Weihnachtsreise
Jesuskind, Kamele und ein böser Herodes: Solothurn wird zu Bethlehem

Die Jesusgeschichte lockte viele Familien mit ihren Kindern in die Stadt. Zahlreiche Statisten mit ihren Verkleidungen sorgten für ein authentisches Erlebnis. So fest sogar, dass ein Kind beim Anblick des bösen Königs Herodes einige Tränen vergoss.

Sabine Gfeller
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Am Bieltor wurde eine Volkszählung durchgeführt
38 Bilder
Freundlicher Empfang bei der Volkszählung
Jeder muss sich registrieren
Die Volkszähler führten genau Buch auf Pergament
Ohne Stempel kam keiner in die Stadt
Weihnachtsreise in Solothurn
Maria und Josef freuen sich über die Geburt ihres Kindes
Powernap für den König
Die Römer zu Fuss auf dem Weg nach Bethlehem
Die Römer bahnen sich ihren Weg durch die Menge
König Herodes wirft mit Gold um sich
Die Römer überbringen König Herodes eine schlechte Nachricht
Der Anführer des römischen Detachements, welches durch die Stadt patrouillierte, erstattet dem König Bericht
König Herodes is not amused
Die Römer nehmen den Bediensteten des Königs fest
Gespannt wird das Geschehen mitverfolgt
Die Kinder hatten Respekt vor dem furchteinflössenden König Herodes
Der geknechtete Bedienstete des Königs
Mützenparade am Chronestutz
Die Kamele waren leider alle schon besetzt
Ein ungewohnter Anblick
Mit dem Kamel unterwegs
Die Schafe der Hirten wurden von den Kleinsten mit viel Freude bestaunt
Auch der Schäferhund behält seine Lämmchen im Auge
Gern gesehener und viel gestreichelter Gast
Die kleinen Hirten trotzden der Kälte
Die Suppe über dem Feuer muss immer gut gerührt werden
Schafe hüten macht hungrig
Ein Gewitter mit Donner und Blitzen bricht über die Hirten herein
Die gute Nachricht von Jesus Geburt erreicht die Hirten
Die Hirtinnen freuen sich über die gute Nachricht
Seltene Tierspuren in der Altstadt
Auch die heiligen drei Könige zogen durch die Gassen Bethlehems
Die heiligen drei Könige machen König Herodes die Aufwartung
Die heiligen drei Könige machen König Herodes die Aufwartung
Der Schöpfer
Auch die Kamele zeigten sich von ihrer besten Seite

Am Bieltor wurde eine Volkszählung durchgeführt

Tina Dauwalder/Thomas Ulrich

Wer am Sonntag durch Solothurn tummelte, fühlte sich in der Zeit zurückversetzt. Verkleidete Männer in Caligae (Römersandalen) gingen umher, Kamele begleiteten die drei Könige aus dem Morgenland, verschiedene Teile der Stadt wurden umgestaltet zu Betlehem.

Wie jedes Jahr wurden die Leute durch die Weihnachtsgeschichte geführt. Wenn schon die milden Temperaturen und der fehlende Schnee einen nicht unbedingt in festliche Stimmung versetzten, so tat dies die Reise durch die Jesusgeschichte.

Bevor die festfreudigen Leute in die Stadt Bethlehem eintreten durften, mussten sie durch die Volkszählung. «Haben Sie Haustiere? Wein oder Schnaps? Keinen Schmuck zu versteuern?», fragte die Zählerin jeden, der passieren wollte.

König bringt Kind zum Weinen

Die Gassen waren voller Leute. Besonders viele waren um die St.-Ursen-Treppe versammelt, wo Herodes seinen Reichtum durch das Vorführen seiner vielen Perlenketten und seines Goldes präsentierte.

In der ersten Reihe waren die Kinder äusserst aufmerksam, um nichts vom Schauspiel zu verpassen. Der böse König mit seinen markanten Augenbrauen konnte aber einem kleinen Kind auch ganz schön Angst einjagen. Als dieser aus lauter Wut über den neugeborenen König sein Glas auf den Boden donnerte, und dieses in tausend Scherben zerbrach, brachte er einen kleinen Jungen unter den Zuschauern zu einem herzzerreissenden Weinen.

Nicht nur Herodes gebot Ehrfurcht. «Unsere Kinder haben vor den Soldaten noch fast mehr Angst», sagte eine Mutter. Die Kinder, die auf den Friedhofplatz kamen, hatten aber schnell wieder ein Lächeln im Gesicht. Dort waren die Hirten versammelt mit ihren Schafen und süssen, kleinen Lämmern.

Die römischen Soldaten schlugen beim Gang durch die Gassen mit ihren Stöcken im Takt des Laufschrittes auf den Boden und waren bereits von weitem zu hören. Auch eine Trompeterin auf der Brücke zum Stadttor machte lautstark auf sich aufmerksam.

«Die Trompete passt zu den Römern. Sie klingt etwas böse und sehr mächtig. Das Dröhnen der Trompete soll das Volk zur Zählung zu uns führen», erklärte die reformierte Statistin aus dem Emmental. Ihr Mann, ein christlich-katholischer Pfarrer, war auch im Einsatz. Nebst den lokalen Landes- und Freikirchen waren Freischaffende aus der ganzen Schweiz mit dabei. Eine Baslerin übernahm die Rolle einer Stadtrömerin. Sie präsentierte die damalige römische Mode.

Simon – das Jesuskind

«Es ist wirklich ein echtes Baby», sagte ein Zuschauer. Das war es, dank der Familie Schütz aus Solothurn. Knapp zwei Wochen vor dem Auftritt kam die Zusage der Familie. Der kleine Simon Schütz kam am 14. November dieses Jahres zur Welt und eignete sich daher perfekt für die Rolle des neugeborenen Jesus. Vater und Mutter Schütz schlüpften in die Rolle von Josef und Maria.

Die Familie Schütz schaffte es in Verkleidung wahrscheinlich auf das eine oder andere Foto. Handys in der Luft sind nicht mehr länger nur an Konzerten zu sehen, sie waren auch während des gesamten Spektakels überall zu sehen, bereit zum Abdrücken für ein Bild. Ein seltsames Gefühl: Da war man in die Zeit vor 2000 Jahren zurückversetzt und nutzte gleichzeitig Technik von heute.

Zum Glück fanden sich ebenfalls in letzter Minute noch Esel, die als Statisten nicht fehlen durften. «Die Esel, die durch die Gassen gehen, erinnern an eine Zeit, als es noch keine Autos gab», erzählt eine Besucherin. Das Spektakel wirke authentisch und natürlich. In der Vorweihnachtszeit, wenn alles glitzert und funkelt, tue es gut, diese Geschichte hautnah zu erleben. «Alles wurde mit einfachen Mitteln und ganz natürlich gemacht», so die Frau.

Kamelkacke in der Gasse

Auch die Leute, die nur einen Einkaufsbummel im Sonntagsverkauf machen wollten, bekamen das Geschehen mit. Einerseits durch die Menge, andererseits wurden sie sich beim Schlendern durch die Gassen der tierischen Statisten bewusst: Nämlich durch eine Kamelkacke, die mitten auf dem heiligen Weg zum Christkind lag.