Die Linie, horizontal oder vertikal, als Grundstruktur, die rohe Leinwand als stoffliche Intervention und streng geometrisch sich gliedernde Farbmodulationen. Das ist die konkret-konstruktivistische Malerei der Niederländerin José Heerkens, die trotz aller Einfachheit des Bildaufbaus so einfach nicht ist.

Es sind einmal die Linien, die zuerst – als zeichnerischer Bezug – die Wahrnehmung einer räumlichen Gliederung der rohen Leinwand bestimmen; die Vertikale markiert das Raster der Bildentstehung, die Horizontale erweitert den Blick, lässt jedes Bild als Ausschnitt eines universellen Ganzen erahnen.

Aber letztendlich entwickelt die niederländische Künstlerin in diesen geometrischen Gerüsten eine reine Malerei. Von Quadrat zu Quadrat, von Rechteck zu Rechteck, immer in der Waagerechten wie eine Notenreihe oder Zeile, modifiziert sie die gedeckten Farben in feiner und feinster Nuancierung und sanften Kontrasten.

José Heerkens sucht «in jedem Gemälde nach dem balancierenden Dialog zwischen einer Linie und der Bewegung der Farbe». Darüber hinaus erweitert sie die malerische Bestimmung einer konkreten Thematik, ermöglicht so einen freien, unmittelbaren Zugang zu ihrem malerischen Anspruch: «In der Komplexität des Malprozesses suche ich nach Einfachheit und Klarheit», sagt sie. Ob der Pinselstrich vertikal oder horizontal gesetzt ist, ob die Farben sich vom lasierten zum verdichteten Effekt, von verdichtet zu transparent aufbauen, ihre streng konzipierten Bilder eröffnen aus kompositorischen Rhythmen eine kontemplative Atmosphäre. «The quest», die Frage, titelt José Heerkens diese Schau und zeigt, dass jedes Bild der Fragestellung nach Konzept und Empfindung unterliegt.