Kulturfabrik Kofmehl

Johnny Fontane and the Rivals brachten das Publikum zum Kochen

Lukas Zürcher, Tom Marcozzi und Justina Lee Browne brachten das Publikum zum Kochen.

Lukas Zürcher, Tom Marcozzi und Justina Lee Browne brachten das Publikum zum Kochen.

Die Band Johnny Fontane and the Rivals präsentierten in der ausverkauften Raumbar der Kulturfabrik Kofmehl ihre CD «Lemme Tell Ya». Langweilig wurde es nie, denn die vier «Johnnies» wurden von ganz verschiedenen Freunden unterstützt.

Zuerst bekam man eins aufs Auge gedrückt: Die Show letzten Samstag in der restlos ausverkauften Raumbar des Kofmehls begann mit dem Video «Black Cadillac», gedreht in den Industrieruinen der Zellulosefabrik Attisholz. Etwas stereotyp vielleicht die Bilder der in ein «Country Jail» verwandelten Fabrikräume, aber durchaus wirkungsvoll. Und vor allem hatte der Sound einen Drive, der ZZ Top die Bärte weggeblasen hätte.

Da passte auch der wunderbare, schwarze Cadillac dazu, der eine Südstaatenstimmung provozierte. Dann legten Johnny Fontane and the Rivals mit ihrem Blues-Rock live los – und sie begeisterten mit ihrer Musik aus dem vergangenen Jahrtausend volle zwei Stunden lang.

Von Schiesseisen zu Gitarren

«Die vier sizilianischen Halbbrüder hatten die Tomatenpasta von Nonna Fontane satt und tauschten schliesslich ihre Schiesseisen und Schlagstöcke im Jahr 2011 gegen Gitarren und Drumsticks ein.» So beschreibt die Band ihre Entstehungsgeschichte, und wenn Tom Marcozzi einem Musiker dankt, dann gibts auch heute noch ein Pack Spaghetti und eine Flasche Rotwein.

Aber genaugenommen begann alles mit einem Casting: «Jeder von uns bekam von Fippu Gerber einen Anruf und wir wurden zur Hausband des Kofmehls. So haben wir uns kennengelernt», erklärte Tom Marcozzi die wahre Geschichte der Band. «Wir hiessen zunächst die Blue Mondays.» Über die Bezeichnung «Blues Express» wurde der Name schliesslich in Johnny Fontane geändert, als sich die Band weiterentwickeln wollte. «Uns sagte das Mafiagewand zu und wir wählten die Kinofigur, die im Godfather vorkommt, als unseren Namen. Wir sind Unterdogs, versuchen mit unserer Musik immer weiterzukommen – so wie sich Johnny mit der Unterstützung der Mafia nach oben arbeitete.»

Kein langweiliger Geburtsakt

Und so wurde auch der Geburtsakt der ersten CD «Lemme Tell Ya» für Johnny Fontane and the Rivals zu einem starken Erlebnis. Abwechslungsweise wurden die zum Teil ziemlich hart rockenden Blues basierten Eigenkompositionen von Philipp Lüdi an der Hammondorgel und von Tom Marcozzi an der Gitarre getragen, immer präzis unterstützt durch Lukas Zürcher am Schlagzeug und Christian Spahni am Bass. Langweilig wurde es nie, denn die vier «Johnnies» wurden von ganz verschiedenen Freunden unterstützt. Da brachte eine Bläsergruppe ein Blues-Brother-Feeling, dann unterstützte Aleks die Band mit ihrem Gesang, Stefan Schroff legte virtuose Gitarrensolos hin und dann betrat Marco Pantherra mit seiner Harrp – oder im Volksmund «Schnörregige» – auf die Bühne und sorgte für musikalische Akrobatik.

Aussergewöhnliche Sängerin

Die grandiosen Stimme von Justina Lee Browne bekehrte schliesslich noch fast den mafiösen Johnny Fontane, indem sie dem Blues-Rock ein der Band ein Gospel-Element anfügte. Die Sängerin aus Nigeria, die auch auf der CD zu hören ist, war alleine den Besuch in der Raumbar wert. «Ich habe per Zufall auf Facebook ein Video von ihr gesehen und habe mit ihr Kontakt aufgenommen, als sie in Zürich war», erklärt Tom Marcozzi, wie er die aussergewöhnliche Sängerin kennengelernt hat.

Am Ende hatte sich Marcozzi ins Delirium gespielt, sodass er vor lauter Glück auf der Bühne kaum mehr einen geraden Satz von sich geben konnte. «Es ist eine grosse Last von mir gefallen», sagte er an der Afterparty. «Heute vor einem Jahr hatten wir den Aufnahmeknopf ein erstes Mal gedrückt. Es war eine gewaltige Arbeit», sagte der Bandleader, «ich bin glücklich, dass wir das Baby in Form der CD heute dem Publikum übergeben durften.»

Mit anderen Bands hatte Tom Marcozzi bereits CDs produziert, doch diese sei am aufwendigsten gewesen. «Wir haben fast alles selber gemacht. Das Resultat macht mich glücklich, aber das nächste Mal möchte ich jemanden, der mir im Studio etwas Arbeit abnimmt, damit ich mich mit mehr Gelassenheit auf das Wesentliche, nämlich auf die Musik konzentrieren kann.»

Die Musiker: Tom Marcozzi (Gesang und Gitarre), Philipp Lüdi (Piano), Lukas Zürcher (Schlagzeug), Christian Spahni (Bass).

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