Freitagsgalerie

Junge Künstler wie Onur Dinc haben heute Follower

Dieses grossformatige Bild «Stillstand» zieht sicherlich die grösste Aufmerksamkeit auf sich. Es zeigt ein edles Frauengesicht, medusenartig, in den Farben eines TV-Standbildes gemalt.

Dieses grossformatige Bild «Stillstand» zieht sicherlich die grösste Aufmerksamkeit auf sich. Es zeigt ein edles Frauengesicht, medusenartig, in den Farben eines TV-Standbildes gemalt.

Onur Dinc stellt bei Rolf Imhof in der Freitagsgalerie drei Arbeiten aus – und macht sich bereit für die Art Basel Miami.

Seit 40 Jahren sind in der kleinen Freitagsgalerie vorwiegend Schweizer Avantgarde-Künstler zu sehen. Rolf Imhof, der Galerist und Künstler, ist mit vielen von ihnen auch befreundet. Die Liste «seiner» Künstler liest sich denn auch wie das «who is who» der Schweizer Kunst seit 1970. «Ich habe schon immer eine besondere Freude gehabt, wenn sich die Künstler, die bei mir zum ersten Mal ausstellen konnten, später erfolgreich wurden», lacht Imhof. Eine Art Sprungbrett ist also seine kleine, feine Freitagsgalerie.

Und so hat Imhof auch schon seit einigen Jahren den türkisch-stämmigen Künstler Onur Dinc (*1979) beobachtet. «Ich bin beeindruckt, mit welcher Konsequenz der in Zuchwil geborene Dinc seine Arbeit durchzieht.»

Symbolhafte Bewältigung

In der Freitagsgalerie sind von Onur Dinc lediglich drei Arbeiten zu sehen. Die grösste Aufmerksamkeit zieht sicher das grossformatige Bild «Stillstand» auf sich. Ein edles Frauengesicht, medusenartig, in den Farben eines TV-Standbildes gemalt. Daneben steht eine kleine Skulptur: Ein Kopf, aus dessen Hirn ein Haus ragt. An der Wand hängt ein Bild ganz in Schwarz. Erst bei näherem Betrachten aus unterschiedlichen Blickwinkeln erkennt man, dass auch hier wieder das Medusen-artige Frauengesicht zu sehen ist.

«Es sind Dinge, die mich beschäftigen, die ich symbolhaft in meinen Arbeiten zu bewältigen versuche», sagt Onur Dinc selbst. «Unser Medienkonsum, von dem wir uns verführen lassen und der uns schlussendlich sprachlos macht und zum Stillstehen bringt. Unser Hirn, das wir mit allerlei Unnützem füllen», spricht er die Themen an. «Es sind die Dinge, die Leute meiner Generation beschäftigen, die Mitt-Dreissiger», sagt er noch.

Dinc trägt mittels eines kleinen Rollers die Farben auf, hin und wieder brusht er zudem. Momentan hat Dinc gar nicht so viel Zeit, sich über seine bereits ausgeführten Arbeiten zu unterhalten, denn er ist am Packen für die Art Basel Miami Beach, zu welcher er Ende Woche reist. «Ich bin eingeladen, dort murale Kunst zu schaffen.»

Eine Riesenchance für ihn, wie er nicht ohne Stolz bekennt. Es seien etwa 40 Künstler aus der ganzen Welt dort, und das Ganze sei eine ganz andere Szene, als man dies im beschaulichen Solothurn kenne.

Generell meint Dinc, dass sich die Kunstszene heute ganz anders darstelle, als noch vor kurzem. «Künstler haben heute Follower im Facebook.» Jeder könnte ohne Galerist erfolgreich sein. Durch die virtuelle Vernetzung kennen ihn Kunstinteressierte aus der ganzen Welt. Seine fotorealistische Malerei, die sehr gesellschaftspessimistisch ist, kommt an.

Moderne Freskenmalerei

Vorwiegend bekannt wurde Dinc durch seine Arbeiten an Wänden. «In der Schweiz ist diese Art von Kunst immer noch als Graffiti verpönt, doch es gibt Städte im Ausland, die sich mit solchen Kunstwerken profilieren.» Rund sechs- bis siebenmal im Jahr könne er irgendwo auf der Welt ein solches «murales» Kunstwerk realisieren, erzählt er noch. «Mehr geht nicht, denn das Ganze ist schon rein körperlich eine sehr anstrengende Arbeit. Ganz zu schweigen von der Logistik, die jeweils dahinter steckt.» Dinc bezeichnet diese Kunst denn auch als moderne Fresko-Malerei.

Dennoch – den Mikrokosmos Solothurn zu verlassen und sich irgendwo in der Welt eine Bleibe zu suchen, das wolle er nicht. «Es ist wohl so etwas wie eine Hass-Liebe, die mich mit Solothurn verbindet», sagt er und setzt hinzu: «Ich bin mir nicht sicher, ob ich irgendwo in der Welt so gute Freunde finden würde, wie ich sie hier habe.»

Freitagsgalerie Solothurn. Bis 18. Dez. jeweils Freitag 19–21 Uhr.

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