eine Optimierung des SOBAT für notwendig. Ob dieses Instrument im Kanton flächendeckend eingesetzt wird, ist ebenfalls noch offen.