Anlässlich einer gut besuchten Veranstaltung der «Gesellschaft der Freunde der Zentralbibliothek Solothurn» präsentierte die Zentralbibliothek das zwischen 1974 und 1992 aufgebaute solothurnische Tonarchiv. Die hauptsächlich in den 1970er- und 1980er-Jahren entstandenen Aufnahmen sind kürzlich von der Schweizer Nationalphonothek in Lugano digitalisiert und katalogisiert worden.

Zusammen mit weiteren Audio-Kostbarkeiten aus der ganzen Schweiz sind die Aufnahmen seit einiger Zeit an der Hörstation in der Eingangshalle der Zentralbibliothek zugänglich.

Organisation und Technik

Prof. Dr. Hans-Rudolf Dürrenmatt, der Gründer und erste Leiter der Musikbibliothek der Zentralbibliothek, ermöglichte in einem lebendigen Kurzvortrag einen Einblick in die Konzeption des Tonarchivs und die Schwierigkeiten organisatorischer und technischer Art, denen er und seine Nachfolgerin Madeleine Elmer sich zu stellen hatten.

So musste er nach einer aufwändig vorbereiteten Konzertaufnahme zu seinem Schrecken feststellen, dass sich auf dem Revox-Tonband nur – frei nach Heinrich Böll – «Doktor Murkes gesammeltes Schweigen» fand. Das Band war in der Produktion falsch aufgewickelt worden. Meistens jedoch liessen sich die Herausforderungen mit der soliden HiFi-Ausrüstung von 1973, die zum Teil heute noch im Einsatz steht, problemlos bewältigen.

Prof. Dr. Hans-Rudolf Dürrenmatt bei seinem Vortrag über die Konzeption des Tonarchiv

Prof. Dr. Hans-Rudolf Dürrenmatt bei seinem Vortrag über die Konzeption des Tonarchiv

Zu den Aufzeichnungen gehören beispielsweise eine Sendung zum 50. Geburtstag von Peter Bichsel, Konzerte mit Werken solothurnischer Komponisten oder eine Folge aus der DRS-Sendereihe «Musik für einen Gast», in der die populäre Moderatorin Heidi Abel 1983 ein Gespräch mit dem Solothurner Bundesrat Willi Ritschard führte, nur kurz vor seinem plötzlichen Tod.

Die archivierten Tonbandaufnahmen waren dabei nur schwer nutzbar, was sich mit der Digitalisierung grundlegend geändert hat. Im Anschluss an Hans-Rudolf Dürrenmatts Vortrag erläuterte Verena Bider, Direktorin Wissenschaftliche Bestände der Zentralbibliothek, die Hintergründe. Erst mit der Unterstützung von Memoriav, dem schweizerischen Verein zur Erhaltung und Erschliessung des audiovisuellen Kulturgutes, konnte das aufwändige Projekt angegangen werden.

Aus urheberrechtlichen Gründen sind die Digitalisate nicht frei zugänglich, sondern nur an den Hörstationen, die in den Schweizer Kantonsbibliotheken eingerichtet wurden. Die Audiodateien können nicht gespeichert oder kopiert werden. Zu den Öffnungszeiten der Zentralbibliothek ist die Nutzung aber jederzeit kostenlos möglich.