In medialem Getöse mit unschönen Behauptungen hat sich die Zürcherin Bettina Spoerri entschieden, die Leitung der Solothurner Literaturtage ab sofort – nur nach einem Jahr im Amt – abzugeben (wir berichteten). Nun erläutern zwei der «Arbeitgeber» von Spoerri, Vereinspräsident Pascal Frey und Geschäftsleitungsmitglied Franco Supino, ihre Sicht der Dinge.

Die beiden können sich den Abgang von Bettina Spoerri im Grunde nicht erklären. Frey sagt: «Bettina Spoerri hat ein Problem. Ihr Abgang ist nicht das Problem der Solothurner Literaturtage». Mehr will er im Grunde nicht sagen, sagt aber mit diesen Worten einiges. Weiter meint er zum Abgang: «Wahrscheinlich haben wir einfach die falsche Person ins Amt gewählt.»

Von einer Krise, von «unhaltbaren Zuständen» bei den Solothurner Literaturtagen wie Spoerri das nannte, wollen er und Franco Supino nichts wissen: «Unser Schiff ist auf Kurs. Die Solothurner Literaturtage werden auch 2014 wieder stattfinden, wie jedes Jahr. Und nur wenn der Steuermann das Schiff verlässt, sinkt es noch lange nicht».

Welche strukturellen Probleme?

Das kann man so sehen. Doch es gibt auch eine andere Redewendung: «Der Steuermann verlässt das sinkende Schiff». Und so ist es nicht verwunderlich, dass Spoerris Abgang Fragen nach den Strukturen des Literaturfestivals in der Ambassadorenstadt aufwirft. Supino und Frey sagen dazu: «Die angesprochenen sogenannten strukturellen Probleme haben wir seit einiger Zeit erkannt und wir sind seit längerem daran, sie sukzessive zu verändern.»

Es sei ja klar, dass eine Non-Profit-Organisation, welche im Jahr 1978 gegründet worden sei, heute anders geführt werden müsse. «Bettina Spoerri wusste um die Struktur-Bereinigungen, sie hat sie gar mitgetragen.» Ein Verein könne die Statuten nicht von heute auf morgen anpassen. «Das braucht die Genehmigung der Generalversammlung. So ist unser Vereinsrecht», sagt Frey.

Für Aussenstehende ist nicht nachvollziehbar, dass Spoerri nach ihrer ersten, sehr erfolgreichen Literaturtage-Ausgabe schon das Handtuch wirft. «Das verstehen wir ja eben auch nicht. Spoerri wollte den Solothurner Literaturtagen ein Gesicht geben. Das hat sie auch getan. Wir liessen ihr sehr viel Freiheiten», führt Frey weiter aus. Klar habe man immer wieder Diskussionen geführt.

Doch habe Spoerri zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Vorstand kein Ja-Sager Gremium sei, welches ihre Vorschläge nur abnickt. «Sie konnte mit unterschiedlichen Meinungen nicht umgehen. Das hat nichts mit unseren Strukturen zu tun.» Supino bringt noch einen weiteren Aspekt mit ein. «Man muss daran denken, dass Spoerri als Einzige ein festes Gehalt für ihre Arbeit bekam. In dieser Situation ist es immer schwierig, Leuten, die alle ehrenamtlich arbeiten, Anweisungen zu geben.»

Wie wird es nun weitergehen? «Die Solothurner Literaturtage 2014 werden stattfinden. Soeben haben wir die Programmkommission bestimmt», sagen beide und nennen erstmals die Namen: «Simone Fässler, Ruedi Bussmann, Ruth Gantert, Paola Girardi, Nicolas Couchepin, Bernadette Conrad, Alex Hagen und Balts Nill.» Langfristig – so sind Supino und Frey überzeugt – werde der Sturm um diesen Abgang den Solothurner Literaturtagen nicht schaden. Bei Bettina Spoerri könnte das etwas anders aussehen.