Die Welt der Computer ist im Grunde bloss eine Abfolge von Nullen und Einsen. Doch in ihrer vielfältigen Kombination bilden sie einen Kosmos nahezu unerschöpflicher Möglichkeiten. Das Museum Enter, das gestern am neuen Standort im ehemaligen «Feldschlösschen»-Depot seine Tore öffnete, trägt diese Nullen und Einsen sogar im Logo – und entschlüsselt sie für jedermann. So auch der Anspruch des Initianten Felix Kunz, der gestern vor rund 100 geladenen Gästen das 1800 Quadratmeter grosse Päckli an Informationstechnologie vorstellte: «Es ist kein Museum nur für Computerfreaks, sondern für jedermann, für Jung und Alt.» «Enter» stehe letztlich nicht nur für die gleichnamige Taste, sondern auch für den Aufruf, einzutreten, anzuschauen und auszuprobieren.

Und anschauen, wie ausprobieren kann man einiges: So ist die Sammlung, die sich aus 1000 dokumentierten und ausgestellten und rund 4000 weiteren, verstauten Objekten zusammensetzt, nicht ausschliesslich auf Computer ausgerichtet. Kunz’ Vergleich: «Von allem, was sich heute als App in ein Smartphone packen lässt, findet hier seine historische Entsprechung.» Kameras, Radios, TVs, Messgeräte, Audiorekorder, Rechenmaschinen und alte «unelektronische» Brettspiele. Kunz zeigt heute, was vorgestern Zukunft war und heute schon Geschichte ist – in einem schweizweit einmaligen Umfang. Zusammengetragen über Jahre durch Nachlässe, andere Sammlungen, Einkäufe, eBay; und bis im vergangenen Jahr noch im Steingrubenquartier auf engstem Raum ausgestellt. Gleichzeitig soll das Museum aber auch einen Ausblick auf die IT-Wirklichkeit von morgen wagen.

«Das Unmögliche versuchen»

Moritz Suter, Stiftungsratspräsident der Jungunternehmerförderung der W.A. de Vigier Stiftung und seinerzeit «Crossair»-Gründer, würdigte den hier verwirklichten Traum in seiner Rede mit Hermann Hesses Worten: «Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.» Und dies sei, so Suter weiter, «auch immer das Leitmotiv von Felix Kunz gewesen.» Zudem nahm Suter den Museumsgründer ins «Kreuzverhör» und stellte mitunter auch die kritische rhetorische Frage, ob denn die zunehmend technischen Hilfsmittel nicht auch unseren persönlichen «Computer», das Gehirn, ärmer machen würden. Stadtpräsident Kurt Fluri brachte seine Wertschätzung darüber zum Ausdruck, dass hier mit privater Initiative und ohne eine städtische Unterstützung ein Museum entstehe, gerade auch angesichts bekannter Zentrumslasten. Fluri betonte weiter die Bedeutung des Museums, einen zwar kurzen, wenngleich wichtigen Zeitraum von 150 Jahren abzudecken: «Die Dauerausstellung repräsentiert eine Entwicklung, die für unser heutiges Leben entscheidend ist.»

«Viel Herzblut für die Sammlung»

Im wahrsten Sinne materielle Unterstützung erhielten «Enter»-Begründer Kunz und seine Frau Florence Kunz dafür von den Unternehmern Monique und Peter Regenass. Sie steuern rund 300 antike mechanische Rechenmaschinen zur Dauerausstellung bei, die Peter Regenass in Jugendjahren gesammelt hatte. Zusammen hatten beide Familien 2010 die Stiftung «Enter» gegründet, nicht zuletzt, um durch den Stiftungszweck die Sammlung zusammenzuhalten. Froh zeigte sich Peter Regenass selbst: «Hier bleibt die Sammlung erhalten, in die ich 45 Jahre lang viel Herzblut gesteckt habe.»

Während also nüchtern betrachtet das Fachgebiet nur aus Nullen und Einsen besteht, zeigt doch das innere Feuer der beiden Stifterfamilien eines: Zwischen kalten Programmzeilen und schlichten Transistoren lodert so etwas wie nostalgische Passion, von der sich die «Enter»-Besucher künftig anstecken lassen können.