Politik
Ivo Kummer: «Wir sind in einer Phase der Erneuerung»

Der Pulverdampf in der Schweizer Filmbranche ist verflogen: Während an der Brancheninformation des Bundesamtes für Kultur (BAK) in Solothurn in früheren Jahren eigentliche Rededuelle zu beobachten waren, gab es diesmal kaum Fragen.

Sabine Altorfer
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Ivo Kummer sitzt als neuer Filmchef erstmals hinter dem Tisch. bar

Ivo Kummer sitzt als neuer Filmchef erstmals hinter dem Tisch. bar

«Es ist ungewohnt für mich auf dieser Seite des Tisches zu sitzen», sagte Ivo Kummer gestern Nachmittag in Solothurn. «Bis letztes Jahr war ich bei euch, auf eurer Seite. Das möchte ich nicht verdrängen.» Der neue Leiter der Sektion Film im Bundesamt für Kultur (BAK) informierte die Branche über die Filmförderkonzepte 2012–2015 an seinem ersten, mit Spannung erwarteten Auftritt.

Das Kino im Uferbau war gerammelt voll. Und obwohl Kummer zu erklären hatte, wie die hart umstrittenen Filmförderkonzepte 2012–2015 umgesetzt werden, gabs keine bösen Zwischenrufe, kein Gemurre wie in früheren Jahren. Im Gegenteil: Zum Schluss der Veranstaltung dankte der Regie-Verband für die klaren Regeln und den Dialog.

Neue Struktur in der Sektion Film

«Wir sind in einer Phase der Erneuerung, in einer Phase des Glücks», verkündete BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin. Er präsentierte die neue Präsidentin der Filmkommission, die jurassische SP-Regierungsrätin Elisabeth Baume-Schneider, die voller Tatendrang auf gute Debatten hofft.

Neu sind nicht mehr fixe Kommissionen für die Zusprache der Fördergelder verantwortlich, die Gremien werden vielmehr nach dem Rotationsprinzip aus einem Pool von 44 gewählten Fachleuten zusammengesetzt. «Das ist eine grosse Herausforderung und ich weiss noch nicht, ob wirs immer hinkriegen», so Kummer. Vertreten sein müssen die Fachgebiete, die Regionen, alle (zerstrittenen) Verbände – und immer sind auch irgendwelche Leute im Ausstand, weil sie eigene Projekte eingeben.

Im BAK selber hat Ivo Kummer die Strukturen vereinfacht. Er hat neu einen Dienst Filmkultur eingeführt und vor allem hat er die selektive und die erfolgsabhängige Filmförderung in einen Dienst zusammengefasst. Zukünftig soll auch für ein Gesuch eine einzige Person administrative Ansprechperson sein. So will er die Arbeit der Filmleute erleichtern.»

Was die Arbeit der Kommission erleichtern und dem Frieden in der Branche zuträglich sein wird, ist die Erhöhung des Filmkredits durch das Parlament um 10 auf 50 Millionen Franken pro Jahr. Vor allem die erfolgsabhängige Filmförderung wird erweitert, ab 2012 werden neu die Zuschauerzahlen an Festivals bonifiziert. Aber auch für Treatments und für die Postproduktion kann das BAK künftig Unterstützung bewilligen.

Die Feierstunde des Fernsehens

Eine Feierstunde mit den Filmschaffenden zelebrierte gestern Abend das Schweizer Fernsehen. Es feierte die Unterzeichnung des Pacte de l’audiovisuel für die nächsten vier Jahre. Das bedeutet jährlich 22,3 Mio. Franken für den Schweizer Film und viel Filmstoff für die SRG. SRG-Generaldirektor Roger de Weck betonte fast pathetisch «an diesem guten Tag für den Film und für die SRG» die SRG habe den seit 1997 bestehenden Pacte mit rund 300 Mio. Franken alimentiert, entstanden seien daraus über 2000 Filme.

60 Prozent des Geldes gehen künftig an Fernseh-, 40 Prozent an Kinoproduktionen. Neu werden aus diesem Geld auch qualitative Erfolgsprämien bezahlt und Multimedia-Produkte unterstützt. Was auf dieser neuen Prärie angesät werde, wisse er noch nicht, meinte Projektleiter Mariano Tschuor. Wir hoffen einfach, dass die neuerdings unterstützen Fernsehserien nicht zu dünn angesät werden.

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