Solothurn

Käsen? «Das kommt auf die Tagesform an» – unterwegs am Chästag

Er heisst Chästag wegen des Käses. Die Vorstadt ist eigentlich ein Treffen der Schweizer Käsespezialitäten. Das Herumstöbern an den 23 Käseständen lohnt sich, zumal noch ganz andere Delikatessen zu entdecken sind.

Für einmal fehlt er, Rolf Beeler, der Schweizer Käsepapst. Aber er hätte auch heuer seine helle Freude gehabt, an dem was es zwischen dem Rossmarktplatz alles an Löchrigem und weniger Löchrigem zu entdecken gibt. Von Kandersteg, aus dem Muotathal, von Lungern im Obwaldischen und aus der ganzen bernischen Nachbarschaft sind sie zusammengeströmt, um ihre duftenden Delikatessen unters Volk zu bringen. Es muss auch nicht nur Käse sein. Zebu-Hamburger aus Hochwald, Murmelisalbe aus dem Bündnerland und Küchengeräuchtes aus dem Jura - der Chästag versteht sich als rundum Genussfest.

110'000 Liter Milch werden zu Käse

Dauergast am Chästag ist Kathrin Reichmuth, die mit ihrem Mann und den zwei Söhnen eine klassische Hofkäserei im jurassichen Le Fuet betreibt. «Wir verkäsen die 110'000 Liter unserer 20 Braunkühe direkt vor Ort.» Rund zehn Spezialitäten, vom Rahmkäse über Brie bis zum «Seppli» halten sie und der eine Sohn Michel jeden Samstag auf dem Solothurner Märet feil, dazu Ziegen- und Schafkäse, gekäst aus zugekaufter Milch. «Solothurn ist ein wichtiges Standbein für uns.» Denn Reichmuths vermarkten ihren Käse direkt an Restaurants und kleine Läden. Der Märet werfe immer noch mehr ab als der Chästag, «aber er wird immer besser. Denn hier gibts zunehmend ein Publikum, das auch Käse kauft», freut sich Kathrin Reichmuth über das eher kühle Wetter - «dann müssen die Leute nicht gleich mit der gekauften Ware heimspringen.»

Solothurner Chästag 2019

Solothurner Chästag 2019

Die Greyerzer Produzenten aus dem Thal

Ebenfalls ein Stammgast am Chästag ist Josef Fluri, Geschäftsleiter der Käserei Reckenkien in Mümliswil, die seinem Partner Hansjörg Stoll gehört. "Frauen-Power, der ist rezenter", berät er sein lachende Kundschaft. In der Prisongasse bietet die Thaler Käserei, eine von noch zweien im Kanton, neben ihrem Aushängeschild, dem «Passwang-Mutschli», etliche Spezialitäten mit besonderen Namen an. Zu «Frauen-Power» gesellt sich etwa der «Mannechäs» oder der «Hoselupf.» Doch daneben haben die Mümliswiler noch ein Privileg: Sie sind einer der acht Schweizer Satellitenbetriebe, die Gruyere AOP ausserhalb der Ursprungsregion herstellen dürfen. "Natürlich müssen wir dafür die strengen AOP-Regeln einhalten", erklärt dazu Fluri.

Die Käseregion Bucheggberg

Eine eigene Hausmacht stellt am Chästag der Bucheggberg dar. Der Verein Pro Buechibärg präsentiert seine Tourismusattraktionen, das Bucheggberger Bier ist mit einem eigenen Wagen vertreten, und gleich vorne am Rossmarktplatz wird am Stand von Hansueli Schluep aus Nennigkofen der Bucheggberger Schlosskäse angeboten. Seit den Anfängen immer am Chästag vorbei, werden hier viele Produkte aus der zweiten, noch bestehenden Käserei im Kanton bezogen: In Kyburg-Buchegg ist die Jakob Käse AG zuhause. Mit Milch aus der Käsereigenossenschaft Utzenstorf stellt Marc Jakob seine Halbhart- und Hartkäsespezialitäten her. Auch für ihn ist der Märet in Solothurn wichtig: «Seit drei Jahren sind wir jetzt dort präsent.» Wieviel Käse er produziert? Jakob diplomatisch: «Das kommt auf die Tagesform an.» Aber: "Das Käsen macht immer mehr Spass.»

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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