Solothurn

Kardinal Koch besucht ex-Bistum und sieht erstmals renovierte Kathedrale

Grosser Aufmarsch in der Kathedrale zum Besuch von Kardinal Kurt Koch am St. Ursentag. Zu den Feierlichkeiten zu Ehren der Stadtpatrone gab es ein volles Programm.

Die überholten Glocken zu St. Ursen sind verhallt, der imposante Einmarsch beginnt. Ministranten, Geistliche, Ritter und Damen des Grabritter- und Malteserordens in wallenden Roben, Nonnen der beiden Frauenklöster, dann die Bischöfe und ganz zuletzt ein Heimkehrer für kurze Zeit: Kardinal Kurt Koch.

Die eigentlichen Stars sind St. Urs und Viktor, in Silber und Kristall gefasst werden die Häupter der Märtyrer und Stadtpatrone im sogenannten Heltum den Bischöfen vorangetragen. Die Kathedrale ist gut gefüllt, und Bischof Felix Gmür freut sich sichtlich über den hohen Gast: «So hell hast Du sie noch nie gesehen.» Kardinal Koch weilt seit vier Jahren in Rom und war nach der Renovation noch nie in seiner Bistumskirche.

Märtyrer der Ökumene

In Rom weilen derzeit die Singknaben, doch tischen der Domchor St. Urs unter der Leitung von Konstantin Keiser sowie Domorganistin Suzanne Z’Graggen ein reichhaltiges musikalisches Festmenü auf. «Das Weizenkorn, das stirbt, bringt reiche Frucht hervor», bezieht sich Kardinal Koch auf das vorhergegangene Johannes-Evangelium. Viele Christen hätten heute «ein regelrechtes Kreuz mit dem Kreuz», weil sie hinter dem Tod Jesu einen grausamen Gott sähen. Doch das Leiden am Kreuz sei als Zeichen der Liebe gegenüber den Menschen zu deuten.

Ihr Leben geben für den Glauben wie Urs und Viktor, das müssten derzeit sehr viele Christen, «wohl mehr als damals bei den Christenverfolgungen». 80 Prozent aller Menschen, die heute wegen ihrer Religion verfolgt würden, seien Christen, weiss Kurt Koch aus vielen Erfahrungen in seinem Amt – ist er doch im Vatikan für die ökumenischen Beziehungen zu andern Kirchen verantwortlich. In 25 Ländern würden Christinnen und Christen terrorisiert. Doch sei das Blut der Märtyrer «der Name von neuen Christen». Auch Stadtpfarrer Niklas Raggenbass zieht zuletzt einen passenden Vergleich heran: «Erst die Dornen machen die Rose zur Rose – ansonsten wäre sie irgendein Gemüse.»

Ein Bier, das glücklich macht

Doch nicht nur Leid, Dornen und Tod prägen die Feierlichkeiten zu Ehren der Stadtpatrone – am Nachmittag übrigens mit der Vesper und der Reliquienverehrung abgeschlossen. Vor dem machtvollen «Grosser Gott wir loben Dich!» und dem festlichen Auszug darf Niklas Raggenbass den Apero für die Pfarrgemeinde draussen auf der Terrasse ankünden. «Das letzte Mal hätte sich Bischof Felix Gmür, durstig nach der Messe, ein Bier gewünscht, doch es war keins aufzutreiben. Darum haben wir für diesmal ein Bischofsbier brauen lassen. Es heisst ‹Felix› und macht glücklich.» Kardinal Kurt Koch nimmt den Steilpass auf.

Zuerst bedankt er sich artig, dass er wieder einmal in der St. Ursen-Kathedrale hatte sein dürfen - «ich geb sie Euch gleich zurück.» Um hinzuzufügen: «Wenn Sie einmal das Gefühl haben, Hopfen und Malz seien verloren, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an Bischof Felix.» Vorerst stiehlt aber ein Weinlieferant «Öufi»-Brauer Alex Künzle und dem würzigen «Felix»-Gerstensaft die Show: Louis Mahler aus Kriens schmettert vor St. Ursen den eigens komponierten «St.-Urs-und-Viktor-Jutz» Richtung Märetplatz. Zuvor hat er drinnen im Chorraum das Alphorn geblasen, in Solothurn aber auch das schriftliche Gelübde erneuert, nur unverschnittenen Messwein von der Moscato-Traube zu liefern.

Doch bevor es definitiv zum Bier geht, lassen die Bischöfe elf weisse Tauben aufsteigen – als Zeichen des Friedens.

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