Während dreier Wochen war die neue Direktorin der Solothurner Filmtage mit Visionierungen beschäftigt. Die siebenköpfige Jury verbrachte dazu den ganzen Tag und einen Grossteil der Nacht im Kino Uferbau. Etwa 700 Schweizer Filme wurden insgesamt begutachtet. Spät abends am Donnerstag wird dieses Pensum bewältigt sein. «Jetzt fühle ich mich schon etwas ausgelaugt», sagt die 33jährige Zürcherin, die diesen Filmmarathon erstmals absolviert.

Doch am Freitag geht's gleich weiter. Diesmal mit Sitzungen und Diskussionen. Die Jury muss entscheiden, welche Filme für das Festivalprogramm ausgewählt werden. Zwischen 200 und 300 Filme werden es sein, die in Solothurn gezeigt werden. Am 16. Dezember wird das Programm vorgestellt. «Vorher kann ich leider noch nichts dazu sagen», wehrt Rohrer eine entsprechende Frage ab.

In Solothurn gut eingelebt

Darüber, wie sie in Solothurn angekommen ist, hingegen schon. Sie habe sich rasch in der Stadt zurechtgefunden und könne sich auch vorstellen, dass ihre Familie dereinst hier wohne. Ihr Partner und ihr 14-jähriger Sohn leben zurzeit in Zürich. Vorerst hat sie sich eine Zweitwohnung in der Solothurner Vorstadt genommen.

Während den Filmvisionierungen ist Rohrers Tag lang - sehr lang. Bevor sie den ersten Film um Uhr im Uferbau startet, muss die Büroarbeit in der Kulturgarage erledigt sein. Manchmal findet sie noch Zeit für einen Kaffee im «Landhüsli». Doch dann heisst es ist eintauchen ins dunkle Kino.

In der Mittagspause benutzt Seraina Rohrer die Möglichkeit, kurz Luft zu schnappen. Nach tagelangem Nebel scheint endlich wieder mal die Sonne. Schützend hält Rohrer die Hand vor die Augen. Angesprochen auf den sonst nebligen Jurasüdfuss, macht sie grosse Augen. «Ich realisiere das zurzeit gar nicht. Ich glaube auch nicht, dass mich das stört.» Die «Vormittagsschicht» im Kino dauert bis 13 Uhr. Dann gibt es eine Stunde Pause - mehr als ein Snack liegt nicht drin - und weiter geht's bis 18.30 Uhr. «Dann kommt die Solothurner Beizentour», lacht Rohrer. Die Jury nimmt das Nachtessen jeden Abend in einem anderen Restaurant ein. Fertig ist es dann aber noch lange nicht. Zum Abschluss gibts nämlich nochmals Filme bis gegen Mitternacht.

Ein Film soll eine Geschichte erzählen

Was ist für Seraina Rohrer ein guter Film? - «Es ist ein Film, der eine Geschichte zu erzählen hat und dies auf eine Art macht, die mich anspricht.» Auch unkonventionelle Filme mit origineller Idee oder Umsetzung findet sie spannend. Doch manchmal gibt es auch Anlass zum Gähnen - kein Wunder, wenn man 700 Filme ansehen muss. Mit reichlich Kaffeevorrat und kleinen Stärkungen, versucht die Jury, unvermeidliche Durchhänger zu mildern. Es sei auch nicht so, dass jedes Jurymitglied jeden Film sehen müsse. «Manche Filme waren ja schon im Kino oder man kennt sie sonst schon», erklärt die Filmwissenschafterin und Filmpublizistin, die auch einige Zeit und Mexiko und in den USA gelebt hat.

Zum Filmjahrgang 2011 äussert sich Rohrer am Freitag in einem Interview in der az Solothurner Zeitung. Hier verrät sie, dass die Auslese von Dokumentarfilmen und Portraits geprägt ist. «Es hat dieses Jahr wenig Spielfilme», erklärt sie. Auch hätte sie sich gewünscht, dass sie während den Visionierungen etwas mehr zu lachen gehabt hätte. «Möglicherweise werden bewusst für die kalte und dunkle Jahreszeit eher melancholische Filme gemacht.» (at)