Schon im April 2016 sah manch einer das Projekt Wasserstadt untergehen. Damals legte ein ehemaliger Bundesrichter dem Kanton Solothurn ein Gutachten vor, das viele rechtliche Hürden, aber keine Realisierungschancen für das visionäre Wohnbauprojekt des Solothurner Immobilieninvestors Ivo Bracher.

Zusammen mit seinen Mitstreitern will dieser direkt an der Aare ein Wohnquartier bauen – auf dem Gelände des heutigen Stadtmistes, der für viel Geld saniert werden muss. Akzeptieren wollten die Initianten das Nein nicht. Umgehend hatten sie angekündigt, ein Ergänzungsgutachten in Auftrag geben zu wollen, das aufzeigen soll, wie die Hürden umgangen werden könnten.

Doch inzwischen ist es ruhig geworden um das Vorhaben. Gerüchten zufolge soll sich das Projektteam nach Sitzungen mit dem Kanton und dem ehemaligen Bundesrichter mangels Erfolgsaussichten gar entschieden haben, auf das Zusatzgutachten zu verzichten.
Was ist dran? Alain Benz, Medienverantwortlicher des Projektes, bestätigt: «Es ist noch kein Ergänzungsgutachten in Auftrag gegeben worden.»

Als Grund nennt er jedoch einen noch ausstehenden Entscheid aus Bern. Man wolle abwarten, ob sich das Bundesamt für Umwelt für eine Teil- oder Totalsanierung des Stadtmistes ausspricht. «Bevor dieser Entscheid gefallen ist und in dieser Sache Klarheit herrscht, besteht keine Dringlichkeit, ein Ergänzungsgutachten in Auftrag zu geben.»

«Zu früh, um Projekt zu sistieren»

Dass das Vorhaben, die Wasserstadt zu realisieren, auf Eis liege, dementiert Benz. «Das Projekt wird weiterverfolgt. Noch ist es zu früh, das Vorhaben gänzlich zu sistieren. Wir hoffen sehr, dass dieses wegweisende Projekt realisiert werden kann.» Benz spricht allerdings von einem «erweiterten Zeithorizont». «Wir rechnen mit langen Entscheidungswegen, die wir aktuell nicht beeinflussen können.» Das Projekt stosse nach wie vor auf Interesse. Immerhin seien auch bereits Anzahlungen erfolgt – und dies, obwohl das Land nicht einmal den Projektinitianten gehört.

Noch nicht klar ist, wie die ehemalige Abfalldeponie im Westen Solothurns saniert wird. Vor einem Jahr hatten der Kanton und die Stadt Solothurn mitgeteilt, dass sie eine Totalsanierung des Stadtmistes bevorzugen. Abklärungen hatten ergeben, dass diese für 120 Mio. Franken machbar sein soll - und nicht wie ursprünglich befürchtet bis zu 300 Mio. Franken kostet.

Offen ist aber noch, ob der Bund ebenfalls eine Totalsanierung unterstützt oder ob er nur an eine auf 65 Mio. Franken veranschlagte Teilsanierung finanzielle Beiträge leistet. Der Entscheid aus Bundesbern steht seit Monaten aus. In der Stadt Solothurn gibt es mehrere Stimmen, die unabhängig vom Bundesentscheid für eine Totalsanierung plädieren. Solothurn müsste dann die entstehende Differenz selbst tragen. Grundsätzlich sieht die Kostenverteilung folgendermassen aus: 20 Prozent trägt die Stadt, 5 Prozent der Kanton, 40 Prozent der Bund und 35 kommen aus dem kantonalen Altlastenfonds.