Als wäre der desolate Hallenzustand nicht genug, um das CIS als Sorgenkind unter den Sportanlagen zu bezeichnen: Nun verliert das Sorgenkind auch noch seinen Pächter, der nach Ansicht vieler Hallennutzer den Betrieb unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten hat: Rainer Gilgs Vertrag wurde von der Eigentümerin per Ende August gekündigt. Weder war der CIS-Geschäftsführer für eine Stellungnahme erreichbar (seine SMS-Meldung: «Ich bin im Ausland»), noch gab die Besitzerin CIS Solothurn AG Auskünfte über Gründe und Konsequenzen.

Der Thuner Architekt Mabrouk Hamdani als einziger Verwaltungsrat hat auf Anfrage angekündigt, in den nächsten Tagen über die Zukunft des Sportcenters informieren zu wollen. Gemäss zuverlässigen Quellen beabsichtigt die Besitzerin, den Betrieb selbst weiterzuführen respektive einem neuen Pächter anzuvertrauen. Unbestätigt bleibt die Meldung, wonach alle Mitarbeitenden Gilgs mit der Pachtkündigung ihre Anstellung verlieren.

Lange Mängelliste

Mit Gilgs Weggang verlieren die Nutzer ihren Ansprechpartner. Dazu zählen auch die Handballer des TV Solothurn, die mit dem Aufstieg in die Nationalliga B wieder auf erhöhtem Boden stehen. Etwas ungemütlicher ist hingegen der Boden, auf dem sie physisch ihre Trainings und Spiele abhalten: Unebenheiten, defekte Bodenhülsen oder mit Klebeband geflickte Stellen. In früheren Saisons drang Regenwasser durchs Bogendach ein. Die Mängelliste der Nutzer nimmt kein Ende.

Insbesondere für den TV Solothurn wird es nun eng, befürchtet auch Präsident Stefan Blaser. «Die Halle ist beim Verband quasi auf der Schwarzen Liste» und werde nur provisorisch für Matchs freigegeben. «Wir steigen jetzt in die Saison ein, ob wir hier aber weiter spielen dürfen, ist fraglich.» Auch bei den Garderoben und Sanitäreinrichtungen sieht er schwarz: Vieles sei «mit dem Pinsel» notdürftig saniert worden. «Und viele der jungen Spieler duschen nach wie vor nicht, weil es sie ekelt.» Zwar sei mit viel Chemie der Schimmel entfernt worden, «doch das ist Pflästerlipolitik». Eine Ausweichmöglichkeit in der Nähe gibt es nicht für die Handballer: «Die nächste Halle wäre in Kirchberg oder Olten. Aber das können wir unseren mehr als 300 treuen Fans aus der Region und auch den Sponsoren nicht zumuten.»

Rahel Eckert-Stauber, Medienbeauftragte des Berufsbildungszentrum Solothurn-Grenchen, blickt in Sachen Lehrlingsturnen ebenso steigenden Anforderungen entgegen: «Ab Sommer wird der Turnunterricht weiter heraufgefahren, womit die Halle noch mehr genutzt wird. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Infrastruktur in einem guten Zustand ist und Sicherheit und Hygiene gewährleistet werden.»

Die Krux: Will man die dringenden Sanierungspunkte angehen, so sind Investitionen in Millionenhöhe nötig. Allerdings wurden bislang nur kleineren Mängel behoben, wozu besagte Schimmelentfernung zählt. Ausserdem wurde die Lüftung in Ordnung gebracht. Bis Ende Sommer sollen zudem die Bodenhülsen saniert sein. «Mit der CIS Solothurn AG haben wir in einer Mietschlichtung verhandelt und sie hat erste Mängel behoben», informiert Christine Krattiger, Leiterin des Rechts- und Personaldienstes Stadt Solothurn.

Zur Erinnerung: Ab Januar waren die Mietzinse, die die Stadt für ihre Vereine sowie der Kanton fürs Lehrlingsturnen ans CIS entrichten, auf ein Sperrkonto eingezahlt worden, damit mit diesen Mitteln erste Sanierungen angegangen würden. «Der Mietzins darf nur zurückgehalten werden, wenn Mängel dies rechtfertigen», erklärt Krattiger. Aktuell sei nach Behebung der besagten ersten Mängel nur noch ein Teilbetrag der Jahresmiete von gesamthaft 180 000 Franken gesperrt. Seitens Kanton beträgt der Mietbetrag rund 130 000 Franken.

Lösung bleibt noch immer aus

Im Dezember hatte die Besitzerin die Absicht angekündigt, das von der Stadt als Grundeigentümerin vergebene Baurecht zu verkaufen. Gespräche für eine bestmögliche Lösung für alle Parteien seien im Gange, hiess es damals. Doch Klarheit lässt auch ein halbes Jahr später auf sich warten.

Stefan Blaser vom TV Solothurn würde sich wünschen, dass die CIS-Halle «auf gesunde Beine» gestellt wird. Dazu hat er zusammen mit anderen Akteuren in der Interessengemeinschaft «proCIS» Einsitz, die sich um Lösungen für das CIS-Problem bemüht. Indes übt Blaser aber Kritik an der Stadt: «Sie hat als Grundbesitzerin das ursprüngliche Baurecht verlängert, ohne eine Investitionsverpflichtung daran zu knüpfen.»

Wie Krattiger seitens Stadt informiert, dauert das Baurecht bis in die 2070-er-Jahre an. «Und ein vorzeitiger Heimfall an die Stadt steht zurzeit nicht im Vordergrund, auch wenn es die theoretische Möglichkeit dazu gäbe.»

Auch für den Kanton scheinen die Optionen ausgeschöpft zu sein, um Druck auf die CIS auszuüben: «Wir haben zahlreiche Mängelmeldungen verfasst und Mietbeträge gesperrt hinterlegt.», sagt Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli. Darüber hinaus sehe das Mietrecht aber kaum weitere Möglichkeiten vor.