Solothurner Bürgerrat

Kann Schwester Benedikta «Einsiedlerin sein und in den Medien auftreten»?

Schwester Benedikta mit ihrem Buch «Licht auf meinem Pfad»

Schwester Benedikta mit ihrem Buch «Licht auf meinem Pfad»

Ihre Medienauftritte haben Schwester Benedikta, der Solothurner Einsiedlerin, nicht nur Freunde gebracht. Im Solothurner Bürgerrat musste sie sich zu ihrer Öffentlichkeitsarbeit äussern - doch ihre Kritiker blieben stumm.

Zuletzt war auch in der Bürgergemeinde Solothurn, dem Arbeitgeber von Schwester Benedikta, Kritik an ihren vielen öffentlichen Auftritten laut geworden. Deshalb lud man die Einsiedlerin zu einer Aussprache in den Bürgerrat ein.

Dabei brachte die Schwester ihren «geistlichen Beistand», den pensionierten Weihbischof Martin Gächter, mit. «Heute Abend werden wir nichts entscheiden. Wir reden nur über die Öffentlichkeitsarbeit von Schwester Benedikta», betonte Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger.

Nun, geredet wurde schon. Aber nicht von der Ratsmehrheit, der FDP-Fraktion. Die Begründung von Matthias Wälti: Man wolle den Ergebnissen der eingesetzten Arbeitsgruppe nicht vorgreifen und diese beeinflussen. Konsternation im Sitzungssaal.

Auch der Hinweis Wynigers, dass die Arbeitsgruppe die Entlastung der Schwester zu prüfen habe, und nicht ihre Öffentlichkeitsarbeit, änderte am am Schweigen der FDP nichts.

Und Therese Fröhlicher, die als Präsidentin der Einsiedeleikommission und CVP-Bürgerrätin in der Arbeitsgruppe mitwirkt, brach eine Lanze für Schwester Benedikta: «Sie ist eine sehr authentische Persönlichkeit. Die Leute gehen zu ihr hin, sie entspricht dem Zeitgeist.»

Doch auch ihr Appell, nicht «hingedüre», sondern hier und jetzt zu reden, prallte an der FDP ab.

«Sie sucht nicht die Medien»

Schwester Benedikta hatte eingangs auf ihr Schreiben an den Bürgerrat verwiesen, in dem sie ihre Position erklärt hatte. Mündlich lieferte sie im Rat noch einige Erklärungen nach.

Sie sei da, um «die Frohbotschaft Gottes weiterzugeben. Ich lebe meine Berufung immer in Rücksprache mit Gott.» Und zitierte; «Geht in alle Welt und verkündet die Frohbotschaft.»

Martin Gächter kam auf das Buch von Schwester Benedikta zu sprechen, in dem sie «einen schwierigen Lebenslauf» geschildert habe. «Eine interessante Formung» sei der Lebensweg der Schwester, die vor zehn Jahren zum katholischen Glauben gefunden habe.

Die Schwester Benedikta lebt als Einsiedlerin in der Verenaschlucht im Kanton Solothurn. Jetzt veröffentlicht die Eremitin ihre Biografie. Sie erzählt von Schicksalschlägen, Jugendsünden und von ihrem Weg zu Gott und in die Einsiedelei.

Die Biografie von Schwester Benediktaerzählt von Schicksalschlägen, Jugendsünden und von ihrem Weg zu Gott und in die Einsiedelei.

«Das Buch ist interessant, und es geht nicht um eine Selbstdarstellung. Viele sind vom Buch begeistert.» Und zur aufgekommenen Kritik meinte der Alt-Weihbischof: «Sie sucht nicht unbedingt die Medien. Aber sie ist in der Einsiedelei ausgestellt.»

Abschliessend betonte Gächter: «Ich finde, wir haben Glück mit dieser Einsiedlerin. Es wäre schade, wenn sie ginge – für Solothurn und alle.»

Nicht rund um die Uhr da

«Nicht ich suche die Öffentlichkeit. Sie sucht mich», warf die Schwester im späteren Verlauf der Diskussion ein. Sie könne nicht rund um die Uhr für alle da sein, hielt sie weiter fest und verwies auf Beispiele, wo sie noch mitten in der Nacht aufgesucht würde.

«Von abends bis morgens acht Uhr möchte ich meine Nachtruhe haben», und sich auch unter der Woche auf ihre Spiritualität als Einsiedlerin konzentrieren können. Darum verfüge sie nun auch über ein Auto, mit dem sie sich jeweils am Montag und Dienstag aus der Einsiedelei zurückziehe.

Inzwischen hat die Bürgergemeinde laut Wyniger eine Hilfe im Stundenansatz angestellt, die am Dienstag die Kapellen aufschliesst. Am Montag bleiben sie dagegen geschlossen, «aber auch Museen sind an einem oder mehreren Tagen geschlossen»,hielt der Bürgergemeindepräsident nach der Sitzung fest.

Seine Frage im Saal, «kann man Einsiedlerin sein und in den Medien auftreten?» förderte Ansätze von Antworten zutage. «Ihr habt jemanden gesucht, der kommunikativ ist», so die Schwester.

Sie sei keine Abwartin, sondern spirituell berufen, ergänzte Martin Gächter. Oder wiederum Schwester Benedikta: «Ich stelle eben den Besen weg und rede mit den Leuten.»

Der «Super-Gau»

Auch einige Fragen der CVP-Mitglieder, ob beispielsweise weitere Medienauftritte geplant seien, brachten nichts Neues. Erwähnt wurde aber, dass das Schreiben eines Buches Privatsache der Schwester sei.

Nach der Sitzung war immerhin klarer, wo(her) der Schuh drückt: Die FDP hatte sich schriftlich bei Sergio Wyniger über die ständige, ja zuletzt regelmässige Präsenz der Schwester in den Medien beschwert. Die da waren: Buchvernissage, «Blick»-Artikel, Auftritt in der TV-Sendung «Aeschbacher».

Schwester Benedikta bei Kurt Aeschbacher in der Sendung

Schwester Benedikta bei Kurt Aeschbacher in der Sendung

Moniert habe die FDP auch, dass «die Bürgergemeinde Solothurn als Arbeitgeberin bei diesen Auftritten von der Schwester nie erwähnt worden ist», ergänzte Wyniger. Ein noch anwesendes FDP-Mitglied distanzierte sich nun vom Entscheid ihrer Partei, an der Aussprache schweigen zu wollen.

Und Therese Fröhlicher zeigte sich sichtlich schockiert über den Verlauf des Abends: Dass die FDP sich ausgeschwiegen habe, sei für die Schwester «der Super-Gau» gewesen. Und weiter: «Alle, die sie nun kritisieren, haben ihr Buch nicht gelesen.»

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