Fegetz-Waldtage

Jahresringe zählen und Bäume fällen: Eine Schule begibt sich auf Forschungsreise ins Unterholz

Einmal alle vier Jahre verlagert der Schulbetrieb der Fegetz Schule seinen Unterricht in den Wald, so auch diese Woche.

«Ich mag die Bäume, ich mag das bunte Laub ...», man nimmt den 214 jungen Waldforschern ihr gesungenes Bekenntnis ohne jeden Zweifel ab. Für drei Tage nämlich tauschte die gesamte Fegetz-Schülerschaft vom Chindgsi bis in die Sechste das Klassenzimmer mit der freien Natur. Wie Lehrerin Patricia Gygli erläutert, findet alle zwei Jahre eine Projektwoche statt. Alternierend werde dabei das Thema Kunst respektive Natur in den Vordergrund gerückt.

Dabei werden die Kinder zwischen 4 und 13 Jahren für ihre Waldateliers in durchmischten Gruppen aufgeteilt: «Damit stärken wir den Zusammenhalt unter allen Schülerinnen und Schülern des Fegetz», erklärt Gygli. So nimmt denn auch mal eine Sechstklässlerin einen Chindergärtler bei einem holprigen Waldpfad an der Hand. Und: Rund 50 Eltern des sogenannten «Fegetz-Stamms» halfen bei der Durchführung tatkräftig mit.

Anschauungsunterricht im Wald

Während dreier Tage widmeten sich die Kleinen diese Woche wieder Themen naturnahen Unterrichts: Hölzer- oder Kräuterkunde, das Basteln von Wald-Mandalas, das Werken mit Holz, Kochen sowie Waldspiele, Musik und Rhythmus waren heuer angesagt. Der letzte Tag stand hingegen unter dem Motto der «Waldputzete» und wurde mit einer eindrücklichen Demonstration des Forstdienstes der Bürgergemeinde abgeschlossen. Eine rund 80-jährige Fichte soll gefällt werden.

Gespannt warten die kleinen Naturforscher hinter dem Absperrband, während Revierförster Alois Wertli sie begrüsst: «Wisst Ihr, wie man das Alter eines Baumes bestimmt? Oder seine Fallrichtung errechnet?» Beides sollten die Kleinen bald erfahren. Einige Minuten dauert es, bis Forstwart-Lehrling Miro Amstutz den 35-Meter-Baum zum Stürzen bringt. Auf ein Murmeln folgt aufgeregtes Kreischen, dann Kichern, dann Applaus. «Miro! Miro!» feuert das Publikum den Protagonisten an, einige fordern «Zugabe!»

Doch einfach so werden Bäume nicht gefällt, betont auch Forstunternehmer Jean-Pierre Mayor, der vor Ort seine Holz-Spaltmaschine demonstriert. «Es gibt auch heute noch Leute, die uns ‹Baummörder› nennen. Dabei widmen wir uns ganz der selektiven Waldpflege», bekräftigt er. Gut, wenn man bei den jungen, aufmerksam lauschenden Waldschülern mit Vorurteilen gar nicht erst aufräumen muss.

Die Wirkung des Waldes

«81 Jahre alt ist sie», verkündet Angelina stolz, nachdem sie die Jahresringe der Fichte mehrfach sorgfältig nachgezählt hat. «Ich mag diese Form des direkten anschaulichen Unterrichts», betont Patricia Gygli. Doch Naturkunde fernab der grauen Schulbuch-Theorie ist nicht der einzige Grund, den Unterricht nach draussen zu verlagern. Manchmal entfalten Kinder in diesem Umfeld Talente, die im Schulzimmer unerkannt bleiben. Und: «Auch eine zappelige Klasse wird hier ruhig», weiss Gygli. Manchmal wecken die «Waldtage» bei den Schülern auch die Lust – auf noch mehr Wald.

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