Solothurn
Kälte hinderte Darsteller nicht daran, in Sandalen durch die Stadt zu laufen

Beim Weihnachten geht es ursprünglich nicht ums Einkaufen. Diese Botschaft sollte bei der «Wienachtsreis» in Solothurn vermittelt werden.

Katharina Arni
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«Wienachtsreis» 2018 in Solothurn Josef, Maria und das Jesuskind auf dem Märetplatz
38 Bilder
 Da liegt es, das Kindlein, – mit viel Stroh: Maria und Josef auf dem Märetplatz.
 Seltene tierische Gäste zogen durch die Altstadt.
 Die Kamele sind auch heuer wieder dabei
Weihnachtsreise
 Die drei Könige besuchen Herodes
 Auf der Treppe vor der St. Ursen-Kathedrale sass Herodes
Weihnachtsreise Eine Fanfare für die Ansprache
 Die drei Könige werden bei Herodes vorstellig. Sie verkünden, dass es einen neuen König gibt
 Die drei Könige
 Die drei Könige
 Die drei Könige
 Viele verfolgten die Darstellung
 Herodes gefällt das gar nicht
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise Solothurn
 Schafe auf dem Friedhofplatz
 Schafe auf dem Friedhofplatz
 Schafe auf dem Friedhofplatz
 Schafe auf dem Friedhofplatz
 Hirten beschäftigen sich
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
 Maria und das Jesuskind beim Einmarsch in die Stadt
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise
Weihnachtsreise

«Wienachtsreis» 2018 in Solothurn Josef, Maria und das Jesuskind auf dem Märetplatz

Oliver Menge

Auf dem Märetplatz sitzen Heidi Studer und Esther Rösti gut gelaunt auf einem Ballen Heu. Daneben steht eine – noch – leere Krippe aus massivem Holz. Sie warten nebst anderem auf die Heilige Familie, die sich im Keller der reformierten Stadtkirche bereit macht für eine Weihnachtsreise in die Stadt, wo Leute mit vollen Einkaufstaschen herumeilen oder andere geduldig ihren Blick zum Bieltor richten.

Endlich ist es soweit: am Strassenrand wird es eng, man rückt zusammen und will dabei sein, wenn die Karawane, angeführt von römischen Legionären, Einlass in die Stadt verlangt. Kinderaugen leuchten, Erwachsene zücken ihre Handys. Nicht jeden Tag ziehen Schafherden, Kamele, Hirten, die Heiligen Drei Könige und mit ihren Speeren laut auf den Boden stampfende römische Legionäre durch die Gassen der weihnächtlich geschmückten Stadt.

Wer jetzt noch durchs Bieltor will, kommt nicht darum herum, sich einen Stempel auf die Hand drücken zu lassen. Die Volkszählung gehört zum Ritual des grossen Ereignisses, das auch von Bildern lebt.

Herodes hat sein Zelt vor der St.-Ursen-Treppe aufgeschlagen

Die Ankunft des Jesuskindes sei ein Geschenk für alle Menschen, sagen die beiden Frauen auf dem Märetplatz, die stolz sind, dass sie bei der Verkündung der Frohen Botschaft dabei sein können. «Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass Jesus auch für sie Mensch geworden ist und dass es sich lohnt, sich mit der Weihnachtsgeschichte auseinanderzusetzen.» Auch ihr Warten hat nun ein Ende.

Gemächlich sucht die Heilige Familie ihren Platz in der bescheidenen Krippe. Während die Heiligen Drei Könige nach dem Stern Ausschau halten, eilen drei ältere Männer durch die Gurzelngasse auf der Suche nach Maria, die sie doch eben noch in der Karawane mitlaufen gesehen haben.

Stau gibt es plötzlich auch vor der St.-Ursen-Treppe, wo Herodes sein Zelt aufgeschlagen hat und seinen goldigen Thron besteigt. Mit ihm ein Schriftgelehrter und eine Dienerin. Regelmässig treibt er die Legionäre an, nach dem Kind zu suchen, das ihm seine Macht entreissen könnte. «Chumm, mir göh go lose was dr König seit», sagt ein Vater und zieht seinen Sohn nach vorne.

Gegen hundert Mitwirkende waren dabei

Eintracht herrscht auf dem Friedhofplatz, wo das letzte störrische Schaf seinen Platz gefunden hat. Gelassen wachen die bescheidenen Hirten über ihre friedlich weidenden Schafe. Ein Mädchen blickt zu seiner Grossmutter, die ihm erzählt, wie die Hirten auf dem Felde als erste die Frohe Botschaft von der Geburt des Jesuskindes erfahren haben. Im Vordergrund steht diese auch bei einer jungen Familie aus Biberist. «Wir sind nicht gekommen, um einzukaufen», stellt der Vater gleich fest. «Es ist wichtig, dass darauf hingewiesen wird, dass Weihnachten nicht bloss Konsum bedeutet.»

Hinter der ganzen Inszenierung steht jedes Jahr immens viel Vorbereitungsarbeit. Gegen hundert Mitmachende haben auch in diesem Jahr dazu beigetragen, dass die oft im grossen Rummel verloren gehende Frohe Botschaft verkündet werden konnte. «Es ist schwierig, Leute zu finden, die mitmachen wollen», sagt Sandra Lutz, die mit einem strahlenden Lächeln ausdrückt, wie wichtig ihr der Anlass ist, der mittlerweile auch auf andere Orte in der Schweiz ausgestrahlt hat. Nach einem Besuch in Solothurn ist die «Wienachtsreis», die von verschiedenen Kirchenorganisationen organisiert wird, nun auch in St. Gallen fest etabliert.

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