Natürlich entstammt die Bezeichnung der Liegenschaft einem effektiven Rosengarten. Denn im 18. Jahrhundert mussten die Kinder des Waisenhauses diesen Garten mit Rosenbeeten pflegen. Eine Umbauphase gab es auch im 19. Jahrhundert, denn 1877 wurde das Gasthaus neu eröffnet. Die Tochter der letzten privaten Besitzerfamilie, Elisabeth Luginbühl-Kurz in Luterbach, hatte während ihrer Kinder- und Jugendzeit in diesem Haus manche Veränderung miterlebt, denn ihr Vater, Ernst Kurz, war Bauunternehmer. Ihre Mutter, Marie Kurz-Fuhrer, führte das Restaurant.

Ein Skelett gefunden

Sie erwarben die Liegenschaft 1937. Die frühesten Erinnerungen von Elisabeth Luginbühl sind die Rosenbeete, welche mit Steinen eingefasst waren und zwischen den Beeten Kieswege und gegen die Strasse ein Gartentor. Vom Elternschlafzimmer aus konnte man auf den mit Kastanienbäumen bepflanzten Dornacherplatz sehen.

Übrigens gab es zu dieser Zeit einen unterirdischen Gang zwischen dem Rosengarten und dem Restaurant Jura (heute Fu Lin). Bei den Arbeiten für die 1948 erstellte Strasse in der Vorstadt wurde in diesem Gang sogar ein Skelett gefunden.

Ein Saal für 800 Personen

Einen massiven Umbau gab es 1938/39, als Ernst Kurz den bisherigen Saal erneuerte und vergrösserte, sodass bis zu 800 Leute Platz fanden. Daraufhin fanden viele Vereinsanlässe mit anschliessender Freinacht statt. Marie Kurz führte den Spinnet ein, eine Veranstaltung am Nachmittag nur für Frauen. Am Abend konnten dann die Männer dazu stossen und es gab Tanz. Ernst Kunz baute auch eine Projektionskabine für Filme ein. Der von den Schokoladenfirmen Nestle, Peter, Cailler, Kohler gegründete Kinderclub Fip Fop wurde dort heimisch. Gezeigt wurden Kinderfilme und (natürlich) Werbefilme für Schokolade. Später zog der Club ins Kino Elite um.

Ältere Leute erinnern sich gerne, dass sie ihre ersten Filmerlebnisse in diesem Fip-Fop-Club hatten oder im Rosengarten ihre ersten Tanzschritte wagten. In diesem grossen Saal gab es zudem Auto-Ausstellungen und auch viel besuchte Kaninchenausstellungen. Am Mai- und am Herbstmarkt wurde jeweils die Gartenwirtschaft in ein Velo-Parking umgestaltet, wo die Fahrräder für 20 Rappen beaufsichtigt eingestellt werden konnten.

Nazis mussten geduldet werden

Der Zweite Weltkrieg brachte radikale Veränderungen. Elisabeth sah ihren Vater vier Jahre lang nur noch in Uniform. Es folgten Einquartierungen im Saal. Selbst das Wohnzimmer wurde als Stabsbüro benutzt. Die Leute aber hatten kaum mehr Geld, um Restaurants zu besuchen. Arme Kinder aus dem Quartier konnten mittags eine Suppe holen. Soldaten, welche nicht aus der Gamelle essen wollten, konnten dies im Restaurant tun und bezahlten 5 Rappen für Teller und Besteck. Jetzt noch bedrückt Elisabeth Luginbühl die Tatsache, dass im Saal Nazi-Veranstaltungen stattfanden. Ihr schaudert, wenn sie an die Hakenkreuzfahnen und die Hitlerbilder denkt. Die Familie Kurz war zwar keineswegs braun angehaucht, aber ihr wurde von Behördenseite bedeutet, diese Anlässe zuzulassen, denn dann könne man diese Treffen gut überwachen.

Unfähige Pächter

Der Zweite Weltkrieg brachte eine Zäsur. Ernst und Marie Kurz wollten das Gasthaus nicht mehr weiter betreiben. Der Rosengarten wurde 1946 verpachtet. Doch die Pächter erwiesen sich als unfähig, den Betrieb weiterzuführen, sodass die Familie Kurz 1951 noch einmal das Zepter übernahm. Es habe ihr viel Freude gemacht, im Betrieb mitzuhelfen, meint Elisabeth Luginbühl heute. Sie heiratete dann und zog fort. 1957 kaufte Coop die Liegenschaft und opferte das Traditionshaus einem modernen Neubau.