Solothurn

Katharinenbach: Experten forschen nach Forellen – warum die Suche seit 2018 vergeblich ist

David Gerke hat an dieser Stelle des Katharinenbachs schon lange keine Bachforelle mehr gesichtet.

David Gerke hat an dieser Stelle des Katharinenbachs schon lange keine Bachforelle mehr gesichtet.

David Gerke hat über drei Jahre die Forellen-Abwanderung in die Aare aus dem Katharinenbach unter die Lupe genommen.

Es muss frustrierend gewesen sein. Einmal mehr steht David Gerke vor dem im Bachbett eingebauten Stauwehr und dem grünen Plastikkasten. Er ist leer. Wie immer. «Bis im Juni 2018 war alles normal. Dann wirkte sich die Trockenheit aus. Und seither hatten wir hier keine Forellen mehr.»

Sinnend blickt der Präsident des Fischvereins Solothurn und Umgebung auf die paar stillen «Glunggen» im Unterlauf des Katharinenbachs, der diesen Namen so kaum mehr verdient. «Da unten kommt nichts mehr vorbei» – oder anders ausgedrückt: Seit mehr als einem Jahr sind aus dem Oberlauf, insbesondere der Verenaschlucht keine Bachforellen mehr in die Aare gelangt. «Ausser vielleicht bei Hochwasser», meint der 34-jährige Tierwelt-Experte, bekannt für sein Engagement im Wolfs- und Biberschutz. Hochwasser, die können bei Gewittern oben am Berg auftreten. Und das kleine Wehr überfluten, dann vielleicht, so die Hoffnung Gerkes, könnten es einige Fische mit der Flutwelle in die Aare geschafft haben.

Was die Bachforelle eigentlich im Sinn hat

Hintergrund ist ein Projekt, das im Frühling 2017 begonnen hat und vom kantonalen Amt für Wald, Jagd und Fischerei in Auftrag gegeben wurde. An fünf Standorten – darunter auch im Schwarzbubenland – wurde die Fischabwanderung über drei Saisons untersucht. Diese dauert vom April bis in den Herbst. «Täglich habe ich oder eines unserer Vereinsmitglieder den Kasten auf Forellen überprüft. Waren welche drinnen, wurden sie unterhalb des Wehrs im Bach ausgesetzt und konnten so in die Aare gelangen.»

Denn oben im Verenabach fänden sich durchaus noch Bachforellen, die vor allem dort auch laichten. Auf den Besatz mit Jungfischen, auch Hechten, wird inzwischen verzichtet, was in Fischereikreisen immer wieder für Diskussionen sorgt. Umso wichtiger wäre das Sichern des Bestandes durch natürlichen «Nachschub» aus den Zuflüssen. «Die Bachforelle ist ein Kurzzieher», weiss Gerke. Sie legt also keine langen Wanderungen zum Laichen zurück wie beispielsweise der Lachs, sondern sie sucht sich nach der ersten Wachstumsphase ihren künftigen Lebensbereich – denn jede Forelle behauptet ihr Revier gegenüber Artgenossen.

Deshalb machen sich jeweils vor allem im Mai und Juni die wenige Zentimeter langen Frühsömmerlinge auf den relativ kurzen Weg beispielsweise in die Aare. «2017 zählten wir 100 bis 150 Forellen, manchmal bis zu zehn Stück pro Tag. Und im Mai 2018 fing es ähnlich an, «doch ab Juli ist es fast immer trocken gewesen. Und von da weg kam nichts mehr vorbei.» Mit fataler Langzeitwirkung: Die ganze Beobachtungsperiode in diesem Jahr blieb es bei der ausgebliebenen Fischwanderung. «Aber ein Fischsterben haben wir nicht beobachtet.»

Gerke schliesst daraus, dass künftige klimatische Extreme wie die jüngsten Trockenperioden gravierende Auswirkungen und Veränderungen beim Fischbestand haben dürften. Barben etwa, die wärmeres Wasser gut vertragen, könnten profitieren, Forellen dagegen hätten es schwerer. «Doch persönlich bin ich gegen den Besatz der Bäche mit Jungfischen», betont Gerke. Zwar sei der Forellenbestand der Aare vor einigen Jahren auch durch den Verzicht massiv zurückgegangen, doch seither habe er sich «auf tiefem Niveau plafoniert».

Der Wildbach wäre ein Hoffnungsträger

Noch etliche andere Probleme setzen der Forelle zu: die Hormonbelastung des Wassers beispielsweise, «auch hier im Katharinenbach ist die Wasserqualität schlecht», verweist David Gerke auf die veraltete Kläranlage oberhalb der Einsiedelei. Laichplätze und natürlichen Nachwuchs könnten für ihn vor allem der Wildbach bieten. «Bis zur SBB-Bahnlinie weist er für Forellen ideale Bedingungen auf.» Und unterhalb? Da hofft Gerke auf die seit Jahren hängige Überbauung Wohnpark Wildbach. Das Projekt sieht eine Freihaltezone gegen den Bach und dessen Renaturierung vor.

Denn die monatelangen vergeblichen Besuche am Katharinenbach haben bewiesen: Der Bachforelle geht es schlecht. Da ist es ein schwacher Trost, dass der Aufwand entschädigt wird: durch die Patentgebühren, welche die Petrijünger entrichten – für die oft vergebliche Jagd auf Forellen.

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