Kulturfabrik Kofmehl
Jubiläums-Konzert der Partyband Vegetables – alles andere ist Beilage

Gemüse mit Posaunen und Trompeten – das stand am Freitagabend auf der «Speisekarte» im Kofmehl. Und der «Teller» war randvoll: Nicht weniger als 50 Musiker standen auf der Bühne.

Hans Peter Schläfli
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Unglaublich gesund fürs musikfreundliche Gehör: Die Incredible Vegetables sorgten im Kofmehl für gute Stimmung.

Unglaublich gesund fürs musikfreundliche Gehör: Die Incredible Vegetables sorgten im Kofmehl für gute Stimmung.

AZ

20 Jahre gibt es die Incredible Vegetables nun schon, und das Jubiläum feierte die Solothurner Partyband mit einem grossen Konzert zusammen mit dem Entertainment Orchestra Langendorf, auch schlicht Musikgesellschaft genannt.

Für einmal gabs kein «Pogo» oder «Headbanging» im Kofmehl, obwohl die Energie der Coversongs dazu durchaus geeignet gewesen wäre. Stattdessen wurde gelassen mitgesungen, zurückhaltend geschunkelt, und die Lieblingslieder wurden eher mit geschlossenen Augen und in Erinnerungen schwelgend genossen.

Das zum grossen Teil bereits in die zweite Lebenshälfte übergegangene Zielpublikum der Vegetables ist ja auch bekannt als die Generation, die mit angezogener Handbremse feiert.

Mit «Sweet Child O’ Mine» über «Twist and Shout» bis zu «Bedside Radio» rockten die Vegetables vor ihren über 300 Fans, die ihnen auch einen Ausreisser wie «Lauenensee» verziehen. Die Gastmusiker aus den zwanzig Partyjahren wechselten sich auf der Bühne munter ab.

Bunt gemischtes Publikum

Es gab im Publikum ein paar Ausnahmeerscheinungen: «Wir sind wegen Ändu hier», sagte einer von drei begeisterten, stark tätowierten Jünglingen mit Baseballkäppis, die das Durchschnittsalter ziemlich nach unten zogen. «Er ist der Posaunist da ganz links aussen. Wir sind Biker, und er unterstützt uns.»

Eher dem durchschnittlichen Besucher entsprach da Markus, Architekt aus Solothurn: «Ich kenne sowohl die Bandmitglieder als auch einige der Langendörfer Musiker und finde diese Kombination einfach toll», kommentierte er die Show, zu der er notabene seinen Sohn mitgenommen hatte.

Rock ’n’ Roll gespielt mit Tuba und Posaunen – das könnte an eine Guggenmusik erinnern, auch wenn das «Entertainment Orchestra Langendorf» nicht «schränzt», sondern die Töne auf Anhieb richtig trifft.

«Dieser Gefahr waren wir uns bewusst, weshalb ich die Bläser sparsam eingesetzt habe. Manchmal spielten sie nur wenige Akkorde», sagt Matt Stämpfli, der Orchesterdirigent, der deshalb auch sämtliche Arrangements der Stücke extra für diesen einen Auftritt umgeschrieben hatte.

Rockin’ on, solange es Spass macht

«Dieses Lied hatten wir in unserem allerersten Repertoire», sagte Bandleader Chris Rölli gegen Ende des Auftritts nach «The One I Love». «R.E.M. gibt es nicht mehr, The Incredible Vegetables leben noch.

Gibt das nicht Hoffnung?» Als die Rolling Stones 1982 zum 20. Geburtstag auf grosse Tour gingen, dachten alle, das sei das letzte Mal. Nun haben sie zum 50. Geburtstag ein neues Album herausgebracht. Gibt es die Vegetables also auch noch 30 weitere Jahre? Rölli hält sich bedeckt: «Wir spielen weiter, solange es Spass macht.»

Wann der nächste Auftritt der Vegetabels sein wird, ist noch offen. Das Entertainment Orchestra Langendorf spielt bereits wieder am 26. Januar im Konzertsaal Langendorf, dann mit Gastmusiker Fredy Steady.