Schlagzeuger, musikalischer Leiter, Komponist, Produzent, Ausbildner, Musikautor und Firmeninhaber. Gesichter des J.J. Flück, den man unter den ausgeschriebenen Vornamen Joachim Johannes kaum kennt, gibt es unzählige. Ebenso umfassend das Palmarès des bald 39-Jährigen: «Ich staune, wie alt ich eigentlich bin», sagt Flück und schmunzelt. Erst wenn er im Rückblick seine zahlreichen Projekte chronologisch einsortiert, fällt ihm das Älterwerden auf.

Doch: Musik hält jung und auf Trab, was nicht nur am konzertanten Spitzensport liegt, der den Kalorienvorrat eines Drummers regelrecht wegbrennt. «Kein Tag ist wie der vorhergehende», schwärmt Flück, man bleibe flexibel und offen. Erzählt er, wie alles begann, so zeichnet sich sein Weg bereits früh ab: Nach fünf Jahren Querflötenunterricht opfert er mit 13 aus dem Nichts heraus sein Sackgeld für ein Schlagzeug.

J.J. Flück & P. Käser @ Drum Festival Switzerland - Dubstep

J.J. Flück & Pascal Käser @ Drum Festival Switzerland - Dubstep

Am gleichen Tag verschanzt er sich mit einem Schulkollegen in der elterlichen Waschküche und spielt «Paradise City» von Guns N’Roses. Statt den Schlagzeugunterricht zu belegen, erkundet er die Musik autodidaktisch und gründet an der Kanti neben- und nacheinander mehrere Bands – Rock und Metal in allen Härtegraden.

Alles selbst in der Hand

«Selbst Projekte anregen und aufziehen, das lag mir schon damals. Und das spielerische Beschnuppern der Musikszene liess in mir den Wunsch wachsen, Berufsmusiker zu werden.» Auf dem Weg zu diesem Ziel absolviert er schliesslich die Musikhochschule Basel. Nach seinem Abschluss 2001 fällt er aber ins typische «Loch» und macht sich Gedanken zu seiner Zukunft: «Du hast zwei Möglichkeiten: Du wartest – vergeblich – darauf, dass dich jemand für ein Projekt anruft. Oder du nimmst dein Schicksal selbst in die Hand.»

Er wählt zweites und erhält von seinem Cousin Christoph Flück, der sich als virtuoser Schlagzeuger «Swiss Chris» in New York einen Namen gemacht hat, den entscheidenden Ratschlag: «Schaffe dir deine eigene Szene» – was J.J. Flück dann auch tut. Bald hebt Flück mit «Soulvision» seine eigene Firma aus der Taufe, richtet sich ein Tonstudio ein und wird neben der eigentlichen Tätigkeit als Perkussionist auch als Musikvermittler und -produzent aktiv. «Wenn man von A bis Z alles selber in die Hand nimmt, ist dies zwar mit viel Arbeit verbunden, schafft aber auch ein Netzwerk. Auf diese Weise hat man die Projekte selbst unter Kontrolle», so Flücks Erfahrung im Rückblick.

«Mit Soul bist du hier ein Exot»

Seinen musikalischen Fussabdruck in der Stadt hinterliess er vor zwölf Jahren, was nicht selbstverständlich ist: «Solothurn ist eher auf Rock und Blues gepolt, da ist man mit Soul und Funk eher der Exot.» Nichtsdestotrotz erhielt sein Format der «Summer Jams» im «Solheure» seinen festen Platz in der sommerlichen Kulturagenda. An den «Summer Jams» treten musikalische Gäste auf, die er zusammen mit seinen treuen Wegbegleitern, Bassist Pascal Käser und Gitarrist Sam Siegenthaler, zuweilen als «JJ’s Hausband» begleitet. Sogar im «2nd Friday» traten Flück und Co. als Live-Act auf. Weitere Projekte pflastern seinen Weg, wie die Cover- und Partyband Masterjam oder die «James Brown Tribute Show», wo er als Bandleader wirkt.

J.J. Flück & P. Käser am Drum Festival Switzerland

J.J. Flück & Pascal Käser am Drum Festival Switzerland

Seit 2007 arbeitet Flück auch mit dem Berner Rapper Greis zusammen und konnte seither «seine Szene» über die Stadt- und gar Landesgrenzen ausdehnen, auch an Festivals in aller Welt. Peru, Südafrika, Marokko und vor dem Bürgerkrieg auch Syrien lagen auf diesem Weg. Die ganz grosse Tour folgte 2014: China, «ein komplett anderes Land», wie er nach 20 Tagen und 15 Shows feststellen musste. Unihörsäle wurden zu Konzertbühnen umgestaltet, wo Studenten Greis’ französischsprachigem Hip-Hop mit Begeisterung horchten. Nach Tausenden Kilometern per Flugzeug und Hochgeschwindigkeitszug kam Flück zum Schluss: Mit Musik seinen Lebensunterhalt verdienen und zudem reisen – das ist ein Traum.

Und wie ein Traum mutet das Jahr 2014 für Flücks Werdegang ohnehin an: Erhielt er doch im Rahmen der kantonalen Kunst- und Kulturpreise den Anerkennungspreis für Musik. Auch wenn man nach vielen Jahren kulturellen Schaffens doch oft Hoffnungen für eine solche Würdigung hege: «Der Brief kam völlig unerwartet und ehrt mich sehr.» Zudem habe es die Verleihung ermöglicht, mit anderen kulturschaffenden Menschen zusammenzutreffen. Und Flück, der Vernetzer, scheut auch den Kontakt zur rein elektronischen Musik nicht, arbeitet mit DJs zusammen. «Diese haben oft ein extrem grosses Musikwissen und öffnen den eigenen musikalischen Horizont.»

Wenn die Instrumente zählen

Auf seinen Lorbeeren ausruhen will er sich auch nach der Würdigung durch den Kanton Solothurn nicht. Schliesslich sagt Flücks bisheriges Tätigkeitsprogramm mehr über seinen Erfahrungsschatz aus als über sein Alter. So wird er zusammen mit seiner Hausband «The Voice»-Gewinnerin Nicole Bernegger auf ihrer CD-Release-Tour ab April begleiten. Dort wird er auch als musikalischer Leiter und als Bearbeiter der Live-Arrangements fungieren. Noch aktueller ist ein Projekt, das diesen Samstag um 20.15 Uhr im Kulturm zu hören ist. Dort wird «JJ’s Hausband» Soul ohne Vokalbegleitung spielen, was in diesem Genre eher untypisch ist. «Dadurch kommen die instrumentellen Stärken zur Geltung und – wir werden selber singen», verrät Flück.

Nicht zuletzt gibt Flück sein musikalisches Feuer auch auf andere Weise weiter: beispielsweise in Form von Workshop-Veranstaltungen, Youtube-Lehrgängen oder Fachartikeln über Perkussion, «meine eigenen Wege, um Musik zu vermitteln». Zudem konnte er im Rahmen seines Hausbaus letztes Jahr das Tonstudio unter dem privaten Dach in Halten unterbringen: «Das ist für mich ein Ort, an dem ich proben oder produzieren kann – oder wohin ich mich zurückziehen kann. Eines ist sicher: Unter diesem Dach wird noch einiges entstehen und reifen, das Flücks Soul und Seele in sich trägt.