Steht es nun am Anfang oder Ende der HESO-Route, das «Kultuhrwerkzelt»? Gemäss Fachstellenleiter Marcus Casutt und Mitarbeiter Marco Setz der Jugendförderung Kanton Solothurn, befindet es sich heuer klar am Anfang: «Die Besucherzahlen voriger Jahre waren insofern problematisch, als dass wir jeweils das hinterste Zelt haben. Doch heuer verzeichnen wir auf einmal viel mehr Leute als sonst», so Casutt. Ergo: Das Angebot, das die Jugendförderung zusammen mit dem Verein Kultuhrwerk zum dritten Mal durchführt, ist zur bekannten Tradition geworden.

Der Vielfalt eine Plattform bieten

Im Rahmen der HESO-Präsenz ginge es nicht grundsätzlich darum, sich als Institution Jugendförderung in den Vordergrund zu rücken, so Setz: «Vor allem wollen wir Jugendorganisationen und -projekten eine Plattform bieten.» Primär sollen Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren profitieren. «Offen ist das Zelt jedoch für alle – auch für Eltern.» Ausserdem sei das Zelt eher als Freizeitangebot gedacht als für jugendpolitische Diskurse, so Casutt.

So sind im «Kultuhrwerkzelt» Kinder und Jugendliche im positiven Sinne Wiederholungstäter: «Solche, die bereits am ersten Tag vorbeigeschaut haben, kommen während der HESO mehrmals wieder vorbei. Gerade das Balancieren auf dem Gurtseil ist ein Besuchermagnet: «Das Slacklining des Roten Kreuzes kommt bei Jugendlichen so gut an, dass sie mehrmals wiederkommen», bestätigt Setz.

Farbenpracht aus Spraydosen

Sonst erinnert das bunte Treiben im Zelt an ein Künstleratelier. Das Programmangebot ist auf gestalterische Tätigkeit ausgelegt. Beim Spraypainting wird Farbe aus Dosen nicht auf Wände versprüht, sondern auf Karton – zum Nachhausenehmen. Und so erklärt Philipp Kälin, der ein Geschäft mit Spraydosen unterhält: «Hier holt man sich keine Inspirationen von aussen, sondern lässt sich überraschen, was rauskommt.» Dabei gibt es bereits siebenjährige «Picassos», die Verblüffendes schaffen.

Auch beim «Pinselfechten» wird Jugendkunst geschaffen. Denn so nennt sich eine Gruppe mit einer Handvoll Jugendlicher und junger Erwachsener, die das Zeichnen und Malen neu entdeckt hat und bei dieser Gelegenheit neue Talente sucht. «Mit unserer Tätigkeit möchten wir uns der Öffentlichkeit näher vorstellen», sagt Philippe Zürcher, einer der Mitbegründer von «Pinselfechten». «Wir bieten den Jungs viel Platz, da ihr Schaffen auch optisch was hergibt», erläutert Setz zu.

Zwangsfreier Raum für Junge

Im weiteren spielerischen oder informativen Angebot – zum Teil mit Workshops – präsentieren sich auch die Pro Juventute, das Blaue Kreuz oder die reformierte Jugendarbeit PlugIn2 dem HESO-Publikum. Insgesamt ist das Angebot auf Niederschwelligkeit angelegt: «Wir setzen hier keine Zwänge auf. Jeder tut, was er gerne möchte», so Setz.

Zwangsfrei sind auch die Abende im Zelt. Fünfmal das Tanzbein schwingen ab 16 ist angesagt. Eine positive Zwischenbilanz zieht Chrigu Stuber vom Verein «Kultuhrwerk»: «Dieses Wochenende verlief sehr friedlich und was in Zeltnähe passierte, hatten wir unter Kontrolle.» Auch in Sachen Alkohol griff man auf bewährte Strategien zurück. Beim Alkoholtestprogramm von Poinzz punkteten zwei Drittel der anwesenden Jugendlichen mit unter 0,3 Promille. «Und natürlich werden bei uns Spirituosen gar nicht angeboten», doppelt Stuber nach. Dafür habe es auch alkoholfreie Drinks auf der Karte.

Die Regengüsse am Wochenende seien vorteilhaft gewesen und habe Partyvolk in die Zelte getrieben: «Wenn die Jungen nicht ‹auf der Gasse› rumhängen, haben wir unser Ziel erreicht.» Denn Stuber ist überzeugt: «Jugendliche zwischen 16 und 18 würden auch ohne unser Angebot an der HESO rumhängen – dann aber mit einem Bierli irgendwo auf einer Parkbank, nur weil sie woanders aus Altersgründen nicht hineinkommen.»