Der Soundcheck steht an, letzte Lichteinstellungen werden geprüft. Dem Ton wird der letzte Schliff verpasst. Die Tontechniker versuchen, das Optimum zu erzielen. Die Songs werden in der Raumbar kurz angespielt. Bei manchen Songs wird noch etwas gefeilt an der Technik. Schliesslich soll am heutigen Abend alles perfekt funktionieren. Ein grosser der Schweizerischen Rap-Szene gibt sein Konzert im Kofmehl: Mimiks, der erst kürzlich mit seinem Album Platz eins in den Charts belegte.

Doch noch einer dürfte heute Abend einen Auftritt absolvieren, der mindestens für ihn selber unvergesslich sein wird: Johnny Trash alias Johnny Sollberger hat zwar schon Bühnenerfahrung mit seiner Band Fractura gesammelt. Er steht aber zum ersten Mal alleine auf der Bühne. «Ich bin schon die ganze Woche aufgeregt und habe mich wie ein kleines Kind auf den heutigen Tag gefreut», gesteht er. Seine Kollegen werden ihn als Zuschauer begleiten und unterstützen.

Lust auf HipHop

Der Soundcheck für Mimiks ist vollendet, danach folgt sein eigener. Wenn man ihm zuhört, merkt man es: Dieser Mann hat es drauf. Der Text sprudelt wasserfallartig aus seinem Mund. Angst hat er aber nicht vor einem allfälligen Textpatzer. «Mein Worst-Case-Szenario ist eher, dass die Technik ausfällt, und wir nicht mehr weiter spielen können». Weiter man fragt sich als Zuhörer: «Wie prügelt er diese grosse Textmenge in seinen Kopf?» Dafür gibt es einen Grund. Sollberger spielt nämlich auch im Theater Mausefalle in Zuchwil. Trotz des schnellen Tempos ist jede gesprochene Silbe klar verständlich.

(Quelle: youtube/JM solutions)

Johnny Trash - Trailer zu The Rhyme

Auch in Sache Gesang lässt sich nichts bemängeln. Kein Wunder, schon seit langer Zeit ist er auch Mitglied der Solothurner Singknaben. Warum er neben dem Theater, der Band und den Singknaben jetzt auch noch rappt, erklärt er gleich selber in einem seiner Songs: «I ha Luscht uf Hip-Hop gha!», wiederholt er mehrmals. Die Texte der Songs stammen aus der eigenen Feder.

Schon lange habe er sie auf dem Laptop gespeichert gehabt, aber nichts damit angefangen. «Ich dachte immer: das wird eh nichts!». Wie sich die Situation doch noch änderte, kann er sich selber nicht ganz erklären: «Es ist einfach so passiert», erklärt der 21-jährige.

Johnny Trash - Muetter

Johnny Trash - Muetter

In der Kulturfabrik Kofmehl, wo er seine KV-Ausbildung absolviert, stiess der ausgebildete Detailhandelsfachmann auf die richtigen Leute, die ihn unterstützten und aufmunterten. Die Melodien der Refrains hat er ebenfalls selber komponiert. Die dazu passenden Beats produzierte Jan Guggisberg.

Gleich nach dem Soundcheck müssen die letzten Vorbereitungen für den grossen Auftritt von Mimiks getroffen werden, der gerade angekommen ist. In 50 Minuten wird er die Bühne stürmen. Mit einem weissen Frottiertuch und einer Flasche Wasser in der Hand verlässt er den Backstage-Bereich. Die Nervosität merkt man ihm nun etwas mehr an.

Auf dem Weg zur Bühne begleiten ihn seine Kollegen. Vor der Tür zur Bühne sammelt sich die gesamte Crew nochmals. Alles wird gefilmt. Letzte Handschläge, Glückwünsche und Schulterklopfer der Begleiter. Die Raumbar ist zu 75 Prozent gefüllt mit jungen Leuten. Und dann geht es los. Die Tür zur Bühne wird geöffnet. Der DJ hat die Beats schon aufgelegt: Drei, zwei, eins , go!