Solothurn

Ist die Kreislaufwirtschaft das Rezept?

Miriam Gantert fasziniert das Publikum.

Miriam Gantert fasziniert das Publikum.

Der Informationsabend der 2000-Watt-Region-Solothurn in der Säulenhalle war gut besucht.

Klimaschutz, Nachhaltigkeit und ethisches Verhalten stehen zurzeit hoch im Kurs. Das machte sich auch die 2000-Watt-Region Solothurn zunutze und lud zu einem Informationsabend ein. Im Vordergrund stand die Umstellung vom linearen Wirtschaftssystem zur Kreislaufwirtschaft. Ein Thema, das die Bevölkerung mobilisiert, wie die fast gefüllte Säulenhalle zeigte.

Zurzeit sind es vor allem privat motivierte Initiativen, die erste Erfahrungen mit geschlossenen Kreislaufsystemen machen, die darauf ausgelegt sind, verwendete Rohstoffe über den Lebenszyklus einer Ware hinaus wieder in den Produktionsprozess zurückzuführen, Güter zu reparieren statt wegzuwerfen, Einwegprodukten den Garaus zu machen, Problemstoffe zu vermeiden und Gegenstände zu mieten statt zu kaufen.

Kreislaufwirtschaft ist eine völlig neue Art des Wirtschaftens, wie auch erste Startup-Unternehmen in Solothurn beweisen. Fünf von ihnen stellten sich gleich selbst vor. Zu ihnen gehörte Samuel Bärtschi, der im Sommer in der Stadt mit seinem Foodtruck unterwegs war und für sein Projekt «Six out of seven», das vorwiegend vegetarisch bestimmt ist, Werbung machte.

14 Schafe, die durch Olten ziehen

Unter dem Namen «Gemeinsam Kleidsam» hält Ayshe Yuezer im Alten Spital ein Nähatelier am Laufen, das dem Wegwerfen von noch brauchbaren Kleidungsstücken entgegenwirkt. Mit ihr zusammen lohnt es sich unter dem Motto «Abändern, Flicken und Austauschen» den Kleiderschrank zu durchforsten und der Wegwerfmentalität im Textil-Bereich entgegenzuwirken.

Bestens bekannt ist inzwischen die Oltner Biologin Gabriela Schenker, die mit ihren 14 Schafen öffentliche und private Grünflächen in Olten beweidet, was, wie sie betonte, mehr Biodiversität in die Stadt bringt und gleichzeitig das Abfallproblem sichtbar macht.

Mit der «Santas Oase» macht auch Peter Glaus am Stalden 3 seit kurzem darauf aufmerksam, was gesunde Ernährung mit Bioprodukten bedeutet, dass es auch ohne ein Tiefkühlgerät geht und vegane Ernährung eine Zukunft hat. Etwas aufwändiger ist das Projekt der ersten schweizerischen Solarrösterei «GoSol und Soletta Solar», das von Urs Riggenbach vorgestellt wurde und selbst die Menschen in Afrika überzeugen konnte, dass man dank einer solaren Einrichtung ohne fossile Energie auskommen kann.

«Müssen bei uns selbst anfangen»

Auf grosses Interesse stiess nebst auch das Referat von Miriam Gantert, Geschäftsleiterin und Mitbegründerin des Impact Hub Bern, einer Organisation, die junge Start-ups auf ihrem Weg in die Kreislaufwirtschaft begleitet. «Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen», so das Credo der studierten Physikerin. Während das Recycling in der Schweiz bereits erfolgreich umgesetzt sei, gäbe es noch viele Bereiche, in denen gearbeitet werden müsse, damit Güter möglichst lange im Kreislauf der Wirtschaft bleiben.

Dazu gehörten eine breit angelegte Rücknahmelogistik, Iphones, die Ersatzteile möglich machen, kompostierbare Kaffeekapseln und Textilien, die nicht mit toxischen Stoffen versetzt sind sowie der Verzicht auf Pappbecher, für deren Herstellung heute Millionen Bäume gefällt werden müssten.
Moderiert wurde der Anlass von Judith Bernet.

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