Wird nun die geplante Sanierung des Stadttheaters wegen der Entdeckung abgeblasen? Die Antwort lautet Nein. Die kantonale Denkmalpflege hat diesen Sommer im Stadttheater zwar den wahrscheinlich ältesten partiell noch erhaltenen Theatersaal der Schweiz entdeckt, den es aus denkmalpflegerischer Sicht unbedingt zu erhalten gilt, umgebaut wird das Theater 2013/14 aber dennoch. Die Arbeiten könnten dadurch jedoch in Verzug geraten und teurer ausfallen als geplant.

Die Entdeckung der Dekorationsarbeiten im Bereich der Brüstungen der Zuschauerränge sei «völlig überrraschend» bei einer Voruntersuchung über den Zustand und den Aufbau der Saalkonstruktion (Wände, Decken, Zuschauerränge) gemacht worden, teilt die Denkmalpflege am Mittwoch mit. Die Malereien stammen aus die Zeit des Neubaus des Theatersaals 1778/79 und zeigen im unteren Rang verschiedene Embleme aus der Welt des Theaters und im oberen Rang eine illusionistische Vorhangmalerei.

Einheimische Maler am Werk

Ausserdem konnte festgestellt werden, dass die Holzkonstruktion der Zuschauerränge und die Geometrie des Saales ebenfalls noch aus dem 18. Jahrhundert stammen. Sie gehen somit auf den Entwurf des bekannten Architekten Paolo Antonio Pisoni (1738-1804) sowie des Zeichners Laurent Louis Midart (1733-1800) zurück.

Aufgrund von Schriftquellen lassen sich die neu entdeckten und qualitätsvollen Malereien dem einheimischen Maler Felix Joseph Wirz zuordnen, der in Rom bei Domenico Corvi ausgebildet worden war. Beide, Wirz und Corvi, sind ausserdem als Maler von mehreren Altarbildern in der St.-Ursen-Kathedrale bekannt.

Konzept anpassen

Diese neuen Erkenntnisse haben die Voraussetzungen für den geplanten Umbau des Theatersaals wesentlich verändert. Frühere Beurteilungen des historischen Saales sind laut der kantonalen Denkmalpflege jetzt nicht mehr haltbar. «Die historische Bausubstanz ist derart bedeutend, dass sie aus Sicht der Denkmalpflege unbedingt zu erhalten ist.»

Die Malereien seien gut restaurierbar, weshalb sie auch in Zukunft gezeigt werden können. Die Stadt Solothurn muss deshalb das Konzept für den Saal den neuen Erkenntnissen anpassen. «Es soll die sorgfältige und anspruchsvolle Integration des historischen Bestandes in die notwendige Neugestaltung der übrigen Raumelemente vorsehen und ein neues stimmiges Gesamtbild entstehen lassen», heisst es in der Mitteilung.

Der wieder entdeckte Theatersaal habe das Potential, ein Vorzeigeobjekt der Tourismus- und Kulturstadt Solothurn zu werden. (ldu/mgt)