Schauspiel-Talente
Junge Film-Talente zwischen Casting und Coaching

Die Schauspieler-Dichte ist naturgemäss an den Solothurner Filmtagen hoch. Und an der Veranstaltung am Dienstagabend im Uferbau war sie um ein Vielfaches noch höher. Es diskutierten Casting-Expertinnen und der Schweizer Filmnachwuchs.

Fränzi Rütti-Saner
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Acht junge Filmtalente werden von Hanspeter Müller-Droosaart vorgestellt. Auch Steffi Friis (M.) beim Gespräch mit dem älteren Kollegen.

Acht junge Filmtalente werden von Hanspeter Müller-Droosaart vorgestellt. Auch Steffi Friis (M.) beim Gespräch mit dem älteren Kollegen.

hba

Grund dafür war eine Podiumsdiskussion zum Thema Casting und Coaching von Schauspielern und die Vorstellung der DVD «Junge Talente.ch». Junge Schweizer Schauspieltalente haben es einfach - doch auch wieder nicht. Sehr klein und überschaubar ist die Szene. Man kennt sich, man weiss, wer mit wem und warum.

Nötig ist es deshalb, sich bei den richtigen Leuten vorzustellen; über das richtige Netzwerk zu verfügen. Schwierig ist es dabei aber, nicht in eine Schublade gesteckt zu werden. Und besonders wichtig ist es auch, mehrsprachig zu sein. Denn wer kennt in der welschen Schweiz schon einen Beat Schlatter, beispielsweise.

Vier Szenen im Hotel-Ambiente

«Focal»st die Schweizerische Organisation für Weiterbildung im Film und Audiovisionbereich, welche eng mit Castings-Expertinnen und -Experten zusammenarbeitet. Um den jungen Talenten eine Art Präsentationsplattform zu geben, wird jährlich mit hoffnungsvollen Jung-Schauspielern ein kleinerer Episoden-Film realisiert. Bereits zum sechsten Mal wurde nun mit acht Schauspielerinnen und Schauspielern und mit vier Regisseuren in vier Szenen ein unterhaltsamer Film geschaffen.

Unter den Protagonistinnen ist diesmal auch die Solothurnerin Steffi Friis. Das Filmchen wurde im Zürcher Hotel Renaissance gedreht und jede der vier Szenen spielt im Hotel-Umfeld. Gäste und Angestellte mit ihren Sorgen und Nöten. Das Schweizer Schauspiel-Urgestein Hanspeter Müller-Droosaart und die Schauspielerin Patricia Mollet-Mercier stellten die jungen Talente auf der Uferbau-Bühne dem Publikum kurz vor, bevor dann der gut 20-minütige Promo-Film eingespielt wurde.

Die vorgestellten Jungtalente sind Lisa Maria Bärenbold, Raphael Tschudi, Emmanuelle Reymond, Jenna Hasse, Marc Andres Haller, Diego Brentano, Lorenz Baumgarten und wie bereits erwähnt, Steffi Friis. Sie alle stehen noch in Ausbildungen, an unterschiedlichsten Schulen oder Theatern in ganz Europa. So reist Steffi Friis bald nach Dänemark, wo sie ihre Schauspiel-Ausbildung weiterführt.

«Vorstell»-Film lohnt sich

Nach dem Film war es an den Casting- und Coaching-Damen Lisa Olah, Corinna Glaus, Susan Müller und Lena Lessing, mit Gespächsleiterin Gabriela Kasperski und Schauspieler Müller-Droosaart, über das Schweizer Casting- und Coachingwesen zu diskutieren. Bis heute habe sich die Produktion eines solchen «Vorstell»-Filmes für die jungen Talente gelohnt, erklärte beispielsweise Corinna Glaus.

Sie besitzt ein Casting-Unternehmen in Zürich und kennt die Schweizer Filmbranche seit Jahren. «In der Schweiz, wo die Szene klein ist, läuft man Gefahr, die Filme mit immer den gleichen Gesichtern zu besetzen», ortete sie ein Problem. Deshalb sei es wichtig, immer wieder Castings durchzuführen - auch für arrivierte Darsteller.

In Europa sei es in der Regel so, dass ein Casting-Unternehmen schriftliche Unterlagen der Schauspieler zu Rate zöge, wenn eine Filmrolle zu besetzen sei. In England und Amerika existieren viel öfter die sogenannten «offenen Castings», in denen die Schauspieler von sich aus vorsprechen», erzählte die Österreicherin Lisa Olah. «Immer öfter wird aber auch bei uns das angelsächsische Modell angewendet.»

Auf der Blumenwiese

«Als ich anfing, gab es überhaupt so etwas wie ein Casting nicht», meinte Hanspeter Müller-Droosaart. «Die Film-Produzenten und -Regisseure kamen ins Theater und sahen einem dort zu. Man wurde auf diese Weise engagiert oder eben nicht.» Heute laufe alles über Agenturen, meinte er.

«Bist Du bei der richtigen Agentur, wirst Du zum Casting eingeladen oder halt gar besetzt.» Dagegen wehrten sich die Casting-Unternehmerinnen. «Das stimmt so nicht», sagte Susan Müller. «Wir suchen nach dem richtigen Schauspieler und nicht nach der richtigen Agentur.» Müller-Droosaart erwiderte: «Casting ist wie Blumenpflücken. Je nach Film ist Pflückzeit.»

Ob es denn viele Castings in der Schweiz gebe, wollte Gesprächsleiterin Gabriele Kasperski wissen. «Ich war dieses Jahr an einem und wurde auch genommen», so Müller-Droosaart. In der Schweiz sei es aber so, dass ein vermeintlich viel beschäftigter Schauspieler nie nur von seinen Filmrollen leben könne. Die Casting-Damen plädierten zu mehr Castings und entsprechendem Coaching - auch für Regisseure.