Unter dem reisserischen Titel «Die gefährlichste Barockstadt der Schweiz», kritisierte Leser A. W. (Name der Redaktion bekannt), dass es an einem der letzten Wochenenden «erneut zu Übergriffen, Pöbeleien und zu Diebstahl am Bahnhof Solothurn gekommen ist.» Beim seinerzeitigen Bahnhofumbau sei versprochen worden, der Hauptbahnhof werde als «Visitenkarte von Solothurn» neu gestaltet. Stattdessen könne eine «linke und teilweise vermummte Szene» dort schalten und walten wie sie wolle, stellt A. W. fest. Und weiter: «Von Polizeipräsenz keine Spur.» Für eine Intervention habe diese 50 Minuten gebraucht, wird im Leserbrief behauptet. Er verstehe, dass Solothurn kürzlich in der «Weltwoche» als eine der gefährlichsten Gemeinden der Schweiz eingstuft worden sei – bringt A. W. den seiner Meinung nach berechtigten Slogan «Solothurn, die schönste und gefährlichste Barockstadt der Schweiz» ins Spiel.

«Linksaktivisten» im Spiel?

Mit dem Inhalt des Leserbriefs konfrontiert, hält Andreas Mock, Chef Mediendienst der Kantonpolizei, fest: «Aufgrund der gemachten Angaben lässt sich kein entsprechender Vorfall finden, weder am vorletzten noch vorvorletzten Wochenende.» Einzig am 17. September – einem Sonntag – sei die Kantonpolizei in der Nacht zu einer Intervention ausgerückt. Dies, weil ein Mann zwischen dem Hauptbahnhof und der Kreuzackerbrücke angegeben habe, er sei auf der Höhe der Vorstadt-Apotheke von mehreren Personen angegriffen worden. Nach Aussage des Betroffenen seien «Linksaktivisten» für die Attacke verantwortlich gewesen.
Entschieden dementiert Mock jedoch die im Leserbrief aufgeworfene, lange Interventionszeit: «Die Polizei war wenige Minuten später vor Ort», betont der Kapo-Medienchef.

Mehrfach täglich Kontrollen

Hinsichtlich Interventionszeiten erhalte die Kantonspolizei «gute Rückmeldungen. Die Lage wird von den Beteiligten am Bahnhof allgemein als nahezu unverändert eingeschätzt», so Mock. «Auffällig» sei aber sicherlich die Situation rund um den Avec-Shop. «Dort treffen sich insbesondere in der warmen Jahreszeit Leute, die dabei meist Alkohol konsumieren.» Doch führe die Kantonspolizei beim Hauptbahnhof täglich zum Teil mehrfach Kontrollen statt. «Weitere nehmen die Transportpolizei und Securitrans vor», verweist Andreas Mock auf weitere Player im sogenannten «Sicherheitszirkel» des Hauptbahnhofs, in dem alle auf dem Bahnhofareal aktiven Parteien vertreten sind.

Die letzte Sitzung des Sicherheitszirkels habe erst kürzlich stattgefunden, führt Mock weiter aus. «Die Beteiligten stellten da keine aussergewöhnliche Situation oder Veränderung fest. Die nächste Sitzung ist im Frühling vorgesehen, es sei denn dies wäre aufgrund von Vorfällen oder einer veränderten Lage früher nötig.»