Nicht ohne Stolz präsentierte Domenika Senti, Leiterin der Sozialen Dienste, dem Gemeinderat gestern Abend den alljährlichen Sozialreport, den Leistungsausweis ihrer Verwaltungsabteilung. Dabei ging sie schwerpunktmässig auf das Thema ein, das zurzeit in jeder Gemeinde beschäftigt: das Asylwesen. Senti hob die Strategie hervor, mit denen die Stadt auf ankommende Asylsuchende reagiert: dezentrale, überirdische Unterbringungen, ein Netz an Freiwilligen, Integrationsbemühungen in Zusammenarbeit mit dem Kanton, und ein konfliktfreies Klima in der Nachbarschaft der Unterkünfte.

48 Personen nahm die Stadt 2015 auf, 2016 sollen es 105 Personen werden. «Bis heute haben wir vier aufgenommen, aber bis Ende März werden es deren 34 Personen sein.» Soweit die anstehenden Aufgaben, die zunächst mit einer Erweiterung der Gibelin-Unterkunft sowie einer neuen Kollektivunterkunft im Fegetz-Quartier bewältigt werden sollen.

«Doch das Kontingent bleibt hoch, auf uns warten weitere riesige Herausforderungen», so Senti. Gerade auch die Suche nach Wohnungen und nach Lehrkräften für Deutschunterricht gestalte sich schwierig. Was die Situation ein wenig entlasten könnte, sei eine kantonale Unterkunft in der Stadt. Die dort aufgenommene Kapazität würde zur Hälfte am Aufnahmesoll der Stadt angerechnet. Im Fokus steht das Kapuzinerkloster, obschon ein Gesuch des Kantons bis jetzt ausgeblieben ist.

Einen weiteren Fokus legte Senti beim Report auf die Sozialhilfe. Obwohl die Stadt mit 471 offenen Dossiers 21 mehr als im Vorjahr ausweist, waren die Sozialhilfekosten leicht rückläufig.

Gefasst sein auf Widerstand

Der Rat nahm den Sozialreport lobend und dankend zur Kenntnis, ebenso die dahinter stehenden Leistungen. Nur warnte Beat Käch (FDP) punkto Kapuzinerkloster vor aufkeimendem Widerstand: «Ich wohne ebenfalls im Loretoquartier und habe mit einigen Bewohnern gesprochen.» Ansonsten lobte er die Umgangsweise der Sozialen Dienste mit dem Thema: «Wir sind froh über Lösungen, die von unterirdischen Unterkünften absehen.»

Besorgt zeigte sich Anna Rüefli im Namen der SP-Fraktion über die Unterkünfte: «Können wir 105 Personen menschenwürdig unterbringen?» Darüber hinaus erwähnte sie den intensiven Einbezug Freiwilliger als Plus. Als schwierig bezeichnete auch Barbara Streit-Kofmel (CVP) die Unterbringung: «Gibts genügend Wohnraum?», hakte sie ein. Dafür nahm sie auf das Aufnahmeprozedere der regulären Sozialhilfe und auf tiefere Sozialkosten Bezug: «Die Wirkung des Intake-Verfahrens und der Abklärung vorgelagerter Hilfesysteme ist erfreulich.»

Melanie Martin von der Fraktion der Grünen rühmte hinsichtlich der Asylfrage die vorausschauende, planende Vorgehensweise der Sozialen Dienste. Bei der Sozialhilfe zeigte sie sich besorgt, dass rund ein Drittel der Leistungsempfänger unter 18-jährig ist. René Käppeli (SVP) bezeichnete den Sozialbericht als «Sweet and Sour». «Süss» sei das Engagement der Mitarbeitenden der Stadt, «sauer» hingegen die «finanzielle Zeitbombe», die mit den Sozialkosten generell einhergehe.

Neben zweier Vorstösse, deren Beantwortung erst nach Redaktionsschluss erfolgte, präsentierte Stadtschreiber Hansjörg Boll eine Übersicht sonstiger pendenter und abgeschriebener Vorstösse. Insgesamt konnten vier Motionen und ein Postulat als abgeschrieben erklärt werden: Es bleiben drei Postulate und ebensoviele Motionen pendent.