CD-Taufe

Jüngstes Solothurner Kulturgut bei feierlichem Konzert getauft

Supersiech in Spiellaune: (v.l.) Lee Bohnenblust, Dülü Dubach, Tobee Knuchel und Michael Leuenberger.

Supersiech in Spiellaune: (v.l.) Lee Bohnenblust, Dülü Dubach, Tobee Knuchel und Michael Leuenberger.

Dülü Dubach und Supersiech überzeugten beim Konzert im «Kreuz» mit Spiellaune. Die zahlreich erschienen Zuschauer zeigten sich begeistert über das Dargebotene und forderten lautstark eine Zugabe.

«Wir sind bereit, ein neues ‹Schibli› zu taufen.» Dülü Dubach, Leadaänger der Solothurner Band Supersiech, durfte am Freitag ein bunt durchmischtes Publikum zur Taufe des neusten Werks «Grännisiech» im «Kreuz» begrüssen und gestand: «Wir sind schon etwas aufgeregt.» Die Atmosphäre im Saal aber war gemütlich – passend zu der Musik von Supersiech. Viel mehr Eindeutiges über die Stilrichtung kann nicht gesagt werden, denn die Band lässt sich – auch unter Gewaltanwendung – nicht in eine Schublade zwängen.

Auf der CD «Grännisiech» präsentieren sie Stücke, die zum Mitsingen und Mittanzen animieren, die den Zuhörer zum Nachdenken und Lachen bringen; die Songs entführen in die USA, nach Frankreich und in Fantasiewelten zu verzauberten Ziegen. Da sind vor allem Mundartstücke wie das namensgebende «Grännisiech» aber auch französische Tänze und Cover-Versionen von Tom Waits. «Ich weiss nicht, ob er es mag, wenn wir ihn spielen, aber wir mögen es, ihn zu spielen», so Dülü lachend, bevor er mit einer plötzlich sehr rauchigen Stimme «Make It Rain» vorträgt.

«Wir sind Supersiech!»

Auch wenn der Leadaänger und Liedermacher stets etwas im Vordergrund steht, betont er: «Wir sind nicht Dülü Dubach und Band. Wir sind Supersiech!» Die einzigartige Mischung in der Musik von Supersiech könnte auch gar nicht von einer einzigen Person ausgehen. So besteht die Band neben Dülü, der singt und Akkordeon spielt, aus Lee Bohnenblust, der mit Saxofon, Klarinette und Gitarre in ungezwungener Leichtigkeit umgeht. Am Schlagzeug und Perkussion brilliert Tobee Knuchel und last, but not least zeigt Michael Leuenberger eindrücklich, dass er Kontrabass und Perkussion in einem Instrument verbinden kann. In dieser Zusammenstellung kommen Einflüsse aus unzähligen Richtungen zusammen und es entsteht Musik, die Lebensfreude ausstrahlt und dennoch anspruchsvoll und durchaus gesellschaftskritisch daherkommt.

Stehen Supersiech auf der Bühne, erwarten das Publikum zudem immer wieder Überraschungen. Sei das ein plötzliches Freezing, ein akustisch abwechslungsreiches Perkussions-Duett zwischen Tobee Knuchel und Michael Leuenberger oder ein «Köntri»-Stück, das sich als Supersiech-typische Version der Country-Ballade «No No Never» von Texas Lightning entpuppt. Auch wenn sich letzteres nicht auf der CD befindet, strotzt «Grännisiech» vor Klangerlebnissen, die vielfältig, nicht einzuordnen und dennoch sofort mitreissend sind und im Ohr haften bleiben, weil sie letztlich von alltäglichen Dingen erzählen. Und als ob das alles nicht genug wäre, wurde bei der Ausarbeitung der CD sogar an die visuellen Ansprüche der Supersiech-Hörer gedacht. Reinhard «Hardy» Fluri aus Halten ist es gelungen, die Stücke von Supersiech zu visualisieren, und er hat ein witziges und schräges Coverbild kreiert, das grossen Wiedererkennungswert aufweist.

Streitobjekt «vo vorgeschter»

Doch zurück zum Konzert: Um das Verlangen des Publikums nach Zugaben zu befriedigen, gaben Supersiech am Ende noch einige Stücke aus dem Album «Gäng mues eine schnore» zum Besten. Ohne politische Diskussionen anzetteln zu wollen, trugen sie «Sässelilift» vor, ein Plädoyer für das solothurnische Streitobjekt «vo vorgeschter» aus der Sicht eines «sentimentale Löu», das beim Publikum Begeisterungsstürme auslöste. Diese gingen in ein bewunderndes Schweigen über, als die vier Supersieche zum Schluss die Akustikversion eines Tanzes vortrugen und noch einmal deutlich bewiesen, dass sie alles andere als «Grännisieche» sind.

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