Brasserie ist das Thema der Jahresabschlussaktivitäten im Haus der Kunst, denn das 10-jährige Bestehen der ehemaligen Klosterkirche als Kunstraum feiert seine besonderen Momente. Am 18. Mai 2002 war die Eröffnungsausstellung unter anderen mit Reto Emch. Jetzt ist Reto Emch Hausherr im Haus der Kunst und bietet für diesen Dezember etwas Spezielles: Brasserie trifft auf Kunst. An drei Wochenenden ist die Brasserie «Saint-Jo» geöffnet, es gibt in unkomplizierter Atmosphäre einfache französische Küche, an der Bar Wein und frisch geschnittene Charcuterie, während gleichzeitig wechselnde Kunstausstellungen (bis 23.12.) stattfinden. Und diese Kunst findet mit den Werken von Martin Reukauf, mit dem diese Ausstellungsserie startet, im wahrsten Sinne des Wortes statt. Denn der 1970 geborene Martin Reukauf, Künstler aus Uster, stellt im Haus der Kunst nach 2008 zum zweiten Mal aus, malt direkt im Wald, unmittelbar «plein air» und für diese Ausstellung auch in Solothurn.

Viele seiner Werke hier sind also frisch ab der Natur, das ausschliessliche Thema ist der Wald als rein malerische Auseinandersetzung mit Licht und Farbe. Dazu überträgt er die im Wald unmittelbar erlebten vielfältigen Situationen und Strukturen, die Grundstimmungen mit den wandelbaren Lichteinfällen und komplexen Reflexionen mit energischer Geste vor Ort auf die Leinwand, die er samt Farbpalette mit dem Velo in den Wald fährt. Da verdichten und vermengen sich kurze, heftige und pastöse Pinselstriche zu geheimnisvollem Unterholz und undurchdringlichem Walddickicht, zu verwachsenen Baumkronen und Gebüsch, Laubwerk und Geäst, zu Licht und Schatten im Farbenspiel von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, des Morgens und des Abends.

Norwegischer Künstler Thomas Pihl

Doch das, was sich in der Nähe zu energischen Farbtupfen und -flecken bis zur Abstraktion auflöst, sich als routinierte informelle Gestik zu erkennen gibt, formt aus der Distanz eine, wenn auch eher suggestiv begreifbare Idee von der Natur. Denn je weiter man sich von der wiedererkennbaren Wirklichkeit entfernt, um so realer wird die Natur. Die vorgefundenen Situationen werden universell und bestätigen die Malerei, die Farben in ihrer plastischen Materialität als subjektive visuelle Wahrnehmung.

Diesen kompakten Bildinhalten stehen Arbeiten des norwegischen Künstlers Thomas Pihl gegenüber, feinhäutige Monochromien mit den kaum wahrnehmbaren subtilen Schwingungen ihres Entstehungsprozesses. Auch bei Thomas Pihl, er hat im Frühjahr im Haus der Kunst ausgestellt, geht es um die sinnliche Wahrnehmung, wenn aus Licht und Farbe Bilder entstehen, die das Materielle der Pigmentfarben mit dem Immateriellen des Lichtes in Beziehung bringen. Die sanft-glatten Oberflächen laden zum Schauen und Verweilen ein und intervenieren mit ihren dezent nuancierten, wohltemperierten Farbklängen auf eine seltsam berührende Weise in diese bewegten Farbwelten.

Die Ausstellung Martin Reukauf und Thomas Pihl ist heute von 13–17 Uhr geöffnet. Die nächste Ausstellung im Rahmen des Brasserie-Betriebes bestreiten Marie-Therese Amici und John Beech vom 6.12.–9.12., der zweite Brasserie-Betrieb ist dann geöffnet ab Do, 6.12.–Sa, 8. 12., jeweils ab 18 Uhr und die Ausstellung Do–Sa 14–24 Uhr, So 13–17 Uhr. Der letzte Brasserie-Anlass findet von Do 13.12.–Sa 15.12., jeweils ab 18 Uhr, statt. Eine weitere Ausstellung ist unter anderem mit Zeichnungen von Pavel Schmidt geplant.