Fernwärmenetz
Jetzt wird die Leitung über die Aare in der Wengibrücke eingebaut

Nun geht der Ausbau des Fernwärmenetzes in Solothurn in die spektakulärste Phase: Während zwei Wochen werden zwei Leitungsstränge vom Kaliber 200 mm unter der Wengibrücke in der altehrwürdigen Eisen-Tragkonstruktion eingezogen.

Wolfgang Wagmann
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Die Rohrsegmente stapeln sich auf der Plattform
13 Bilder
Die Plattform wird am Landhausquai für den Einsatz bereit gemacht
Ohne Kraneinsatz geht gar nichts
Im ersten Schritt mussten die Vogelschutznetze entfernt werden
Unter der alten Eisenkonstruktion von 1878 wirds beim der Arbeit eng
Hier verlässt die Leitung die Vorstadt Richtung Wengibrücke
Ohne Schiff geht nichts
Neue Ansichts für Bootsfahrer
Pendeln zum Arbeitsplatz per Boot
Jeder Laufmeter Fernwärmeleitung unter der Wengibrücke kostet rund 2000 Franken
Vom Aaremürli aus sieht das ganze nach Flussschifffahrt aus
Projektleiter Stefan Schluep von der Regio Energei Solothurn
Regio Energie Solothurn arbeitet am Fernwärmesystem bei der Wengibrücke

Die Rohrsegmente stapeln sich auf der Plattform

Regio Energie Solothurn

Wobei kein Millimeter der Leitung den Durchlass der Brücke zusätzlich absenken darf - für Boote ist die Durchfahrt ohnehin schon sehr niedrig. «Die jetzige Wengibrücke wurde 1879 für Fuhrwerke gebaut und 1930 für den schwerer gewordenen Verkehr mit eingezogenen Betonjochen verstärkt. Diese tragen auch die damals angehängten Trottoirs», weiss Fernwärme-Projektleiter Stefan Schluep von der Regio Energie Solothurn. «Damals gab es natürlich noch keine Computer-Pläne, und «wir mussten umfangreiche Abklärungen mit dem Kanton treffen, ob das Ganze überhaupt möglich ist.»

2000 Franken pro Laufmeter

An sich ist die Vorgehensweise relativ simpel: Die bereits für Werkleitungen vorhandenen Löcher in den Betonjochen wurden durch Bohren vergrössert. Nun werden die Leitungsrohre eingezogen und die einzelnen Segmente miteinander verschweisst. Bis das knapp 100 Meter entfernte Nordufer erreicht ist, dürften etwa zwei Wochen verstreichen. Inzwischen verschiebt sich die schwimmende Arbeitsplattform unter der Brücke ständig mit dem Fortgang des Leitungsbaus nach Norden. Dass vom Wasser aus gearbeitet wird, ist übrigens nicht selbstverständlich.

Stefan Schluep: «Drei Firmen haben offeriert, aber nur eine wollte das Ganze vom Ponton aus erledigen. Die anderen wären von einer landgestützten Grube ausgegangen, was Gerüste erfordert hätte.» Dieses Verfahren erwies sich als (noch) komplizierter und teurer, und so wurde der auch nicht gerade billige Einsatz der schwimmenden Arbeitsplattform mitsamt «Begleitflotte» vorgezogen. Kostenpunkt des Netzabschnitts Wengibrücke: 200 000 Franken oder 2000 Franken pro Laufmeter Leitung.

Noch bis im Frühling 2013

«Anfang Juli wird das Bürgerspital an das Fernwärmenetz angeschlossen, die Arbeiten sind so gut wie beendet.» Für Stefan Schluep nimmt jedoch auch der Strang nördlich der Aare Formen an, aktuell wird die Leitung nun durch das Parkhaus Bieltor gezogen, «denn auf dem Amtshausplatz hätten wir wegen des Busverkehrs unmöglich graben können. Ende Jahr wir der nördliche Endpunkt Kantonsschule erreicht, und viele öffentliche aber auch private Gebäude auf Fernwärme wechseln können: die beiden Amtshäuser, das Hermesbühl- und Fegetzschulhaus, die Musikschule aber auch das Kloster Nominis Jesu, die Evangelisch-methodistische Kirche, das Seraphische Liebeswerk oder die Baloise Bank SoBa. «Bis im Frühling 2013 wird der Seitenstrang vom Ambassadorenhof über das Kunstmuseum bis zum Konzertsaal fertiggestellt», weiss Schluep.

Ebenfalls nächstes Jahr ist der zweite Hauptstrang von der Kebag aus Richtung Stadt terminiert. «Wir sind daran, weitere Fernwärmebezüger zu gewinnen, wie den Greibenhof, in dem der Kanton eingemietet ist», so der Projektleiter. Und wirft den Blick Richtung Westen, wo Projekte wie «Weitblick» und die «Wasserstadt» am Horizont erscheinen. «Auch die bereits bestehenden Hochhäuser des Sonnenparks zeigen Interesse.»