Amnesty International

Kampf für Menschenrechte ist noch immer nötig

Der Chor der Nationen eröffnet vor zahlreichen Zuschauern das Jubiläumsjahr von Amnesty International auf der St.Ursentreppe.  Felix Gerber Der Chor der Nationen eröffnet vor zahlreichen Zuschauern das Jubiläumsjahr von Amnesty International auf der St.Ursentreppe.  Felix Gerber

Der Chor der Nationen eröffnet vor zahlreichen Zuschauern das Jubiläumsjahr von Amnesty International auf der St.Ursentreppe. Felix Gerber Der Chor der Nationen eröffnet vor zahlreichen Zuschauern das Jubiläumsjahr von Amnesty International auf der St.Ursentreppe. Felix Gerber

Über 200 Mitglieder von Amnesty International (AI) haben am Wochenende in Solothurn mit einem feierlichen Auftakt und verschiedenen Workshops ihr Jubiläumsjahr eröffnet. Seit 50 Jahren gibt es die Organisation bereits.

Sie erinnerten sich an das Jahr 1961, als ein britischer Rechtsanwalt zu einer Kampagne für zwei vergessene portugiesische Häftlinge aufrief und mit dieser Aktion die Geburtsstunde einer Organisation einleitete, die seither mit weltweiten Kampagnen und Aktionen gefolterten, unterdrückten und verfolgten Menschen neue Hoffnung gibt.

Ansprachen und Chorgesang

Pünktlich um 11 Uhr läutete der Chor der Nationen auf der St.Ursentreppe mit einheimischem und internationalem Liedergut das 50-Jahr-Jubiläum ein. Aus der sich rasch ansammelnden Menschenmenge ragten da und dort die AI-typischen gelben Plakate auf, während die Kathedrale im Hintergrund bei prächtigstem Frühlingswetter majestätisch das Geschehen überblickte.

In einer Ansprache begrüsste Barbara Streit im Namen der Stadt die Gäste und liess keinen Zweifel offen, dass der Kampf der unermüdlichen Aktivistinnen und Aktivisten heute nötiger sei denn je. Immer wieder würden die Rechte der Menschen durch Regierungen und Privatpersonen verletzt. «Grund genug, um den Kampf unbeirrt fortzusetzen und sich für jedes einzelne Schicksal einzusetzen», so die Vize-Stadtpräsidentin, die sich freute, dass die erfolgreiche Menschenrechts-Organisation Solothurn für diesen Anlass ausgewählt hatte.

Solidarität für Menschen, die um ihre Freiheit kämpfen

In französischer Sprache drückte der Algerier Rachid Mesli, Direktor der Stiftung Alkarama zur Verteidigung der Menschenrechte in arabischen Ländern, seine Solidarität aus mit all jenen Menschen, die zurzeit in Nordafrika und anderen arabischen Ländern um ihre Freiheit kämpfen und den sich an die Macht klammernden Diktatoren den Kampf angesagt haben. Mesil machte aber auch darauf aufmerksam, dass selbst hinter einer demokratischen Fassade Korruption möglich sei und die Ressourcen ungleichmässig verteilt sein können.

Dem konnte später auch Peter Bichsel in einer kurzen literarischen Betrachtung im Landhaus beipflichten: «Ich glaube nicht, dass die Menschen schlechter geworden sind, aber die Sitten haben sich verändert», gab der Solothurner Schriftsteller zu bedenken. «Heute werden auch europäische Staatsmänner nicht mehr zu Fall gebracht, wenn sie Grenzen überschritten haben.» Im Hinblick auf das Wirken von Amnesty meinte Bichsel: «Ich bin froh, dass es Leute gibt, die nicht an der Bösartigkeit der Menschen verzweifeln und sich all jenen annehmen, die keine Hoffnung und Zuversicht mehr haben.»

Trotz Widerstände behauptet

Auch der Direktor des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte, Professor Walter Kälin, erntete viel Applaus. Amnesty International sei eine der wenigen Organisationen, die sich bei ihrer Gründung der Menschenrechte angenommen habe. «Sie wurde in ihren Anfängen massiv fichiert und hat sich trotz vieler Widerständen behaupten können.» Das Erfolgsrezept? «Die Organisation ist finanziell unabhängig geblieben und nebst ihren weltweiten Kampagnen und Aktionen auch intellektuell tätig.»

Als Gastredner lobte auch Salil Shetty, Generalsekretär der internationalen Bewegung, das «dynamische» Wirken der Schweizer Sektion mit schweizweit 49000 Mitgliedern. Diese werde dank ihrer konstruktiven Beiträge international stark beachtet.

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