53. Solothurner Filmtage
«Jugend ohne Gott» als Teeniesoap? Das sagen Schüler zur Verfilmung des Psychothrillers

Die Solothurner Filmtage offerieren in der Reithalle Filme für Primar- und Oberstufenschüler. Am Freitagmorgen sahen Oberstufenklassen aus Solothurn und Umgebung den Psychothriller «Jugend ohne Gott» von Alain Gsponer.

Christian Murer
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Total gebannt verfolgen die Schüler der Oberstufe Alain Gsponers Film «Jugend ohne Gott» nach Ödön von Horvath.

Total gebannt verfolgen die Schüler der Oberstufe Alain Gsponers Film «Jugend ohne Gott» nach Ödön von Horvath.

Hanspeter Bärtschi

Einmal mehr offerieren die Solothurner Filmtage in der Reithalle Filme für Primar- und Oberstufenschüler. Am Freitagmorgen sahen Oberstufenklassen aus Solothurn und Umgebung den Psychothriller «Jugend ohne Gott» von Alain Gsponer.

Das Thema des Films «Jugend ohne Gott» ist nach wie vor topaktuell. So zeigt der Filmemacher Alain Gsponer (Heidi) eine freie Neuinterpretation des im Jahre 1937 erschienenen Romans von Ödön von Horváth. Der österreichisch-ungarische Schriftsteller entlarvt darin eine Zweiklassen-Gesellschaft in einer nicht allzu fernen Zukunft, die von einem brutalen Leistungsgedanken beherrscht wird. Statt Weniger-Erfolgreiche, das heisst auch wirtschaftlich Schwache zu unterstützen, werden sie von den Eliteschulen ausgeschlossen und gar in erbärmlichen Quartieren isoliert.

Mit Drohnen überwacht

Zum Inhalt des Films: Der Held der Geschichte, der talentierte und grüblerische Zach, Sohn reicher Eltern, trauert um seinen Vater, der Suizid begangen hat. Deshalb darf er sogar als einziger ein Tagebuch führen. Widerwillig macht er sich also auf ins Hochleistungs-Camp der Abschlussklasse. In der alpinen Umgebung kämpfen die Jugendlichen in vor allem körperlich herausfordernden Prüfungen um Plätze an einer der exklusivsten Universitäten der Welt.

Künftige Entscheidungsträger werden in der Natur ausgesetzt. Zur totalen Kontrolle implantiert man ihnen winzige Sender. Stets werden ihre Daten aufgezeichnet. Drohnen überwachten den Alltag im Camp. Die Psychologin Loreen führt in diesem Lager ein nallhartes Regime. Handys und andere Unterhaltungselektronik werden den Zöglingen abgenommen. Im Gegensatz zu seinen Kumpels hatt Zach kein Interesse daran, in die renommierte Rowald-Universität aufgenommen zu werden. Das passt dem sensiblen Unangepassten überhaupt nicht.

Statt sich mit den anderen Bewerbern dem brutalen Wettbewerb zu stellen, schreibt er lieber Tagebuch. Dies fasziniert die ehrgeizige Nadesh, obschon sie selber unbedingt regelkonform ihre Topleistung erbringen will. Doch anstatt von Nadesh fühlt sich Zach von der geheimnisvollen Ewa angezogen.

Sie lebt im Wald mit anderen Randständigen und hält sich mit Diebstählen über Wasser. Als Zachs Tagebuch verschwindet, ein Mitschüler bei einer gefährlichen Übung verunfallt und ein Mord geschieht, scheint der fragile Zusammenhalt der jugendlichen Elite an sich selbst zu zerbrechen. Nur der vermeintlich moralisch integre Lehrer versucht zu helfen, aber dafür ist es schon zu spät.

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