St.-Ursen-Kathedrale
Jetzt sinds schon zwei Millionen und zwei Jahre

Die Kosten für die Innenrenovation der St.Ursen-Kathedrale sind höher, und die Arbeiten dauern länger als vorausgesagt.

Silvia Rietz
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Sie spielen am 14. April in der Weststadtkirche St. Marien für die St.-Ursen-Kathedrale. Felix Gerber

Sie spielen am 14. April in der Weststadtkirche St. Marien für die St.-Ursen-Kathedrale. Felix Gerber

Solothurner Zeitung

Die Restaurierungskosten der brandgeschädigten St.-Ursen-Kathedrale werden die bisherigen Einschätzungen massiv übersteigen. Bisher sind rund 143000 Franken durch Spenden zusammengekommen.

Noch fehlen in der Kasse geschätzte 2 Millionen Franken. Genaue Zahlen gibt die Kirchgemeinde Solothurn morgen bekannt – auch was die Renovationsarbeiten anbelangt, die sich inzwischen über zwei Jahre erstrecken sollen. Die Kirchgemeinde freut sich, dass nun ein Benefizkonzert den Blick auf die sanierungsbedürftige Bischofskirche und den immensen Finanzbedarf lenkt.

Varianten zu St. Ursen

Feuer hat in der Solothurner Altstadt historische Bausubstanz zerstört. «Nicht auszudenken, wenn der Grossbrand auch auf die Jesuitenkirche übergegriffen hätte», sinniert Stadtpfarrer Paul Rutz, und die Erleichterung ist ihm anzumerken.

Wird doch seine Hauptkirche, die St.-Ursen-Kathedrale, wegen des Brandanschlages im Januar wohl noch gegen zwei Jahre geschlossen bleiben. Das Feuer wurde zwar schnell eingedämmt, doch klebriger Russ setzte sich in jeder Ritze des Sakralraumes fest. Paul Rutz: «Die Wochenend-Gottesdienste halten wir in der Jesuitenkirche ab, werktags lese ich die Messe in der Kirche des St.-Josef-Klosters. Wobei am Donnerstag in der St.-Urban-Kapelle Eucharistie gefeiert wird.»

Rutz ist nicht allein Pfarrer zu St. Ursen, sondern auch Domherr und Mitglied des Vereins Pro Kathedrale St. Urs und Viktor. Jener Organisation, welche die Spendensammlung für die Kathedrale koordiniert. Pfarrer Rutz: «Die Kosten für die Chorumgestaltung werden zirka zwei Millionen betragen.» Laut Kassier Matthias Kiener ist beim Spendeneingang die Hunderttausendmarke überschritten, und 143000 Fr. sind zusammengekommen.

Kirchgemeindepräsident Karl Heeb: «Die direkten Kosten der Brandsanierung sind durch die Versicherungen gedeckt. Die noch nicht definitiv veranschlagbaren Kosten der übrigen Sanierung sind durch die Kirchgemeinde zu tragen – mit Unterstützung von kantonaler und eidgenössischer Denkmalpflege sowie durch einen reglementarisch festgelegten Beitrag der Synode an Investitionen der Kirchgemeinden.

Da der zu erwartende Restbetrag sehr hoch sein wird, ist die Kirchgemeinde auf eine breite Unterstützung angewiesen, vertraut auf die Solidarität der Bevölkerung und ist für Aktionen wie das vom Team der Musikalischen Andachten lancierte Benefizkonzert dankbar.»

Einige Baustellen

Die Kirchgemeinde kann den Zustupf brauchen, die Pfarrei St. Ursen ist eine einzige Baustelle. Steht doch in der Jesuitenkirche auch nicht alles zum Besten. Die 1791–94 erbaute Otter-Orgel befindet sich in einem unspielbaren Zustand und wird für 600000 Franken restauriert. «Davon haben wir bereits ein Viertel beisammen», informiert Pfarrer Rutz.

Der Verlust der Domorganistin

Auch der Alltag von Domorganistin Suzanne Z’Graggen wird von den Folgen des Feuers geprägt: «Als es während der Renovierungsarbeiten an der Jesuiten-Orgel in der Kathedrale brannte und Russ die beiden Orgeln von St. Ursen beschädigte, entstand für mich persönlich die traurige Situation, dass von meinen drei Arbeitsinstrumenten auf lange Sicht keines spielbar sein wird.»

Zu Jesuiten werden die Gottesdienste seit Längerem auf einer elektronischen Orgel begleitet. Plötzlich war das tägliche Üben und Arbeiten an der Orgel für die Kirchenmusikerin nicht mehr möglich. Konsequenzen hat dies auch auf die beliebten Sommer-Orgelkonzerte, die nun in verschiedenen Kirchen Solothurns und Umgebung stattfinden werden.

Z’Graggen: «Ich freue mich, wenn voraussichtlich Ende Januar 2012 die revidierte Otter-Orgel in der Jesuitenkirche eingeweiht wird. Von dem Augenblick, wo auch die Kathe-drale von Orgelklängen erfüllt sein wird, davon träume ich noch ...».

Viele Leute setzen sich dafür ein, dass das Gotteshaus bald in neuem Glanz erstrahlt und nichts mehr an das verheerende Feuer erinnert. Darauf hofft auch Urban Fink-Wagner, der regelmässig in St. Ursen predigt. Der Historiker, Theologe und Redaktionsleiter der Schweizerischen Kirchenzeitung: «Die Totalrenovation der Kathedrale schafft die Voraussetzung, dass diese noch besser ein einladendes religiös-spirituelles Zentrum für unser Bistum sein kann. Die Renovation ist also geistlich gesehen ein Glücksfall und verdient unsere materielle Unterstützung.»

Benefizkonzert für die St.-Ursen-Kathedrale, Donnerstag, 14. April, 19.30 Uhr, Marienkirche (Weststadt). Kollekte.

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