Eisenbahnbrücke
Kann die Vorstadt bald wieder ruhiger schlafen?

Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri rapportiert an der «Sauren Leber»: Die SBB gedenkten weiterhin, bis 2017 die alte Eisenbahnbrücke neben dem Krummen Turm einer Lärmsanierung zu unterziehen.

Wolfgang Wagmann
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Besonders lärmintensiv sind die Tank- oder Kesselwagen
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Bis vor fünf Jahren rollte noch der Durchgangsverkehr über die benachbarte Wengibrücke
Eisenbahnbrücke Solothurn: SBB wollen Lärmsanierung bis in spätestens vier Jahren realisieren
Der Güterverkehr sorgt für einen hohen Lärmpegel
Der nördliche Brückekopf mit der Landi
Die Eisenbahnbrücke mit dem Lagerhaus und der alten Hauptpost boten ein kompaktes Stadtbild
Die Eisenbahnbrücke vor dem Neubau 1926
Gäste des Aaregarten haben zwar eine schöne Sicht, aber
Kolorierte Ansichte der Brücke mit dem Alten Spital von 1920
Ohne den Lärm der Eisenbahnbrücke wäre das Alte Spital eine Ferieninsel
So sieht die Brücke von unten aus

Besonders lärmintensiv sind die Tank- oder Kesselwagen

Wolfgang Wagmann

Stadtpräsident Kurt Fluri nimmt Aufträge grundsätzlich ernst, auch wenn sie eher humoresk gemeint waren. Und so kündete er an der «Sauren Leber» der St. Margrithenbrüder an: «Die SBB werden bis 2017 die Eisenbahnbrücke lärmsanieren.» Das ist zwar nichts Neues, denn schon vor elf Monaten hatte der SBB-Mediendienst solches auf unsere Anfrage bestätigt. «Dass an der Brücke in Solothurn etwas gemacht werden muss, wurde bereits 2010 entschieden», meinte damals seitens der Bundesbahnen Andreas Wendlinger. Nun hatte Kurt Fluri nochmals explizit bei den SBB um eine Bestätigung des Termins 2017 ersucht und diese erhalten. Der Stadtpräsident lakonisch: «Die gute Nachricht ist die, dass sich der Termin nicht weiter hinausgezögert hat.»

Immer noch wird getestet

Folgenschwerer Entscheid

Um 1850 tobte in Solothurn ein Krieg zwischen Verfechtern verschiedener Bahnlinien-Projekten. Auch um den Standort des Bahnhofs wurde hart gerungen. Man entschied, diesen auf der Altstadtseite zu errichten. Dies machte in der Vorstadt eine enge Kurve des von Herzogenbuchsee her gebauten Trassees notwendig, und so wurde eine Lücke in die als unnötig angesehenen Vorstadtschanzen gerissen. 1857 entstand die Brücke als Gitterkonstruktion. 1926 wurde sie durch die jetzige ersetzt. (ww)

Zum «Lärm-Profi» geworden

«Wahnsinnig lange» dauern die Sanierungspläne für Roland Furrer, als Geschäftsführer des Hotels an der Aare und Wirt des Restaurants Aaregarten im Alten Spital wohl Hauptbetroffener des Bahnlärms. Nach dem Produktionsstopp in Cressier sei es zwar ruhiger geworden, doch sei die Brückensanierung neben dem Verbot von alten Bremsbelägen und dem Einsatz von neuem Rollmaterial wichtig. «Die Sanierung bringt zwar nur zwei, drei Dezibel, aber das ist schon stark spürbar.» Denn im Bewertungsportal des Hotels gebe es keine Beanstandungen bis auf die eine: den Lärm. «2005 haben wir im Hotel auf eigene Rechnung schallschutzgedämmte Fenster und eine Komfortlüftung eingebaut. Leider gibt es aber immer wieder Gäste, die meinen, sie könnten bloss bei offenen Fenstern schlafen.»

In all den Jahren ist Furrer schon fast zum Lärmschutz-Experten geworden, habe es doch im Alten Spital schon diverse Messungen der SBB gegeben. An den Kosten zur Schallisolierung der exponiertesten Fenster im Westen hätten sich die Bundesbahnen zwar beteiligt, «nicht aber im Hotel.»

Auch für die Restaurantgäste hätte es Roland Furrer trotz der schönen Lage des Aaregartens gerne etwas leiser. «Ich sage meinen Gästen jeweils, wenn ein Zug naht: Jetzt habt Ihr 30 Sekunden Zeit, um nachzudenken, was Ihr nachher sagen wollt.»