Museum Altes Zeughaus

Jede Tonplatte wird nummeriert und kommt wieder an die gleiche Stelle

Die Innensanierungs- und Renovationsarbeiten im Museum Altes Zeughaus Solothurn haben begonnen. Der Umbau des vierhundertjährigen, riesigen Hauses stellt die Baufachleute vor besondere Herausforderungen.

Das Museum Altes Zeughaus ist eingerüstet und eingepackt. «Seit Bestehen vor 400 Jahren wurde an diesem Haus nie in diesem Ausmass gearbeitet», sagt der Solothurner Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli. Auch für ihn sind dieser Umbau und die Innensanierung im Museum Altes Zeughaus MAZ etwas Einmaliges. Zusammen mit dem zuständigen Projektleiter Dominik Jenni ist er jetzt öfter auf der Baustelle anzutreffen. «Wann sieht man ein solches Haus schon mal so?»

Am 31. Oktober erfolgte der offizielle Baustart für das Haus. «Als Erstes wurden Vorbereitungsarbeiten wie Bauinstallationen, Abschrankungen, Baubaracken angebracht», erklärt Dominik Jenni. Im düsteren Parterre leuchten jetzt Scheinwerfer einen grossen Bereich aus. «Hier wurden die dicken Bodenplatten gehoben, um den Liftschacht einbauen zu können». Zwei Bauarbeiter sind daran, lange Stahlstützen in den Boden zu rammen. «Bis in 15 Meter Tiefe muss der Liftschacht verankert werden. Dieser wird nicht mit dem Haus verbunden», so Jenni, «sondern steht aus Gründen der Erdbebensicherheit eigenständig.»

Erstaunt erkennt man, dass das ganze alte Gebäude lediglich auf den rund 20 cm dicken Jurakalksteinplatten steht. Diese wiederum wurden von den Erbauern auf den vorhandenen kiesigen Untergrund gelegt. «Vor 400 Jahren wurde ein solches Haus nicht unterkellert», erklärt Mäusli. Auf die Bodenplatten stellte man dann die steinernen Stützpfeiler, darauf wurde die ganze Holzkonstruktion gebaut. Das hält.»

könnte es nicht sein, dass die alten Solothurner eine geheime Schatzkiste unter dem Boden des Hauses vergraben hatten? Mäusli und Jenni schmunzeln und betonen. «Wir arbeiten sehr eng mit der kantonalen Denkmalpflege zusammen. Bisher wurde jedenfalls nichts Derartiges gefunden. Allerdings heben wir ja nur diejenigen Steinplatten, die unbedingt raus müssen. Später kommt alles wieder an seinen Platz.» Einen einzigen Einschnitt gibt es in die fast zwei Meter dicke Aussenmauer im künftigen Liftbereich.

«Hier entsteht ein Personaleingang, der gleichzeitig als Fluchtweg und Feuerwehrzugang genutzt wird», wird erklärt. Im zweiten und dritten Stock sind noch Vorarbeiten im Gang, und zwar ganz besondere. Plättlileger Thomas Aeberhard aus Münsingen – er kennt sich übrigens mit Sanierungen bei historischen Gebäuden aus, wie alle Firmen, die auf dieser Baustelle mitarbeiten – nummeriert auf Knien die alten, quadratischen, glasierten Bodentonplatten.

«Das geschieht, damit später alle Tonplatten wieder an ihrem ursprünglichen Ort platziert werden können. Sogar diejenigen, die zerbrochen sind, werden wieder verwendet, nachdem sie geleimt wurden.» Insgesamt 30 000 Stück werden so «behandelt» und eingelagert. Aeberhard ist begeistert. «Bei vielen Platten sieht man noch Hand- oder Fingerabdrücke der damaligen Hersteller.»

Im vierten Stock haben die Arbeiter die Tonplatten aus dem Boden herausgespitzt, sie aber liegenlassen. «Diese Tonplatten kommen weg», erklärt Jenni. «Hier soll später wieder der ursprüngliche Holzfussboden zu sehen sein.» Diese Tonplatten seien nicht von historischem Wert. Die Steine bleiben aber liegen, bis die Statikarbeiten im Haus so weit fortgeschritten sind, dass das Gewicht der Steine auf dem Fussboden keine Rolle mehr spielt. «Sonst würde sich das Gebäude heben, haben Statiker berechnet», erklärt Jenni.

Bis im Frühling 2015 sollen die Rohbauarbeiten abgeschlossen sein. Danach gehts an den Innenausbau. «Im Frühling 2016 sind wir fertig», ist Mäusli zuversichtlich. Bis es so weit ist, können sich Besucher an einer zugänglichen Aussenwand des Hauses via Filme und Pläne von den Fortschritten des Umbaus einen Eindruck verschaffen.

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