FC Post
Jürg Moor: «Solothurn kommt nicht um eine Sportfachstelle herum»

Vereinspräsident Jürg Moor über Platzprobleme, Ambitionen und Visionen und den Draht zu den Behörden.

Hans Peter Schläfli
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Jürg Moor, Präsident FC Post: «Es sind schon extrem viele Vereine im Mittleren Brühl, aber wir kommen gut aneinander vorbei.»

Jürg Moor, Präsident FC Post: «Es sind schon extrem viele Vereine im Mittleren Brühl, aber wir kommen gut aneinander vorbei.»

Hans Peter Schläfli

Wer Post sagt, meint Moor: Der heutige Präsident Jürg Moor, 49-jähriger Familienvater, wurde schon als kleiner Knirps ins Mittlere Brühl mitgenommen – weil damals sein Vater Peter Moor während 30 Jahren Präsident des FC Post Solothurn war. «Es gab nur ein Spielfeld hier und am Samstagmorgen holten wir in Selzach das Sagmehl, um den Platz für den Match zu zeichnen», erinnert er sich. Erst später kamen Blustavia, dann CIS Solettese und die weiteren Vereine dazu, die das Mittleren Brühl zu einem Multikulti-Fussballplatz machen. «Es sind schon extrem viele Vereine, aber wir kommen gut aneinander vorbei.»

Im vergangenen Wahlkampf um das Stadtpräsidium wurde die «Sportstadt Solothurn» thematisiert und Moor würde sich freuen, wenn sich «seine» Stadt – er wohnt mittlerweile in Riedholz – in diese Richtung bewegen könnte. «Es wurde lange viel zu wenig für den Fussball und für die anderen Sportvereine gemacht. Die Kultur wurde bevorzugt. Das Bewusstsein hat sich aber ein wenig gewandelt, seit sich einige Parteien mehr für den Sport einsetzen.»

Tröpfchenweise sei die Sportinfrastruktur weiterentwickelt worden. Der neue Kabinenbau, in den auch die Halle der Schwinger integriert wurde, habe für den FC Post eine spürbare Entlastung gebracht. «Wir Männer ziehen uns immer noch in den alten Kabinen im eigenen Klubhaus um, aber die Juniorinnen und die Frauenteams profitieren von den neuen, sehr schönen Umkleidekabinen. So müssen wir Männer auch nicht mehr warten, bis sich die Frauen fertig umgezogen haben.»

Der nächste grosse Schritt soll im kommenden Jahr mit dem Bau des Kunstrasenfeldes folgen, der bereits in den Finanzplan der Stadt aufgenommen wurde. «Bei schlechtem Wetter müssen sich manchmal bis zu acht Mannschaften den kleinen Ricotenplatz teilen, da ist natürlich nicht mehr an ein vernünftiges Training zu denken.» Doch der Post-Präsi befürchtet, dass es trotz Kunstrasen zu neuen Engpässen kommen wird. «Die Stadt will weitere Sportarten wie Rugby und Lacrosse ins Mittlere Brühl verlegen und wenn das so weitergeht, werden die bestehenden fünf Rasenplätze rasch wieder hoffnungslos überlastet sein.»

«Wir dürfen uns nicht beklagen»

Für Strom und Wasser muss der FC Post im eigenen Klubhaus selber aufkommen, er darf dafür aber auch sein eigenes kleines Beizli führen. Für den Platzunterhalt und die Benutzung der Spielfelder kassiere die Stadt happige Gebühren, sagt Jürg Moor. «Vor allen die Hallenmieten für das Wintertraining sind in Solothurn sehr teuer. Auf der anderen Seite erhalten wir pro Solothurner Junior, der bei uns trainiert, auch eine schöne finanzielle Unterstützung. Wenn wir alles zusammen betrachten, dürfen wir uns nicht beklagen. Die Stadt Solothurn ist recht kulant mit uns Fussballvereinen.»

Um sich das Label Sportstadt zu verdienen, seien weitere Verbesserungen nötig. «Der FC Post kommt mit der jetzigen Sportkommission gut zurecht. Aber über kurz oder lang führt kein Weg an einer professionell organisierten Sportfachstelle vorbei. Diesem Thema müsste sich die Stadt in der nun beginnenden Legislaturperiode widmen.»

Mit Ehrgeiz zum Ziel

Sportlich sei Post in der dritten Liga am richtigen Ort. «Wenn die erste Mannschaft höhere Ziele in Angriff nehmen will, dann ist das richtig so. Sie soll ehrgeizig sein. Und sollten wir tatsächlich einmal die Aufstiegsspiele erreichen, dann wäre das natürlich für den ganzen Verein eine tolle Sache.»

In drei Jahren, nach dem 75. Geburtstag des Vereins, will Jürg Moor nach runden 20 Jahren als Präsident zurücktreten. Für die fernere Zukunft formuliert er bereits heute eine idyllische Vision: «Ich möchte, dass du als fünfjähriger Junior zu Post kommen kannst und es bei uns immer die richtige Mannschaft für dich gibt, bis du vielleicht als 60-jähriger Superveteran entscheidest, dass du nun lieber nur noch am Stammtisch sitzen und mit uns ein Bierchen trinken willst», sagt Jürg Moor.

Sportstadt Solothurn

In unserer Sommerserie «Sportstadt Solothurn» beleuchten wir verschiedene Stadtvereine und zeigen ihre Anliegen auf. Dies nicht zuletzt auch im Hinblick auf den jüngsten Wahlkampf ums Stadtpräsidium, in dem der Sport breit thematisiert worden ist.

Der FC Post Solothurn ist einer von insgesamt neun Fussballvereinen, die es in der Stadt gibt. Rund dreihundert Mitglieder zählt Post, wovon mehr als die Hälfte Junioren sind, die im Team Brühl, einer Spielgemeinschaft mit Blustavia Solothurn, ihrem Hobby frönen. Das Jahresbudget des FC Post Solothurn beläuft sich auf knapp 80 000 Franken. (hps)

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